Wintersport

Weltcupfinale in Schonach: Eric Frenzel liefert grandiose Schau

von Peter Hettich

Was für eine grandiose Demonstration der Stärke. Eric Frenzel hat in Schonach alles abgeräumt: Der Sachse gewann einen dramatischen Kampf um den Schwarzwaldpokal, das Finale am Sonntag und zum fünften Mal in Folge die Weltcup-Gesamtwertung.

Insgesamt 10.000 Zuschauer sahen die Rennen von Schonach – und den Triumph von Frenzel. "Ich habe noch keine Worte dafür. Ich wusste ja, dass Platz vier zum Gesamtsieg reichen würde. Aber an so einen Rennverlauf habe ich nicht gedacht", kommentierte der 28-Jährige seinen Finalsieg, bei dem der Oberwiesenthaler von Platz neun an die Spitze gestürmt war.

Sein schärfster Konkurrent in der Gesamtwertung, Johannes Rydzek, suchte als Zweiter nach dem Springen die Flucht nach vorne, brach in der Schlussphase aber komplett ein und beendete das Rennen als Neunter. Platz zwei sicherte sich gestern unter dem Jubel der französischen Fans Francois Braud vor Akito Watabe. Das wiederum war das Pech von Lokalmatador Fabian Rießle.

Der Breitnauer stürzte im Springen bei 102 Metern, stürmte im Lauf von Platz 38 auf Position 15, was aber nicht reichte, um Platz drei in der Gesamtwertung gegen den Japaner zu verteidigen. Mit 1069 Punkten fehlten dem Schwarzwälder 17 Zähler zum Sprung auf das Treppchen. Auf diesem stand Frenzel mit 1734 Punkten ganz oben.

Der Abstand zu Rydzek (1609) war angesichts der engen Ausgangslage vor Schonach doch beträchtlich. "Das Wochenende hat wieder gezeigt, dass der Körper manchmal doch mehr leisten kann, als der Kopf vorgibt. Ich habe versucht, meinen Kopf auszuschalten und bin einfach nur gelaufen. Jetzt bin ich nur glücklich", erklärte Frenzel nach einer Saison, die "brutal Kräfte gekostet hat".

Rießle über sein Pech fassungslos

Rießle war fassungslos. Schon am Samstag hatte es für den Breitnauer nach einem vom Wind verwehten Sprung nur zu Platz 27 gereicht. Gestern lief es noch bescheidener: "Dabei war es ein geiler Sprung", schilderte der 26-Jährige sein Malheur. Auch für Manuel Faißt lief es nicht nach Wunsch. Am Samstag verordnete ihm Bundestrainer Hermann Weinbuch nach einem misslungenen Sprung eine Laufpause, gestern landete der Baiersbronner auf Rang 19.

Als Erster in die Spur durfte der Breitnauer Tobias Simon, der das Springen (104,5 m) gewonnen hatte. Vor der letzten Runde – und längst weit zurückgefallen – stieg der 24-Jährige aus und beklagte sein Material: "Mit diesen Brettern hast du keine Chance."

Rydzek, der vierfache Weltmeister von Lahti, musste Frenzels Überlegenheit anerkennen: "Ich gratuliere Eric, er war einfach der Stärkere." Versöhnliche Töne nach samstäglichen Misstönen. Dort war der Oberstdorfer nach einem Taktik-Krimi im Sprint auf der Zielgeraden gestürzt und nur Dritter hinter Frenzel und dem Österreicher Willi Denifl geworden.  

In seiner Enttäuschung verstieg sich der 25-Jährige unmittelbar nach dem Drama zur Behauptung, Frenzel habe die Spur gewechselt und ihn zu Fall gebracht, was Fernsehbilder jedoch widerlegten. Auch Weinbuch bestätigte: "Eric war vorne und hatte die freie Spurwahl. Ritschi hat hoch gepokert, wollte möglichst nahe an ihn heran und dann aus dem Windschatten heraus beschleunigen. Dabei ist er zu eng aufgefahren und hat sich verhakt."

Weinbuch zeigte allerdings Verständnis für den Frust des Allgäuers und riet Rydzek, die Sieger-Pressekonferenz zu schwänzen: "Er musste erst mal runterkommen." Das tat der Pechvogel auch und entschuldigte sich wenig später via Facebook für seine verbalen Ausrutscher.