Wolfach

"Jetzt wird es endlich konstruktiv"

von Katharina Beule

Nun ist es amtlich: Das denkmalgeschützte Engelschulhaus wird in den kommenden Jahren Platz machen für die nötige Erweiterung des Johannes-Brenz-Heims. Die Denkmalschutzbehörde hat den Abriss unter Auflagen genehmigt.

Wolfach. Mit einem Neubau an Stelle des denkmalgeschützten Gebäudes sollen die Anforderungen der Landesheimbauverordnung gemeistert werden. Mit Ablauf der zehnjährigen Übergangsfrist war das Johannes-Brenz-Heim in Zugzwang geraten, diese am Standort umzusetzen. Sie sieht unter anderem vor, dass es künftig nur noch Einzelzimmer gibt. Das Brenz-Heim bietet aktuell 66 Plätze – davon 44 in Doppel- und 22 in Einzelzimmern. Zudem müssen Heime zukünftig im Wohngruppenkonzept arbeiten und jedem Bewohner stehen fünf Quadratmeter Aufenthaltsfläche außerhalb des Zimmers zu. Durch ein "Andocken" des Gebäudes an das Brenz-Heim seien die Vorgaben der Verordnung kaum zu erfüllen.

"Wir haben uns frühzeitig mit dem Thema befasst", erklärt Markus Harter, Geschäftsführer des Brenz-Heims, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Bereits 2009 und 2010 habe es Untersuchungen gegeben, welche Möglichkeiten es gibt, im Bestand umzubauen. "Das war sehr ernüchternd", so Harter. Das Brenz-Heim sei für 66 Menschen konzipiert. Darum sei schnell klar geworden, dass es einen Erweiterungsbau brauche. Eine Alternative zum Engelschulhaus habe es aber nicht gegeben, so Harter. Die Erweiterung "nach oben" sei aus statischen Gründen nicht möglich, der Erwerb der Grünflächen zur Friedrichstraße hin sei an der Ablehnung des Eigentümers gescheitert.

Darum sei man mit der Stadt in Gespräche getreten und habe das Interesse am Engelschulhaus bekundet – und ist sich einig geworden. Im Oktober 2017 fand der Notartermin statt. Bis Ende September läuft noch eine beiderseitige Rücktrittoption. "Weil die Abrissgenehmigung noch fehlte", erklärt Harter, "sonst hätten wir das Gebäude nicht gebraucht."

Denkmalschutz ist die größte Hürde

Größte Hürde sei der Denkmalschutz des Gebäudes gewesen. Diese zu überwinden habe viel Zeit in Anspruch genommen, so der Geschäftsführer. Verschiedene Möglichkeiten, das Engelschulhaus umzuwandeln, seien erarbeitet worden. Aber: "Es gab keine Lösung, die mit der Landesheimbauverordnung konform gewesen wäre." Im vergangenen Sommer sei die Situation und auch die Planung für einen Neubau an gleicher Stelle mit Vertretern des Denkmalschutzes, Heimaufsicht und Stadtverwaltung erörtert worden.

Der Nutzung des Engelschulhauses haben laut Harter vor allem drei Punkte im Weg gestanden. Die Geschosshöhen im Engelschulhaus seien höher als die im Brenzheim, sodass ein barrierefreier Übergang nicht möglich gewesen wäre. Außerdem wäre die Durchfahrtshöhe ob der Verbindung zwischen den beiden Gebäuden zu niedrig, womit keine Feuerwehrzufahrt möglich gewesen wäre. Durch die Gebäudemaße wäre es außerdem nicht möglich gewesen, baulich sinnvolle Wohngruppen einzurichten.

Im August 2018 wurde schließlich der Antrag auf Abriss beim Landratsamt gestellt, die Genehmigung kam Anfang April. Allerdings mit Auflagen. Einerseits muss das Gebäude mit Fotos und Maßen dokumentiert werden, andererseits muss eine genehmigungsreife Bauplanung vorgelegt werden. "Ziel ist es, dass wir spätestens in zweieinhalb Jahren umzugsreif sind", erklärt Harter. Nun soll bei der Heimaufsicht ein Aufschub beantragt werden, denn die Landesheimbauverordnung tritt im September in Kraft. Aktuell sei ein Architekt mit der Planung beschäftig, die der Heimaufsicht vorgelegt werden kann. Das Heim sei zudem mit der konzeptionellen Planung beschäftig. "Unsere Art zu arbeiten wird sich mit dem Wohngruppenkonzept ändern", erklärt Harter. Das Ziel sei es, sich dem Wohngruppenkonzept zu nähern, bis der Neubau steht.

Er sei glücklich, dass das zähe Ringen nun vorbei sei. "Jetzt wird’s endlich konstruktiv", so Harter. Das Heim sei damit für die kommenden zehn Jahre gerüstet.

Die bestehenden Entwürfe sollen nun in eine baugenehmigungsreife Planung fließen. Das Brenz-Heim und der Neubau sollen durch einen Übergang miteinander verbunden werden. In beiden Obergeschossen des Neubaus sind zehn Zimmer geplant. Auch für Erd- und Dachgeschoss gebe es bereits Ideen, verrät Harter. Das müsse aber noch im Verwaltungsrat diskutiert werden. "Da ist noch viel Detailarbeit nötig", erklärt Harter.