Villingen-Schwenningen

Tiefer Einblick in Kultur eines armen Landes

von Hella Schimkat

VS-Schwenningen. Zum Abschluss der Wanderausstellung der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) zu Burundi im Foyer der Bibliothek waren zahlreiche Bürger gekommen, die sich für das Land, seine Kultur und Menschen interessierten.

Joyce M. Muvunyl vom Kompetenzzentrum Burundi der SEZ referierte über die heutige Situation in Burundi. Im Mittelpunkt der Ausstellung sowie ihrer Finissage standen aber auch die gebrauchten Fahrräder, die von engagierten Menschen seit Jahren nach Burundi und unter anderem Tansania verschickt werden. In der Planung ist zur Zeit der Kongo.

Anne Mäckelburg aus Weil der Stadt koordiniert die Fahrradverladung über die Jugendabteilung der NAJU Weil der Stadt und besucht seit 2007 immer wieder Tansania und vor allem Burundi, um auch vor Ort Hilfestellung zu leisten und um Land und Leute kennenzulernen. Die Fahrräder werden dort, unter anderem auch an Werkstätten, verschenkt, damit die Menschen mobil sind und lernen, die Fahrräder zu reparieren. "Die Transportkosten werden zu Dreiviertel aus Bundesmitteln und zu 25 Prozent von uns selbst privat getragen", erklärt Mäckelburg.

Die gebrauchten, gesammelten Fahrräder werden in Schwenningen auf LKW geladen und nach Rotterdam oder Amsterdam transportiert, wo es dann per Containerschiff nach Dar es Salaam geht, fährt sie fort. Dort werden die Räder von einer Empfangsorganisation verteilt.

Diese Besuche und die Freundlichkeit der Menschen würden ihr sehr viel geben, einzig die hohen Gebühren im Hafen von Dar es Salaam würden sie nerven, gibt Mäckelburg zu: "Wenn wir uns beklagen, dauert das Ausladen extrem lange." Ewald Baumann ist der Mann, der seit 16 Jahren unermüdlich gebrauchte Fahrräder – rund 20 000 Stück – sammelt. In dieser Zeit habe er zudem rund 80 Container auf den Weg geschickt, erklärt er.

Hartmut Bauer aus der Nähe von Weil der Stad hat für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Verkehrsunterricht für Flüchtlinge angeboten. Allerdings würden die Flüchtlinge nicht zum Unterricht erscheinen, und mit dem Reparieren von Fahrrädern könnten sie sich auch nicht anfreunden, betont er ziemlich frustriert. Und das, obwohl sie dann ein Fahrrad für 20 Euro erwerben könnten. Also unterstütze er jetzt Anne Mäckelburg, sammle Fahrräder, repariere sie und helfe dabei, sie nach Afrika zu versenden, unterstreicht er.

Joyce Muvunyl erläutert anschaulich die Situation in Burundi und beantwortet Fragen der Zuhörer. Ziel der Stiftung, die 1991 gegründet wurde, sei die Förderung des entwicklungspolitischen Engagements, die Bewusstseinsbildung sowie die Informations- und Netzwerkarbeit mit den Kommunen, erklärt sie. Burundi liegt in Ostafrika, zählt elf Millionen Einwohner und hat eine sehr junge Bevölkerung, von der 45,7 Prozent jünger als 15 Jahre alt sind, erläutert sie. Es gebe viele Frauenbewegungen, denn bis dato erbten die Männer das Land, während die Frauen es zu bearbeiten haben.

Ihre Aussage, dass die Frauenquote es möglich mache, dass 30 Prozent der Abgeordneten im Parlament Frauen seien, kommentiert Martina Braun, Landtagsabgeordnete der Grünen: "Das ist ja mehr als in Baden Württemberg!" Zum Fahrradland Burundi erklärt Muvunyl, dass Fahrräder mit einem Nummernschild ausgestattet werden müssen. Während sich die Anwesenden, unter ihnen Christa Lörcher, über die politische Lage in Burundi informieren, beklagt Ewald Baumann, dass er nur vom Wertstoffhof Schwenningen Fahrräder erhalte – im Gegensatz zum Wertstoffhof in Villingen.