Vöhringen

Der "Chef" hatte immer ein offenes Ohr

von Ingrid Vögele

Mit Bestürzung vernahmen Freunde, Wegbegleiter und Mitbürger von Vöhringen die Nachricht vom Tod von Hans Beilharz, der einem kurzen, schweren Leiden erlag.

Vöhringen. Sein Tod bedeutet, Abschied zu nehmen von einem bodenständigen Pragmatiker mit Weitblick, großzügigen und fürsorglichen Chef, Mitstreiter, Familienvater und Großvater. Er sah, wo es fehlte, wirkte selbstlos im Hintergrund als stiller Organisator, Unterstützer und Helfer. Ein einfaches "Danke" genügte, denn die Freude des so Beschenkten war auch seine Freude. Immer auf Frieden aus, sollte sich jeder in seiner Gegenwart wohlfühlen.

Der 77-jährige Hans Beilharz wurde in Sulz geboren und wuchs in Vöhringen als Sohn des Unternehmers Eugen Beilharz auf. Nach dem Besuch des Sulzer Progymnasiums und der Kaufmännischen Fachschule in Reutlingen erlernte er entgegen der Überzeugung des Vaters den Beruf des Mechanikers bei der Firma Mauser in Oberndorf. In diesem Berufszweig sah er seine Zukunft, er legte das Abitur ab und studierte Maschinenbau in Konstanz. Die erlebte Jahrhundert- "Seegfrörne" 1963 am Bodensee hinterließ einen bleibenden Eindruck. 1965 bis 1971 profitierte die Firma Bauknecht Haushaltsgeräte in Stuttgart von seinem theoretischen Wissen und praktischen Können. Er war in der Entwicklung tätig, bis er 1971 auf das drängende Bitten seines Vaters in den elterlichen Betrieb wechselte, wo er 1973 zum Geschäftsführer bestellt wurde. Lag der bisherige Schwerpunkt der Firma im Bereich Holzverarbeitung, bekannt etwa durch Handleiterwagen und Schlitten der Marke "Vorwärts" und durch Straßenausrüstung aus Holz, so entwickelte Hans Beilharz letzteren Bereich weiter. Zukunftsweisend wurden nun Kunststoffleitpfosten hergestellt. Parallel mit der Weiterentwicklung der Straßenausrüstung führte Beilharz seine Vöhringer Firma von nationaler Ebene zu einem internationalen Unternehmen. Und immer kümmerte er sich selbst um einen reibungslosen und zufriedenstellenden Geschäftsablauf, das heißt er war selbst beim Aufbau seiner Leitpfosten als Hilfe vor Ort in fremden Ländern.

Mit seinem Eintritt in den Ruhestand 2007 übergab er sein Unternehmen seinem Sohn Stefan Beilharz. Sein Herz hing an seinem Lebenswerk, denn noch zwei weitere Jahre pflegte er den unterstützenden und wertschätzenden Kontakt auch mit den Mitarbeitern, von ihnen geachtet und liebevoll "Chef Hans" genannt, der immer ein offenes Ohr hatte und für ihre Belange da war.

Auch sein Privatleben war von Aktivität geprägt. Jahrzehntelang war er CDU-Mitglied und leitete als Ortsvorsitzender deren Geschicke. Selbst im Ruhestand hatte er noch das Amt des Kassierers inne. In den 1980er-Jahren setzte er im Gemeinderat zwei Perioden lang seine Kraft zum Wohl der Gemeinde ein, wie er es auch jetzt noch mit viel Herzblut bei den "Bürger für Bürger" tat. Er war Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Tennisclubs Vöhringen-Wittershausen und lange Jahre im Ausschuss des Schützenvereins. Beim Reit- und Fahrverein in Donaueschingen oblag ihm bei den Fahrturnieren die Zieleinfahrt der Viererzuggespanne. Der große Tierfreund hat als Mitglied auf Gut Aiderbichl außerdem eine Tierpatenschaft übernommen.

Seine Familie war neben seiner Arbeit sein zweiter Schwerpunkt im Leben. Sie galt ihm alles, insbesondere seine Enkelkinder. Als Naturliebhaber liebte er die Berge, in denen er im Ruhestand mit seiner Frau Regina die Urlaube verbrachte, was zuvor aus Zeitgründen nicht möglich war.

Mit seiner Frau trauern um ihn seine zwei Kinder und vier Enkelkinder.