Villingen-Schwenningen

Wirtschaft ist schwungvoll gestartet

von Schwarzwälder Bote

Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut, der Aufschwung hält an. Und bald hat die IHK einen neuen Präsidenten und ein neues Gebäude Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK-Schwarzwald-Baar-Heuberg, gibt im Interview einen Ausblick auf 2018 und nimmt Stellung zu Regierungsbildung und Brexit.

Was erwarten Sie für die Konjunktur in der Region im Jahr 2018?

Unsere Wirtschaft ist mit einer verbesserten Geschäftslage, höheren Umsätzen und einer guten Ertragslage schwungvoll in das neue Jahr gestartet. Wir erleben schon seit längerem einen stabilen Aufschwung, der noch weiter an Kraft gewinnt. Das belegen auch die guten Arbeitsmarktzahlen. Unsere Industrie profitiert von einer weiterhin guten internationalen Nachfrage und auch beim Handel ist die Geschäftslage aufgrund der hohen Konsumneigung der Verbraucher zufriedenstellend. Die gute Konjunktur ist aber nur eine Seite der positiven Arbeitsmarktentwicklung. Die gute Wirtschaftslage wird maßgeblich mitgetragen vom regionalen Mittelstand mit einer Vielzahl an Familienunternehmen, die eine besondere Verantwortung für ihre Arbeits- und Ausbildungsplätze wahrnehmen. Aber wir müssen uns auch deutlich machen: Wir haben das Übel "hohe Arbeitslosigkeit" nun gegen den die Unternehmen doch stark belastenden Fachkräftemangel eingetauscht.

Welche Branchen unter den Mitgliedsbetrieben sind besonders optimistisch, welche eher pessimistisch gestimmt?

Wir haben insgesamt eine gute Stimmung in unserer Wirtschaft. Nach unserer letzten Konjunkturumfrage bewerten 68 Prozent aller befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Und das beobachten wir im Wesentlichen über alle Branchen hinweg, was schon sehr ungewöhnlich ist. Stärkster Wachstumstreiber ist derzeit der private Konsum. Die Beschäftigten legen bei den niedrigen Zinsen weniger Geld auf die hohe Kante und geben mehr aus. Zudem sind die Auftragsbücher besser gefüllt als noch im Herbst des vergangenen Jahres. Und diese Situation soll noch weiter anhalten.

Mit welchen Problemen haben die Unternehmen denn derzeit vor allem zu kämpfen?

Der Fachkräftemangel ist mit Sicherheit eine der größten Herausforderungen. Bei einer Arbeitslosenquote von etwa drei Prozent in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bremsen unbesetzte Stellen die Entwicklung von Unternehmen spürbar. Eine weitere Herausforderung, aber auch ein Wachstumstreiber, ist die Digitalisierung. Sie bietet branchenübergreifend Chancen durch neue Geschäftsmodelle – setzt aber gleichzeitig voraus, dass Unternehmen investieren und ihre Mitarbeiter weiterbilden.

Wie läuft der Export angesichts des Brexit und den Bestrebungen des amerikanischen Präsidenten?

Die Unternehmen verzeichnen eine anhaltend positive Auftragslage und bauen seit Jahren kontinuierlich neue Arbeitsplätze auf. Dementsprechend hoch ist derzeit ihre Investitionsbereitschaft. Aber gerade die vielen exportorientierten Unternehmen sehen im Brexit oder in den protektionistischen Tendenzen im Welthandel auch Gefahren. Grundsätzlich tragen Zölle das Potenzial für Konflikte und erreichen in den seltensten Fällen ihr Ziel – meistens das Gegenteil. In unserer Region könnten insbesondere die international ausgerichteten Branchen wieder einmal zu den Leidtragenden gehören. Dass die US-Administration jetzt auch die großen Autohersteller ins Visier nimmt, verschärft die Situation weiter. Das würde zusätzlich unsere regionalen Automobilzulieferer treffen. Die Politik muss jetzt darauf hinarbeiten, einen möglichen Handelskrieg zu vermeiden, bei dem es letztendlich keinen Gewinner geben kann.

Welchen Einfluss könnte das Ergebnis der Regierungsbildung auf die Wirtschaft haben? Was erwarten Sie?

Dass es nun nach der langen Hängepartie eine Einigung für eine Große Koalition gibt, war wirklich überfällig. Bürger und Wirtschaft brauchen Planungssicherheit. Und das gibt es nur bei einer stabilen Regierung. Die Einigung auf diesen Koalitionsvertrag war eine schwere Geburt mit einem Kompromiss, der für jeden etwas beinhaltet. Das ist gleichzeitig Schwäche und Stärke der Einigung. Insgesamt hätte ich mir mehr Mut für die Herausforderungen der Zukunft gewünscht. Positiv sind sicherlich die Verlässlichkeit einer solchen Koalition sowie die beschlossenen Zukunftsinvestitionen in Bildung und Digitalisierung. Ausgeblieben ist beispielsweise eine umfassende Steuerreform, die mithilft, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Hier hätte ich mir von den Parteien mehr Mut und Gestaltungswille erhofft.

Können Sie schon abstrakt etwas zum künftigen IHK-Präsidenten sagen? Gibt es Favoriten?

Ich kann sagen, dass die IHK-Vollversammlung am 11. April in der konstituierenden Sitzung ein neues Präsidium mit einem neuen Präsidenten wählt. Derzeit ist eine Findungskommission aktiv, bestehend aus dem derzeitigen Präsidium, die entsprechende Gespräche führt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich bin aber sicher, dass die Findungskommission zu geeigneter Zeit in die Öffentlichkeit geht.

Und wie geht es dieses Jahr mit dem IHK-Neubau weiter?

Unsere IHK-Vollversammlung hat ja im Herbst vergangenen Jahres die grundsätzlichen Weichen für einen Umzug der IHK in den Technologie- und Innovationspark VS gestellt. Das war eine wichtige Richtungsentscheidung. Derzeit befinden wir uns noch in Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie, Herrn Wolfram Richter und hoffen, dass wir den Vertrag noch im ersten Halbjahr dieses Jahres unterzeichnen können. ■Die Fragen stellte Felicitas Schück