Villingen-Schwenningen

Wenig Frequenz auf Mittwochsmarkt

von Mareike Kratt

Villingen-Schwenningen - Während sich am Samstag die Bürger zwischen Muslen- und kleinem Hockenplatz von Stand zu Stand schieben, herrscht am Mittwoch auf dem Wochenmarkt gähnende Leere. Die Händler sind mittlerweile ratlos - denn zumindest an der Stadtverwaltung kann es nicht mehr liegen.

Sonnig ist es an diesem Mittwochmorgen auf dem Muslenplatz. "Das macht sich sofort in der Frequenz bemerkbar", sagt die Verkäuferin vom Käsestand Haaga und weist auf ein paar Dutzend Bürger hin, die sich mit Obst und Gemüse vom Bodensee oder frischen Eiern aus Schwenningen eindecken.

Seit rund einem Monat hat der Markt nach der Winterpause auch mittwochs wieder geöffnet – bisher ohne großen Erfolg. Und das ist ein Trend, der sich seit Jahren fortsetzt. Dass es in Villingen zur gleichen Zeit rund um den Münsterplatz geschäftiger zugeht, das stehe außer Frage, meint die Verkäuferin weiter. Aber es sei müßig, die beiden Stadtbezirke diesbezüglich miteinander zu vergleichen. "Uns ist bewusst, dass das Mittwochs-Geschäft oft mies ausfällt. Aber uns ist wichtig, auch an schlechten Tagen Präsenz zu zeigen."

Nach der Devise des Käsestands können nicht alle Marktbetreiber leben. Als Konsequenz aus den vergangenen Jahren haben mitunter der Gemüsehändler von der Reichenau oder der Blumenverkäufer Raible mittwochs ihren Stand gekündigt und kommen nur noch am stark frequentierten Samstag. Nur neun Stände sind es derzeit am Mittwoch auf dem Muslenplatz: ein eher trostloses Bild, auch wenn sich das Angebot im Mai noch vergrößern werde, wenn die Beerenzeit kommt, wissen einige Händler.

Mit der negativen Entwicklung abgefunden

Wilhelm Maier vom Schillerhof, der bereits als kleiner Junge den Markt miterlebt hat, hat sich längst mit der negativen Entwicklung abgefunden. Und ist froh, nicht noch Mitarbeiter entlohnen sowie lange Anfahrtswege in Kauf nehmen zu müssen wie andere Händler. "Warum läuft der Markt samstags so gut und mittwochs nie?", fragt er sich immer wieder.

"Wenn wir wüssten woran es liegt, würden wir es sofort ändern", ergänzt Standnachbar Rudolf Fibiger vom Schwenninger Obst- und Gemüsestand ebenso ratlos. Schließlich sei das markttypische Angebot – bis auf Fisch – ausreichend vorhanden. "Es sind Negativ-Geschäfte, die wir mittwochs machen." Einen Grund sieht Fibiger in der mangelnden Attraktivität der Innenstadt. Durch die vielen Leerstände ziehe die Fußgängerzone unter der Woche nur wenig Kunden an.

Positiv hingegen hat sich das Verhältnis zwischen Händlern und Stadtverwaltung entwickelt: In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik am Marktmeister gehagelt, weil manch ein Beschicker ungewollt seinen Standort wechseln musste, um spontan entstandene Lücken zu füllen.

Diejenigen, die sowohl samstags als auch mittwochs kommen, hätten mittlerweile eine Garantie auf ihren Standplatz, weiß Händler Christian Ohnmacht aus Deißlingen. "Die Stadt ist uns entgegenkommen." Erst vor Kurzem habe ein gemeinsames Treffen mit der Verwaltung stattgefunden, bei dem die Händler ihre Sorgen äußern konnten, berichtet Ohnmacht. Dieses Treffen soll nun regelmäßig wiederholt werden.

"Es gab Redebedarf", erzählt zudem Michael Glaser vom Iznanger Obst- und Gemüsestand, der in dritter Generation nach Schwenningen kommt. Und mittlerweile gebe es einen neuen Marktmeister, der sich sehr gut für den Wochenmarkt einsetze. Glaser profitiert als Selbsterzeuger von den Stammkunden, die auch mittwochs bei ihm einkaufen.

Trotzdem beobachtet er die Entwicklung mit Sorge: Besonders junges Publikum fehle unter der Woche. Und viele ließen sich vom Bio-Angebot der Discounter verleiten. "Unsere Ware war gestern noch auf dem Feld. Die der Discounter geht erstmal durch drei Kühlhäuser." So wollen besonders die Stammhalter des Wochenmarkts, Familie Glaser, Fibiger und Co, die Regionalität und Frische ihrer Produkte auch weiterhin zweimal pro Woche an die Schwenninger bringen.