Villingendorf

"Jedes Tattoo erzählt eine Geschichte"

von Jasmin Cools

Villingendorf - Gefährliche Stunts, waghalsige Mutproben – die Serie "Jackass" des Musiksenders MTV hat Patrick Manier früher nie verpasst. Kein Wunder also, dass sein Tattoo etwas mit dem TV-Protagonisten Bam Margera zu tun hat.

"Jedes einzelne meiner Tattoos erzählt eine Geschichte", sagt Patrick Manier aus Villingendorf. Die Motive auf seinem Körper greifen entweder ein Hobby, eine Leidenschaft oder eine Lebenseinstellung des 28-Jährigen auf.

Bei seinem ersten Tattoo, das er wie die meisten seiner Motive selbst gezeichnet hat, war er noch vorsichtig, ließ es sich aufs Bein stechen, um es gegebenenfalls abdecken zu können. "Ein Tattoo wollte ich schon immer haben, das fing mit 15 Jahren an. Mit 19 Jahren habe ich es dann gewagt", sagt Manier, der vorher bei einer Bank gearbeitet hat. "Da war es schon hart, bei mehr als 30 Grad im Langarm-Hemd herumzulaufen", erinnert er sich. Nach dem Kreuz an seinem Bein wurde der Villingendorfer nämlich mutiger.

Er begann ein umfangreiches Gesamtkunstwerk am Arm. Es begann mit seinen Initialen: PAM (Patrick Albin Manier). "Gleichzeitig war es eine Anspielung auf Bam Margera, mein Jugendidol", erklärt der 28-Jährige.

Und weil dessen Lieblingsband die finnische Gruppe HIM war, folgte auch noch das passende Logo: das Heartagram. "Es setzt sich aus einem Herz und einem Pentagramm zusammen, verkörpert also das Zusammenspiel von Gut und Böse", meint Manier. Das sei mittlerweile auch zu seinem Logo geworden. "Ich unterschreibe damit auf Grußkarten beispielsweise. Das ist mein Markenzeichen", sagt er.

Die Liebe zum Idol Bam ging sogar soweit, dass der Villingendorfer sich das gleiche Motiv wie der TV-Star auf den Oberarm tätowieren ließ.

Als Nächstes folgte der Teil eines Songtextes der Band Rise Against: "How we survive is what makes us who we are" (deutsch: Wie wir überleben, ist, was uns zu dem macht, was wir sind). "Das ist ein Lied, das mich über lange Zeit begleitet hat", sagt Manier.

So sei es mit allen seinen Tätowierungen. "Wenn es Dinge sind, an denen ich nicht nach einem Jahr die Lust verliere, dann gehören sie auch auf meinen Körper", meint der Villingendorfer. Jedes einzelne Tattoo habe er mit Bedacht ausgewählt.

Nachdem einige Motive auf dem Arm prangten, stand er vor dem Problem, dass dieser "zerstückelt" aussah. "Das sah nicht gut aus. Ich brauchte eine Verbindung zwischen den Einzelmotiven", erklärt er. Dass der Arm eines Tages vollkommen tätowiert sein würde, daran bestand von Anfang an kein Zweifel, meint Manier.

Da er sich besonders für Sterne interessiert und diese oft mit dem eigenen Teleskop betrachtet, entschied er sich für einen Nachthimmel zur Verbindung der Elemente. Auch sein Lieblingstier, die Eule, fand einen Platz, genauso wie das Batman-Symbol für seinen Lieblingsfilm. Der Katzenliebhaber hat sich zudem einen abstrakten halben Katzenkopf auf den Oberarm stechen lassen zu Ehren seines Haustiers. "Es ist absichtlich nicht ihr Gesicht geworden, denn wenn ein Porträt nicht zu 100 Prozent passt, dann ist es nichts", findet er.

Auch der andere Arm ist nicht mehr "jungfräulich". Neben einem abstrakten Notenschlüssel – "ich war früher auch passionierter Schlagzeuger" – findet man dort ein weiteres Logo der Band HIM. Dabei handelt es sich um ägyptischen Symbole, die Gräber und eine Flamme darstellen. Sie sollen für das Leben beziehungsweise für das Leben nach dem Tod stehen.

Bevor er seine Frau ehelichte, ließ er sich auch noch ihre Initialen auf die Brust stechen: CM. "Zum Glück fängt ihr Nachname auch mit ›M‹ an, sonst wäre es ziemlich blöd gewesen nach der Hochzeit", sagt Manier. Zweifel habe er keine gehabt. "Wir kennen uns seit mehr als zehn Jahren – bei dem Tattoo war ich mir absolut sicher."

Gleichzeitig werde auch die Hemmschwelle niedriger, je mehr Tattoos man sich stechen lasse, erklärt der Villingendorfer. Mittlerweile stecken mehr als 3500 Euro und rund 18 Stunden Arbeit in der Körperkunst.

Und es ist noch nicht zu Ende. "Ich will den rechten Arm noch über die Schulter weiterführen und ein großes Tattoo auf den linken Arm stechen lassen. Das nächste Motiv wird auf jeden Fall wieder etwas Großes", kündigt er an. Was das sein soll, weiß Manier noch nicht. "Eigentlich habe ich jetzt alles Wichtige auf meinem Körper. Nach der Bedeutung kommt vielleicht jetzt mal die reine Ästhetik."

Info: Tattoo-Serie

Sommer, Sonne, nackte Haut – wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, sieht viel Körperkunst. Ob chinesische Schriftzeichen, Tribals, Portraits oder Schriftzüge – wir blicken in unserer Serie "Das geht unter die Haut" auf die Geschichte hinter der Körperkunst. Wer aus Rottweil oder Umgebung kommt und etwas Besonderes mit seinen Tattoos verbindet, der kann sich per E-Mail an redaktionrottweil@schwarzwaelder-bote.de melden.