Waldachtal

"So hat man einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen!"

von Jürgen Lück

Waldachtal-Tumlingen. Nach dem Gottesdienst stellen sich Dekanat Werner Trick und Prälat Christian Rose der Diskussion. Viele Kirchengemeindemitglieder haben das "Wir sind Markus" auf der Brust.

Der Dekan sagt, welche Aufgaben Markus A. jetzt in Tuttlingen hat: "Vakaturen, Vorträge und Gottesdienste halten und im Dekanat mithelfen."

Ein Gemeindemitglied: "Das sind doch Strafarbeiten. Angesichts dessen, dass strafrechtlich nichts ist und brennende Fragen noch offen sind. Das halte ich doch für einen Freispruch zweiter Klasse!"

Der nächste sagt: "Wir wollen wissen, wo und genau wann hat A. seine Amtspflichten verletzt? So hat man einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen!"

Sein Nebenmann: "Es gibt nur Spekulationen, die im Raume stehen. Das sollte geklärt werden, ob wirklich etwas dran ist. Sonst öffnet man dem Denunziantentum Tür und Tor!"

Prälat Rose verweist darauf, dass die Kirche ein Disziplinarverfahren geführt habe. Und dass möglicherweise bei einem strafrechtlichen Verfahren die Anschuldigungen konkret benannt werden –­ im Unterschied zu den Kirchen.

Ein Gemeindemitglied: "Aber sehen Sie nicht, welche Unsicherheit damit auch bei den Kindern hervorgerufen wird. Die sind hilflos!" Das nächste Mitglied wirft ein: "Die Kirche muss zur Vergebung stehen. Wenn an den Vorwürfen wirklich etwas dran ist, sollte man ein Strafverfahren einleiten, damit alle wissen, ob man vergeben sollte oder nicht."

Kein Verfahren

Der Pressesprecher der Landeskirche hatte dem Schwarzwälder Boten gesagt, dass der Oberkirchenrat immer Betroffene darauf hinweist, dass sie Strafanzeige stellen können.

Bürgermeisterin Annick Grassi verweist darauf, dass nach ihren Informationen es bis heute kein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer A. gibt. Sie hatte den Gottesmann persönlich verabschiedet.

Ein älterer Mann sagt: "Nach dem Pfingstgottesdienst bin ich zufrieden nach Hause gegangen. Weil ich das Gefühl hatte, alles ist geklärt. Und Pfarrer Markus A. sagte, dass er Anfang Juni wieder da ist."

Im Pfingstgottesdienst soll es einen "Eklat" gegeben haben.

Der ältere Mann weiter: "Kurze Zeit später stand das Auto vor der Tür, und Pfarrer A. begann mit seinem Umzug. Das hat für mich die Sache auf den Kopf gestellt!"

Dekan Trick: "Seit diesem Tag hat es einen neuen Entwicklungsprozess in Stuttgart gegeben. Eine andere Entwicklung."

Rose: Es war nicht nichts. Das heißt: Es war was."

Ein Zuhörer fragt: "Was?" Rose: "Das müssen Sie Pfarrer A. fragen." Der nächste sagt: "Er hätte heute zu seinem Abschiedsgottesdienst kommen können."

Wieder wird nachgebohrt: "Ist es richtig, dass die Landeskirche vorgegeben hat, dass sich Pfarrer A. hätte entschuldigen müssen?"

Rose: "Ich schreibe ihm das nicht ins Stammbuch. Bitte vergessen Sie auch nicht die andere Seite der Betroffenen!"

Gegenüber sagt ein Mann: "Denken Sie an die Psyche des betroffnen Jugendlichen." Die Frau neben ihm: "Es stimmt nicht, dass alles gut und schön ist, was Pfarrer A. gemacht hat."

Eine Frau mit "Wir sind Markus": "Du weißt doch gar nicht, was wirklich passiert ist! Warum ist das Opfer seit Jahren in Behandlung?"

Keine Auskunft

Rose: "Nur einer könnte hier Auskunft geben –­ Pfarrer A. selbst."

Organistin Margrit Bauer: "Ich sehe hier viele Leute stehen, die sonst nicht in der Kirche sind. Vor Pfarrer A. hatten wir einen Pfarrer, der ging hinten raus, während die Gemeinde vorne raus ging. Unter Pfarrer A. ist die Kirchengemeinde wieder aufgeblüht."

Eine andere Frau: "Vielleicht hat Pfarrer A. seine dunklen Seiten. Dass er jedoch jetzt so in der Kommune beschädigt ist, geht gar nicht."

Und die Stimmung gegen die Kirchenleitung kocht weiter hoch. Ein Mann: "Ich habe im März das mitbekommen. Dann ist ein Maulkorb drüber –­ das war so krass. Wenn Pfarrer A. was verbrochen hätte, vielleicht noch verständlich. Doch die Untersuchungen zogen sich so lange hin. Und dass er weg ist, ist frustrierend. Es dauert mindestens ein Jahr, ehe wir wieder einen neuen Pfarrer haben! Können Sie das verantworten?"

Prälat Rose: "Wir müssen uns an die Gesetze halten. Diese Momente fallen mir nicht leicht. Wir haben uns auch erkundigt bei Polizei und Schulen. Sie haben uns bestätigt, es ist der einzig richtige Schritt, den wir jetzt machen."

Dann ist die Diskussion vorbei. Rolf Müller, Vorsitzender des Kirchengemeinderats: "Ich vertraue darauf, dass Gott auch aus schlechten Situationen etwas Gutes macht."