Wellendingen

Aufseher hetzt seinen Hund auf Mithäftling

von Schwarzwälder Bote

Was es heißt, von den Nationalsozialisten verfolgt zu werden, konnten in diesen Tagen die 170 Neuntklässler des Bildungszen­trums Gosheim-Wehingen im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs erfahren.

Gosheim/Wellendingen. Dieser Besuch wurde durch die Kooperation mit der Initiative Gedenkstätte Eckerwald ermöglicht. Als Zeitzeuge war Wieslaw Majchrzak, geboren 1947, aus Polen gekommen.

Streng genommen, ist allerdings nicht er selbst der Zeitzeuge, sondern sein Vater Stanislaw Majchrzak. Aber da dieser im Jahr 2016 gestorben war, übernahm Wieslaw ­Majchrzak die verantwortungsvolle Aufgabe, die Erinnerungen seines Vaters an die jüngeren Generationen weiterzugeben.

Sein Vater, geboren 1919, wurde als Teil einer Widerstandsgruppe im Jahr 1943 in Polen verhaftet und durchlief daraufhin verschiedene Gefängnisse und Konzentrationslager. Zusammen mit dem Vater wurden 79 weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet. Überlebt haben nur drei von ihnen.

Der Vater sah während seiner Gefangenschaft selbst viele Menschen sterben, nicht nur indirekt durch das Feuer und durch den Rauch der Krematorien. Besonders schmerzhaft in Erinnerung geblieben ist ihm zum Beispiel, wie der Aufseher eines Konzentrationslagers seinen Hund auf einen Mithäftling hetzte, woraufhin der Mithäftling qualvoll starb.

"Mein guter Hund!", war der einzige Kommentar des Aufsehers. "War dieser Mensch noch ein Mensch oder ein Monster in menschlicher Gestalt?", fragt Wieslaw Majchrzak.

Sein Vater wäre in dem Konzentrationslager beinahe gestorben. Ein Pfleger rettete ihm einmal das Leben, indem er ihn, den schwerkranken Stanislaw Majchrzak, im entscheidenden Augenblick innerhalb des Konzentrationslagers versteckte. Stanislaw Majchrzak überlebte die Nationalsozialisten. Er überlebte die Gefängnisse Radomsk und Tschenstochau im Jahr 1943.

Anschließend litt er ein Jahr im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Von August 1944 bis zur Auflösung des "Wüste"-Lagers Dautmergen im April 1945 ist es Stanislaw ­Majchrzak nur durch gute Fügung und viel Glück gelungen, dem Tod von der Schippe zu springen.

Befreit am 22. April 1945

So auch auf dem "Todesmarsch" am 18. April 1945 von Dautmergen nach Altshausen in Oberschwaben, bevor er am 22. April 1945 befreit wurde.

Seine Leidenszeit war aber nicht mit der Zeit der Nationalsozialisten zu Ende. In den Jahren 1948 bis 1953 wurde er in einem Gefängnis Stalins gefangen gehalten. Bis zu seinem Tod waren diese Erlebnisse präsent.