Wolfach

Gerissenes Schaf: Analyse bestätigt Wolfriss

von Jörg Braun und Lisa Kleinberger

Wolfach - Der Wolf hat das Wolftal wieder erreicht: Vorige Woche wurde ein Schaf von einem Wolf gerissen, mutmaßlich vom Tier "GW852m". Das teilt das Umweltministerium mit.

Am Dienstag voriger Woche hat der Wolf zugeschlagen und ein Schaf von Robert Moser gerissen. Dem Landwirt aus dem Ortsteil Kirnbach war sofort klar, dass Tier nur ein Hund oder Wolf verantwortlich sein konnte, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Tatzenabdrücke seien sehr groß gewesen.

Das sagt der Schafhalter: Das Raubtier kam bei Nacht und machte sich beim Offenstall des Landwirts zu schaffen. Auf der Rückseite des Unterstands, auf der Weide, hätten die Schafe geschlafen. Eines sei wohl aufgeschreckt worden und wurde vom Wolf erwischt: "Er hat ihm die Halsschlagader aufgebissen und es 20 Meter weit mitgeschleift", berichtet Moser. Zudem wurde dem Tier der Bauch aufgeschlitzt. Fraßspuren seien zu erkennen gewesen, aber nicht viele. "Vielleicht wurde der Wolf gestört", mutmaßt der Landwirt. Nachdem er den Kadaver gefunden hatte, informierte Moser den Jagdpächter. Der wiederum schaltete die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg ein, die Proben für die genetische Analyse einreichte.

Die Untersuchung: Das Ergebnis weist einen Wolf als Angreifer nach. Es konnte aber nicht geklärt werden, ob es sich um den bekannten Wolf mit dem offiziellen Namen "GW852m" handelt, der bereits mehrfach im Schwarzwald nachgewiesen werden konnte. Die Experten gehen allerdings davon aus. Das Ergebnis überrascht Schafhalter Moser: "Ich hätte nicht so schnell damit gerechnet, dass es bei uns zu einem Wolfsriss kommt", sagt er. "Er ist hier ja noch nicht vorgekommen." n  Die Reaktion: Für Moser ist es am Donnerstagabend schwer, über mögliche Konsequenzen zu sprechen. "Ich habe immer gesagt: Nach dem ersten Wolfsriss höre ich auf", gibt er zu. "Aber das ist gar nicht so einfach." Denn die Schafhaltung, gibt Moser zu bedenken, ist ein wichtiges Element zur Offenhaltung der Landschaft. "Wenn die wegfällt, ist hier schnell alles voller Bäume." Auch für die Offenhaltung sei der Riss ein schwerer Schlag. "Würde ich nicht direkt hier wohnen, ich würde sofort aufhören."

So viele Wölfe gibt es: In Baden-Württemberg ist laut Landesregierung ein Einzeltier im Nordschwarzwald nachgewiesen, welches aus Niedersachsen zugewandert ist. Zudem wurden seit 2015 fünf weitere Wölfe auf ihrer Wanderung durch das Land erfasst.

Sind Wölfe gefährlich? Wölfe haben nach Einschätzung des Umweltministeriums grundsätzlich kein Interesse am Menschen. Sie sind jedoch wehrhafte Wildtiere, die keinesfalls gefüttert oder bedrängt werden dürfen. In rund 20 Jahren, in denen sich der Wolf wieder in Deutschland ausbreite, sei kein aggressives Verhalten gegenüber Menschen registriert worden.

 Das tut das Land: Auf die Rückkehr des Raubtiers reagiert die Landesregierung mit ihrer Förderkulisse Wolfprävention. Diese reicht im Süden bis auf die Gemarkung Wolfach. Die Förderkulisse hilft bei der Anschaffung von Weidezäunen und Herdenschutzhunden. Laut Umweltministerium wurden bisher über 80 Anträge bewilligt und über 230 000 Euro gezahlt.

Das sagt die Politik: "Ich wünsche mir den Wolf nicht!", sagte der grüne Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann jüngst unserer Zeitung. Aber der Wolf sei nun mal in Baden-Württemberg angekommen und nun müsse man mit ihm leben. Er werde sich weiter ausbreiten. Die Frage sei nur, wie schnell.

Wolfsfunde melden: Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet, sollte ihn nicht anfassen, nicht verfolgen und sofort die Naturschutzbehörde, Forstbehörde oder Polizei informieren.

Was ist zu beachten, falls man auf Wölfe trifft? Das rät das Umweltministerium: n Begegnen Sie ihnen wie anderen Wildtieren auch mit Respekt, halten Sie Abstand, gehen Sie nie auf die Tiere zu und bedrängen Sie diese nicht. n Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht zurückziehen, sollte auf sich aufmerksam machen und sich langsam entfernen. n Folgen die Wölfe in gewissem Abstand, entfernen Sie sich nicht hastig oder laufen weg, sondern gehen oder fahren Sie langsam, betont uninteressiert weiter – und dabei laut sprechen.

n Fühlt man sich unwohl, stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen und bei weiterer Annäherung des Tieres mit Gegenständen werfen.

n Hunde können von Wölfen als Eindringlinge in ihr Revier angesehen und angegriffen werden. Hunde daher anleinen oder nur im engen Einwirkungskreis des Besitzers führen.