Wildberg

Das Defizit ist "kein Grund zur Panik"

von Matthias Buchner

Wenn sich Ortschaftsräte mit Haushaltsplänen beschäftigen, geht es normalerweise darum, wie viel Geld im Stadtteil investiert wird. Nicht so in Gültlingen. Die Beratung drehte sich fast ausschließlich um die Umstellung aufs Doppik-System.

Wildberg. Andreas Bauers Vortrag zum Wildberger Haushaltsplan entbehrte nicht einer gewissen Routine – kein Wunder, hatte der Kämmerer der Schäferlaufstadt das Zahlenwerk schon im Gemeinderat und innerhalb von zwei Tagen in drei anderen Ortsgremien vorgestellt. "In Effringen" – dort war Bauer nur eine Stunde zuvor Gast im Ortschaftsrat – "hat man mich gefragt, ob ich nicht eine Kassette aufnehmen und rumschicken will."

Und so ging der Kämmerer in Gültlingen zum fünften Mal öffentlich auf die Eckdaten des Haushalts und die ihm zugrunde liegende Systematik ein. Einmal mehr erklärte er, dass das den Gemeinden vom Land Baden-Württemberg verordnete Doppik-Modell vor allem die Generationengerechtigkeit im Sinn habe, weil Anschaffungen eben nicht nur im Jahr der tatsächlichen Ausgabe zu Buche schlagen, sondern je nach Umfang auch noch in den Folgejahren. Der Kauf eines Klaviers – ein Beispiel, das Bauer auch in vorangegangenen Sitzungen herangezogen hatte – würde so nicht nur in einem Jahr mit dem vollen Kaufpreis berücksichtigt, sondern mit Teilbeträgen auch in mehreren nachfolgenden Haushaltsplänen.

Schielten Ratsmitglieder früher bei der Beurteilung eines Haushaltsplans zunächst auf die Zuführungsrate – jenen Betrag, der im laufenden Betrieb der Gemeinde erwirtschaftet und für Investitionen zur Verfügung gestellt werden kann –, soll nun der so genannte Ergebnishaushalt die maßgebliche Kennziffer sein. Und da klafft im ersten Wildberger Doppik-Haushalt ein Loch von 596 605 Euro.

"Kein Grund zur Panik", beschwichtigte Kämmerer Bauer, dem gegenüber stehe immerhin ein Zahlungsmittelüberschuss von 585 665 Euro, so dass der Schuldendienst in Höhe von 438 000 Euro gesichert sei. Um alle geplanten Investitionen realisieren zu können, sei allerdings eine Nettokreditaufnahme von mehr als 1,6 Millionen Euro notwendig.

"An diese Betrachtungsweise werden wir uns wohl erst gewöhnen müssen", sagte Gültlingens Ortsvorsteher Walter Baur, der Andreas Bauer und seinem Team für deren Arbeit dankte. Die Gültlingen betreffenden Ausgaben – verursacht vor allem durch das Sanierungsgebiet – halte er für notwendig: "Das sind Investitionen in die Zukunft, wir haben damit begonnen und sollten jetzt auch weitermachen." Stadt- und Ortschaftsrat Günther Landgraf zeigte sich beruhigt, weil man in Wildberg mit den Pflichtaufgaben auf einem guten Stand sei – "ich mache mir da eher keinen Sorgen."

Der Ortschaftsrat stimmte den Gültlingen betreffenden Posten im Haushaltsplan einstimmig zu und nahm von der Finanzplanung Kenntnis.