Villingen-Schwenningen

Vom Doktor in Geologie zur Tierheilpraktikerin

von Christian Marull

Wohin, wenn der Hund ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt oder man mit der Katze von Tierarzt zu Tierarzt tingelt und die trotzdem nicht gesund werden will? Die Lösung dafür und für viele andere Probleme mit dem Haustier könnte die ausgebildete Tierheilpraktikerin und Mensch-Hund-Coach Yvonne Cherubini haben. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Haustiere möglichst ganzheitlich zu behandeln und ihnen eine "artgerechte" Therapie zukommen zu lassen.

Ihr ungewöhnlicher Weg beginnt nach dem Abitur am Gymnasium am Hoptbühl. "Damals habe ich mich sehr für den Beruf des Hundetrainers interessiert, war aber noch zu unsicher ob der Beruf auch etwas für mich wäre", beschreibt Yvonne Cherubini ihre Überlegungen als frisch gebackene Abiturientin. Anstatt also mit Hunden über den Trainingsplatz zu wetzen, leistet die junge Brigachtalerin erst einmal ihr Freiwilliges Soziales Jahr am Alfred Wegener Institut in Bremerhaven. "Das FSJ war auch der Grund, warum ich mich dann entschloss, das

Studium der Geologie und Paläontologie an der Universität in Hamburg zu beginnen", meint Yvonne Cherubini. Vor allem die vielen Exkursionen und die Arbeit im Gelände hätten ihr während des Studiums besonders gefallen.

Nach ihrem Abschluss wechselte sie nach Potsdam, wo sie eine Doktorandenstelle annahm. "Alles, was mir am Studium so gefallen hat, fiel dort weg", erinnert sich Cherubini, die ihre Arbeitstage dann nur noch vor dem PC verbrachte und sich hauptsächlich mit physikalischen Formeln und Datenreihen herumschlagen musste. Zwar beendete sie ihre Doktorarbeit, eine Zukunft in ihrem Job sah sie für sich jedoch nicht. Schon in Potsdam hatte sie sich deshalb dafür entschieden, ihren alten Traum Wirklichkeit werden zu lassen und eine Ausbildung zur Hundetrainerin begonnen. "Ich konnte eine Ausbilderin finden, die das Thema Hundetraining ganz anders angegeangen ist", erklärt Cherubini. Der Hund werde hier als Partner angesehen und nicht als williger Soldat. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man Hunde nur über Dominanz erziehen kann. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn man dem Tier Freude am Lernen vermittelt. Leider gibt es noch zu viele, die ihren Hund durch Zwang erziehen", meint Cherubini.

Nach einer kurzen Zeit in Schweden und der Arbeit in einem ungarischen Traumazentrum für Tiere, hat Cherubini mit der Ausbildung zur Tierheilpraktikerin begonnen und nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Vor allem chronische Probleme machten den Tieren heute zu schaffen. "Allergien und Stoffwechselprobleme sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Hierbei spielt die Ernährung eine große Rolle. Die industriell gefertigte Nahrung besteht oft zu einem großen Teil aus Füllstoffen und Getreideprodukten und ist somit sehr weit von einer artgerechten Ernährung entfernt. Durch Entgiftungen und eine Umstellung auf artgerechtes Essen können größere Gesundheitsprobleme vermieden werden." Ein weiteres Gebiet, auf das sich Cherubini konzentriert, ist die Behandlung von psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten mit Bachblüten und australischen Buschblüten. Bei ihrer Arbeit gehe es aber nicht darum, den Tierarzt zu ersetzen, sondern eine Ergänzung zur konventionellen Medizin anzubieten. "Tierärzte haben oft wenig Zeit. Außerdem ist das Verhalten der Tiere in einer Praxis nicht natürlich, da sie außerhalb ihrer gewohnten Umgebung oft sehr angespannt sind", meint Cherubini. Auch deshalb habe sie sich dafür entschieden, Tiere vor Ort zu behandeln.

Neben ihrem mobilen Angebot, hat sich Cherubini dazu entschlossen ihr Wissen an andere weiterzugeben. "Ich werde dieses Jahr als Dozentin in der Schweiz einige Vorträge vor angehenden Tierheilpraktikern halten. Außerdem will ich ein Buch über die Bachblüten- und Buschblütentherapei schreiben." Ihr Weg in die Selbstständigkeit sei zwar nicht einfach gewesen, aber habe sich auf jeden Fall gelohnt: "Als ich mich dazu entschlossen habe, noch einmal etwas ganz anderes zu machen, hatte ich schon einige Sorgen. Mittlerweile weiß ich aber, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Wenn man sich selbstständig macht, lernt man viel über sich selbst. Dabei ist der Weg eigentlich wichtiger als das Ziel."

Weitere Informationen: www.thp-cherubini.de