Waldachtal

Aus dem Urlaubsort wird ihre zweite Heimat

von Walter Maier

"50 Jahre Krieg und Frieden" – so überschreiben Rudolf und Brigitte Klink in Salzstetten schmunzelnd ihr Ehe-Jubiläum. Das ist die Art von Humor, die dem Jubelpaar zu eigen ist. Goldene Hochzeit feierten sie bereits vor Weihnachten auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer.

Waldachtal-Salzstetten. Jetzt gratulierte Bürgermeisterin Annick Grassi dem Jubelpaar Rudolf "Rolf" und Brigitte Maria Theresia "Conny" Klink, die in der Dorfackerstraße 2 wohnen, in Salzstetten. Die Bürgermeisterin überbrachte auch die Glückwunsch-Urkunde des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Der Bund fürs Leben schlossen sie vor 50 Jahren am 18. Dezember 1968 im Rathaus in Lützenhardt. Standesbeamter war seinerzeit Bürgermeister Rudi Axt. Kennengelernt hat sich das Paar im Juli 1967 im Café Mäder in Dornstetten, als Brigitte als 19-Jährige auf Urlaub und Arbeitssuche in der Fachwerkstadt weilte. Die temperamentvolle 71-Jährige bringt fünf Lebensjahrzehnte ihrer Ehe auf humorvolle Art auf einen Nenner: "50 Jahre GmbH: Geh mal, mach mal, bring mal, hol mal".

Den Tag ihres Ehejubiläums feierten die Eheleute während einer Kreuzfahrt mit drei Stunden im Regen auf der Akropolis in Athen: "Wir waren bis auf die Haut nass." Drei Kinder gratulieren zur Gold-Hochzeit: Markus (1964) aus Wien, Oliver (1969) aus Salzstetten, und Thorsten Klink (1976) aus Lützenhardt, sowie Enkelkind Isalie Marie (2009).

Sie stammt aus Bayern, er aus Lützenhardt: Von Dornstetten zog das Paar 1969 in den Seeweg nach Salzstetten und seit 1977 leben sie in ihrem Haus im Dorfacker 2 an der Oberdorfstraße. Brigitte, geborene Conrad, erblickte in Neunburg vorm Wald im Kreis Schwandorf das Licht der Welt und zog wegen beruflicher Veränderung des Vaters im Alter von fünf Jahren mit Familie und Bruder nach Schwelm in Westfalen. Ihr Vater stammte aus Westfalen, ihre Mutter aus Bayern. Im Alter von 19 Jahren fuhr sie "mit 40 Mark und Fahrkarte in der Tasche" in den Urlaub in den Nordschwarzwald, der dann zu ihrer zweiten Heimat werden sollte. Die ausgebildete Friseurin arbeitete in Freudenstadt und Tonbach und machte in Salzstetten sieben Jahre Heimarbeit für die Bekleidungsfabrik Heim. Von 1979 bis 1985 war sie als Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft bei ihren Schwiegereltern Ludwina und Franz Klink in der Biergasse in Salzstetten beschäftigt und weitere zwei Jahre bei den Nachfolgern Irmgard und Florian Wild. Es folgten zehn Verkäuferinnen-Jahre beim Pfannkuch-Markt in Lützenhardt und vier Jahre bei der Metzgerei Schetter in Grünmettstetten/Tumlingen.

Große Puppensammlung

Conny Klink leitet die Sparte Frauenturnen im Sportverein Salzstetten seit 20 Jahren. Leidenschaftlich gern macht sie Bastelarbeiten aller Art. Sohn Oliver sagt: "Aus meinem Elternhaus mache ich später mal ein Museum." Sie blüht auf, wenn sie ihre Sammlung mit 256 Puppen und 186 Bären zeigt. Viele davon hat sie selber hergestellt. Zusammen mit ihrer Nachbarin Gabi Söll verzierte sie Straßenlaternen mit bunten Strickereien. Außerdem ist sie im Strickclub "Die wolllustigen Weiber" aktiv.

Ihr Lebensmotto "Lachen hält jung" ist allgegenwärtig. Haus und Vorgarten gestaltet sie ideenreich: Sie sind ihre Schmuckstücke. Insgesamt 15 Wochen lang gab sie Handarbeitsunterricht im Bildungshaus Salzstetten. Das Bedürfnis, die Welt zu entdecken, hat sie von ihrem westfälischen Vater geerbt. Reiselustig ist sie seit zehn Jahren in ganz Europa unterwegs. Sie möchte nochmals nach Irland und in naher Zukunft ihren Traum, nach New York zu reisen, verwirklichen. 30 Jahre lang war die Familie mit Freunden Stammgast auf dem Campingplatz Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich.

Mit Herzblut führt Rolf Klink seit 2008 die VdK-Ortsgruppe Salzstetten mit ihren 87 Mitgliedern und betreibt aktiv die kooperative Zusammenarbeit mit der Nachbar-Gemeinschaft, der VdK-Ortsgruppe Waldachtal mit Sitz in Lützenhardt. Eine Geisteshaltung, für den Nächsten da zu sein, und soziales Engagement wurde dem inzwischen 70-Jährigen in die Wiege gelegt. Aufgewachsen ist er als Sohn von Franz Klink und Ludwina, geborene Müller, in Lützenhardt. Sein Bruder Thomas ist im Alter von nur 39 Jahren verstorben. Seine Schwester Alexa arbeitet für den Deutschen Entwicklungsdienst in Ruanda.

Gern holt er sein Akkordeon hervor, um gesellschaftliche Treffen, vorwiegend im Kreis des VdK, musikalisch mitzugestalten. Musik und Kartenspielen sind seine Steckenpferde. Nach seiner Ausbildung zum Elektriker bei Hans Schmid in Vesperweiler arbeitete er eineinhalb Jahre bei Homag und von 1968 bis 2011 insgesamt 43 Jahre lang als Betriebselektriker bei der Unternehmensgruppe Fischer in Tumlingen, wo er sich auch 20 Jahre lang als Betriebsrat engagierte.