Wolfach

"Himmel und Hölle liegen beieinander"

von Markus Adler

Wolfach - Den Beginn seiner Faszination mit dem Weltall und den Himmelskörpern kann Franz Schmalz noch genau benennen: Am 15. Februar 1961 verfolgte er bei fast klarem Himmel eine fast totale Sonnenfinsternis. Damals war er genau zehn Jahre alt.

Doch selbst heute ein halbes Jahrhundert später hat ihn das spannende Geschehen am nächtlichen Himmel nicht losgelassen, auch wenn er natürlich längst nicht mehr so unbedarft an die Sache herangeht wie als kleiner Junge.

»Irgendwie liegen Himmel und Hölle beim Betrachten des Weltalls eng beieinander«, erläutert Schmalz, der seine Passion für die Himmelskörper auch als Ehrenmitglied des Astronomischen Vereins Ortenau auslebt, deren Vorsitzender er fast 20 Jahre lang war.

Die feurige Oberfläche der Sonne ist nicht nur gut 6000 Grad heiß, ermöglicht aber umgekehrt mit ihrer Energie auch das Leben auf der Erde – irgendwie ist das für den Beobachter Himmel und Hölle zugleich, ohne dass er sich zu sehr mit der philosophischen Seite befasst hat. Auch eine Sternenexplosion ist ein höchst komplexes und faszinierendes Geschehen, bringt aber auch existenzielle Gefahren mit sich. Schmalz: »Wir können froh sein, dass wir in der Milchstraße keine solchen Geschehnisse haben.«

Franz Schmalz kennt alle gängigen Phänomene, erklärt gern geduldig, welche Zusammenhänge es dabei gibt und verweist darauf, dass trotz aller Forschungsergebnisse und Fortschritte das Universum noch mehr Rätsel aufgibt, als dass sie beantwortet werden könnten. Und das trotz Teleskopen, die inzwischen mit 40 Metern fast das Vierfache an Durchmesser haben als die bisherigen technischen Standards

»Mit bloßem Auge kann man etwa zwei Millionen Lichtjahre weit sehen – das ist in etwa der Andromeda-Nebel«, sagt der erfahrene Sternenbeobachter. »Mit einem einfachen Teleskop sind dies bereits zig Millionen Lichtjahre, außerdem sehe ich mit dem Auge vielleicht Objekte bis zur sechsten Helligkeitsstufe, während bei einem Teleskop das bis zur zwölften oder 13. Helligkeitsklasse gehen kann«, erzählt Schmalz. Das hört sich nach nicht viel an, aber entspricht einer Exponentialfunktion und erweitert den optischen Horizont im Weltall um ein Vielfaches.

Das Faszinierende daran für ihn ist auch, dass es selbst bei bekannten Bildern immer etwas Neues zu entdecken gibt. Klassisches Beispiel ist der Mond: »Am Mond kann man sich schon satt sehen«, sagt Schmalz. »Erstens sieht es alles immer ein bisschen anders aus, außerdem kann ich mich da hineinvertiefen in die Strukturen«, erläutert der Sternengucker, der seine Kenntnisse auch gern bei Veranstaltungen weitergibt – so zum Beispiel bei den regelmäßigen Treffen auf dem Tochtermannsberg bei Hofstetten wie am 22. September.

Anderes Beispiel: Am vergangenen Wochenende flog die Erde durch die Reste eines Kometen, was durch das Verglühen von Materie in der Atmosphäre in Form von vielen »Sternschnuppen« sichtbar wurde. »Der Höhepunkt der ›Perseiden‹ ist aber schon wieder vorbei«, so Schmalz. »Nur noch ganz vereinzelt wird noch etwas zu sehen sein.«