Waldshut-Tiengen

Baby getötet: Anklage enthüllt grausame Details

von Ralf Deckert

Waldshut-Tiengen - Vor dem Landgericht Waldshut wird ab Montag der Tod des kleinen Jeremy aus Laufenburg/Kreis Waldshut verhandelt. Das knapp drei Monate alte Baby war am Ersten Weihnachtstag 2017 von seinem Vater erschlagen worden, weil dieser sich mit der Betreuung des Säuglings „überfordert“ gefühlt hatte.

Der vielfach wegen Gewalt- und Drogendelikten vorbestrafte 36-Jährige soll das weinende Kind gegen einen Schrank, eine Wand und mit voller Wucht auf den Boden geschleudert haben, um es zum Schweigen zu bringen. Jeremy erlitt dabei einen Bruch der Wirbelsäule und mehrere Schädelbrüche und starb noch am Tatort. Nach der Tat hatte der Mann selbst die Polizei alarmiert und die Tötung seines Kindes gemeldet. Die Anklage lautet auf Totschlag, das Strafmaß liegt hierfür zwischen fünf Jahren und lebenslanger Haft.

Der Angeklagte nahm zur Tatzeit an einem sogenannten Substitutionsprogramm für Süchtige teil und war offenbar auf Drogenentzug, weil ihm das Methadon ausgegangen war: Jeremys Mutter (33) war losgezogen, um ihm in Lörrach entweder Methadon oder Heroin zu besorgen. Die Frau hatte in der Vergangenheit selbst Drogenprobleme und soll nach Informationen unserer Zeitung zwei ältere Kinder haben, die deswegen vom Jugendamt in Obhut genommen worden sind.

Auch vor Jeremys Geburt war das Paar freiwillig zum Jugendamt gegangen und hatte dort um Hilfe und Unterstützung ersucht. Laut Behörde soll die Betreuung gut gelaufen sein. Rechtsfehler in dem Verfahren waren bei einer Untersuchung durchs Freiburger Regierungspräsidium nicht festgestellt worden, lediglich die Dokumentation der Fallakten war als verbesserungswürdig eingestuft worden. Für den Prozess gegen Jeremys Vaters sind sechs Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll am 2. Mai gesprochen werden. Bis dahin werden neben diversen Zeugen auch drei Sachverständige aussagen.