Villingen-Schwenningen

Weil sich das Finanzamt neu aufstellt, bleiben viele Anträge liegen

von Stefan Preuß

Villingen-Schwenningen - Beim Finanzamt Villingen-Schwenningen kommt es derzeit zu spürbar längeren Bearbeitungszeiten der Steuererklärungen. Dies bestätigte Amtsvorsteher Karl-Heinz Huy auf Anfrage des Schwarzwälder Boten.

Huy: Ziel ist, Erklärungen zeitnah zu erledigen

Grund sind tiefgreifende Umstrukturierungen. So wie jeder andere Betrieb oder jede andere Verwaltung müsse sich auch das Finanzamt stetig Gedanken machen, die eigenen Abläufe zu optimieren und die Effizienz zu steigern, sagte Huy. Derzeit werde eine neue Organisationsstruktur, wie bei anderen Finanzämtern in der Oberfinanzdirektion auch, umgesetzt. Ziel ist es, künftig die Durchlaufzeiten zu verkürzen und vor allem sämtliche Erklärungen eines Jahres zeitnah "zu 100 Prozent zu erledigen". Denn gerade sich lang hinziehende Vorgänge binden überproportional viel Arbeitskraft.

Bislang arbeiteten im Finanzamt Teams aus mehreren Sachbearbeitern, die Steuererklärungen von Anfang bis Ende betreuten. Nunmehr wurden interne Prozessstufen eingeführt, so Huy, die etwa die Zuweisung, den Datenabgleich und die eigentliche Prüfung beinhalten. Diese Vorgehensweise sei durch die zunehmende Digitalisierung der Prozesse sowohl bei Einreichung der Steuererklärungen als auch deren Verarbeitung im Amt, angezeigt.

Die Umstrukturierung hat in der Anlaufphase nun zu deutlich längeren Bearbeitungszeiten geführt, sowohl bei einfachen Fällen wie einem Lohnsteuerjahresausgleich als auch bei Einkommenssteuererklärungen, bei denen zum Beispiel hohe Werbungs- oder Reisekosten oder Spesen höheren Prüfungsaufwand bedeuten.

Für die einfachen Fälle hat Huy zwischenzeitlich "eine Sondertruppe eingesetzt, die die Fälle abarbeitet". Da sei man mittlerweile bereits dabei, im September eingegangene Erklärungen zu bearbeiten. Länger gedulden müssen sich alle anderen.

Wer nachzahlen muss, wird sich freuen

Wie groß der zeitliche Rückstand ist, mochte Huy nicht konkret sagen. Von Steuerberatern war aber zu erfahren, dass offenbar im beträchtlichen Umfang Erklärungen noch nicht bearbeitet worden sind, die bereits im Juli eingereicht worden waren. Wer nachzahlen muss, wird sich freuen, wer hingegen eine Erstattung erwartet, dürfte hoffen, dass die Umstrukturierung zeitnah greift.

Huy sieht sein Amt grundsätzlich auf gutem Weg und zeigte sich optimistisch, dass die Umstellungen Anfang 2019 vollumfänglich umgesetzt sein werden. Vor allem die leichten Fälle sollten dann wesentlich beschleunigt und hoch automatisiert bearbeitet werden können.

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit in Baden-Württemberg liegt laut Angaben des Bundes der Steuerzahler für den Veranlagungszeitraum 2016 bei 45 Tagen für Arbeitnehmer, also bei einfachen Lohnsteuererklärungen. Einkommenssteuererklärungen benötigen im Schnitt 52 Tage.

Im Bundesvergleich liegt das Land damit im hinteren Mittelfeld, am schnellsten arbeitet die Finanzverwaltung in Berlin mit 35 beziehungsweise 40 Tagen, am längsten dauert es in Hessen, Niedersachsen und Bremen mit bis zu 65 Tagen Bearbeitungszeit.