Waldachtal

Wer hat im Wettbewerb mit neuen Produkten die Nase vorn?

von Schwarzwälder-Bote

Waldachtal-Salzstetten. "Time-to-Market", also die Zeitspanne von der Idee zu einem Produkt bis zu dessen Markteintritt, wird mit kürzeren Produktlebenszyklen immer bedeutsamer. Um diesen Erfolgsfaktor näher zu beleuchten, fand eine Fachtagung der Firma Frank plastic AG mit dem Thema "Time-to-Market" statt.

Je eher das Produkt am Markt angeboten werden kann, desto schneller können durch generierte Umsätze und Gewinne Entwicklungs- und Markteinführungskosten amortisiert werden. Gleichzeitig ist eine kürzere "Time-to-Market" ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, wer im Wettbewerb mit neuen und innovativen Produkten die Nase vorn hat. Der geschäftsführende Gesellschafter bei Frank plastic, Christian Holzherr, begrüßte zur Fachtagung rund 40 Gäste aus ganz Deutschland und machte in seiner Einleitung deutlich, wie es in der Technik, aber ganz besonders in der Medizintechnik, darauf ankomme, die verschiedenen Anforderungen an neue und innovative Produkte zu erfüllen und trotzdem schnell zu sein. Ein Teil, eine Baugruppe, ein Produkt bestünde heute aus einem physischen Teil und einem dokumentarischen Teil.

Die Qualität der Zusammenarbeit auf der Strecke der Wertschöpfung bis zum Endkunde sei zeitentscheidend. Diese Erkenntnis habe Frank plastic umgesetzt. Man habe, so Holzherr, deshalb in den vergangenen Jahren nicht nur eine für die Größe des Unternehmens ungewöhnlich starke Entwicklungs- und Projektmanagementabteilung etabliert, sondern auch in den Aufbau von Wissen investiert und könne Kunden nun neben der reinen Produktion ein breites Dienstleistungsspektrum anbieten. Dieses "unterstützende Mitwissen" schätzten mehr und mehr Kunden.

Hendrik Liebau, Leiter Vorserie bei Frank plastic, machte als erster Redner den Auftakt. Er beleuchtete die Anforderungen an Geschwindigkeit aus der inneren Sicht eines Unternehmens und sprach über "Typische Stolpersteine in Projektverläufen". Er skizzierte Lösungswege, die von der Überwindung eines oft zu beobachtenden übertriebenen Optimismus bis zu einer gesunden, ehrlichen Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten reichten. Dies sei die Grundlage für eine gut funktionierende, erfolgreiche Zusammenarbeit.

Arne Jansen-Troy, Technologieverantwortlicher der Firma Weber Instrumente, berichtete in seinem Vortrag zum Thema "Regulatorik als Innovationsbremse beim Marktzugang" über die neuesten regulatorischen Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik. Hier seien seit dem Skandal mit Brustimplantaten aus billigem Industriesilikon im Jahr 2010 die Dokumentationsanforderungen exponentiell gestiegen. Dies biete zum einen verbesserten Patientenschutz, andererseits bringe dies aber auch einen enormen Mehraufwand für die Hersteller und ihre Fertigungspartner mit sich. Verstärkte Überwachungsmaßnahmen, zum Beispiel in Form von Behörden- und Kundenaudits, und immer mehr fertigungstechnisch relevante Fragen, zuletzt etwa bei der Umsetzung des von der amerikanischen Food and Drug Administration geforderten UDI-Labellings, seien aber auch eine Chance für den Mittelstand. Dieser könne häufig flexibler mit Produktentwicklungen auf veränderte Anforderungen reagieren.

Andreas Happold, Vertriebsleiter der seleon GmbH, betonte im Anschluss in seinem Vortrag zum Thema "Time-to-Market bei der Entwicklung komplexer medizintechnischer Systeme" die Bedeutung der frühzeitigen, umfangreichen Planung in der Produktentwicklung.

Zu Beginn investierte Zeit zahle sich in späteren Entwicklungsphasen aus. Von Anfang an sei es deshalb wichtig, Zulassungs-, Qualitätsmanagement- und regulatorische Fragen in der Entwicklung zu berücksichtigen, um späteren Komplikationen und damit zusätzlichen Zeit- und Geldaufwendungen vorzubeugen. Die anschließende Diskussion fasste Holzherr zusammen, in dem er die verschiedenen Perspektiven der Vortragenden miteinander verknüpfte: "Time-to-Market" könne man nicht allein lösen, sondern mit starken, kooperativen Partnern. Wenn es gelinge, die eigenen Fähigkeiten des Unternehmens mit komplementären Fähigkeiten von Partnern zu verknüpfen, dann sei dies die naheliegende Realisierung des Vernetzungsgedankens von Industrie 4.0.

Bei einem Imbiss, sowie den im Anschluss angebotenen Betriebsbesichtigungen konnten Kontakte geknüpft und individuelle Diskussionen geführt werden.