Waldachtal

Ein Standort für betreutes Wohnen

von Eberhard Wagner und Andreas Wagner

Im September des vergangenen Jahres richtete sich die Firma Kern Immobilien mit einer Bauvoranfrage an den Ortschaftsrat Lützenhardt. Carl-Philipp Kern und Architekt Karl-Helmut Röttgen trugen ihre Ideen zur möglichen Bebauung des ehemaligen "Granzow"-Fabrikgeländes vor.

Waldachtal. Diese Ideen beinhalteten die Entstehung einer betreuten Wohnanlage, die für Senioren über 65 Jahre und Schwerbehinderte gelten sollten. Mittlerweile hat die Firma Kern das Gelände erworben und beabsichtigt, das Vorhaben zu realisieren. In der Sitzung des Gemeinderats stellten Röttgen und Kern die Planungen dem Gremium vor. Das Nutzungskonzept sieht unter anderem vor, dass in einem Gebäude eine ambulant betreute Wohngemeinschaft (Emilia-WG) entstehen wird. Acht großzügige Zimmer mit jeweils einem Badezimmer sowie ein gemeinsamer Wohn-, Ess-, und Küchenbereich sind hierbei vorgesehen. Als möglicher Betreiber käme die Stiftung "Innovation & Pflege" aus Sindelfingen in Frage, die eine Präsenzkraft rund um die Uhr stellen könnte.

Selbstbestimmtes Leben

Ziel sei es, pflegebedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und dass diese sich weiterhin am Dorfgeschehen beteiligen können. Ferner sollen zehn barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen entstehen, die aus der "Emilia-WG" heraus betreut werden. In den übrigen Gebäuden sei eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen möglich. Dabei könnten zwischen 28 und 34 Wohnungen entstehen, die aus einem bis vier Zimmern bestehen könnten und teilweise barrierefrei erreichbar wären.

Kathrin Zink-Jakobeit begrüßte das Vorhaben und gab allerdings zu bedenken, dass die Anzahl der Zimmer für große Familien nicht ausreichen könnten. Fünf-Zimmer-Wohnungen seien zudem innerhalb der Gemeinde sehr rar, wobei ihr Bürgermeisterin Annick Grassi zustimmte. Kern gab zu verstehen, dass durchaus auch größere Wohnungen in der Umsetzung möglich seien. Die Entwurfsplanung sieht vor, dass der bisherige Gebäudekomplex abgerissen wird. "Wir haben einen zunehmenden Gebäudeverfall festgestellt", erklärte Kern dem Gremium. Röttgen sieht vor, dass die künftigen Gebäude mit einer Tiefgarage, die mit 50 Stellplätzen ausgestattet werden soll, miteinander verbunden sind und jedes Gebäude mit einem Fahrstuhl erreichbar sein wird. Zusätzlich könnten in Richtung der Straße offene Stellplätze für Besucher zur Verfügung stehen. "Es ist genau der richtige Standort für betreutes Wohnen, wenn wir an die Pläne der Gemeinde in Richtung zentrales Rathaus und den Bau des Edeka denken", stellte Röttgen fest.

Einstimmige Zustimmung

Der Gemeinderat stimmte der vorgestellten Planung einstimmig zu und fasste einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Wohnen an der Waldach", der im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden kann. Röttgen und Kern hofften, dass dieser bis spätestens zum Winter gültig wird, da unter anderem die öffentlichen Belange bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Sicherlich werde hierbei das Thema Hochwasserschutz eine wesentliche Rolle einnehmen, vermutete Röttgen, der in den Planungen die Überflutungsbereiche der Waldach berücksichtigte. Mit dem Abbruch der Gebäude könne daher frühestens im Winter 2018 begonnen werden. Die künftigen Gebäude sollen in mehreren Bauabschnitten errichtet werden. "Wir richten uns in dem Fall nach dem Bedarf", erklärte Kern. Die Kosten des Verfahrens übernimmt der Projektleiter, was die Verwaltung der Gemeinde in einem städtebaulichen Vertrag festhalten wird.