Villingen-Schwenningen

Thekenproleten: Rock aus dem Schwarzwald

von Tatsiana Zelenjuk

"Wir sind witzig, wir sind ehrlich – und wir machen leidenschaftlich gern Musik", sagen die fünf Musiker von der Band Thekenproleten. 2007 haben Patrick Böttner (Gitarre), Patrick Effinowicz (Schlagzeug), Sebastian Stehle (Vocal) und Steffen Marx (Bass) die Rock-Band in Villingen gegründet, 2011 kam Gitarrist Niklas Hauser aus Hattingen dazu. Heute spielen die Thekenproleten nicht nur selbst auf großen Bühnen in ganz Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz; sie haben sogar ein eigenes Festival auf die Beine gestellt.

"Wir haben vor elf Jahren angefangen, gemeinsam Musik zu machen und alle möglichen Genres zu covern. Und dann haben wir festgestellt, dass es viel mehr Spaß macht und die richtige Erfüllung bringt, wenn man eigene Sachen macht", erinnert sich der Bassist, Steffen Marx, an die Anfänge.

"Der Name Thekenproleten? Das war der beste schlechte Name", sagen die Band-Mitglieder schmunzelnd. "Wir waren damals jung, rowdyhaft und viel in Kneipen unterwegs", erklärt Marx. Inzwischen sind die Musiker nicht mehr so laut an der Theke: "Wir sind alle erwachsener geworden, einige haben Kinder."

Verändert haben sich auch ihre Ansprüche – vor allem an sich selbst. "Am Anfang waren wir froh, irgendwo ein Konzert zu spielen. Dann haben wir es auf unser erstes großes Festival geschafft. Und mittlerweile touren wir durch den ganzen deutschsprachigen Raum und organisieren ein eigenes Event in Hattingen. Musikalisch, technisch, textlich und handwerklich hat es sich in diesen Jahren sehr viel verändert, es hat sich sehr zum Besten gewandelt", sagt Sänger Sebastian Stehle. Und: "Wir wissen, wo wir musikalisch hin wollen."

Mehrere Platten, große Auftritte und tolle Shows – die Thekenproleten blicken auf elf erfolgreiche Jahre zurück. "Die letzte Deutschland-Tour war für uns alle ein ganz besonderes Highlight. Es waren zehn Tage Vollgas am Stück", schildert Schlagzeuger Patrick Effinowicz. Auch der erste Auftritt auf dem G.O.N.D-Festival blieb den Musikern besonders in Erinnerung. "Und der Moment, als ich das erste Mal unsere CD im Media Markt gesehen habe", erzählt Gittarist Patrick Böttner von einem seiner Erfolgserlebnisse.

Die Thekenproleten spielen Rockmusik, mit unterschiedlichen Einflüssen aus Punk-Rock, Metal, Reggae und Schlager. Ist es eigentlich ein Hobby oder eine Art zweiter Beruf? "Vom Verdienst her ist es eher ein Hobby, vom Aufwand her ein Beruf", macht Sebastian Stehle klar. Einmal in der Woche treffen sich die Band-Mitglieder zum Proben in Villingen. "Unser Proberaum ist gleichzeitig ein Tonstudio, eine Druckerei – und auch ein Schlafraum für Notfälle", sagt Steffen Marx. Seit einem Jahr stellen die Musiker in ihrer kleinen Druckerei verschiedene Fan-Artikel her. "Für viele Bands ist es heute eine der Haupteinnahmequellen", erklärt Steffen Marx.

Ihre Druckerei wollen die Thekenproleten in den kommenden Jahren weiter ausbauen: "Wir möchten in diesem Bereich Fuß fassen und auch für andere produzieren." Sie haben auch vor, mit der Label-Arbeit durchzustarten. "Wir können andere Bands an die Hand nehmen und unsere Erfahrungen weitergeben", sagt Sebastian Stehle. Enorm wichtig sei es für die jungen Musiker, rauszugehen und auf den Bühnen zu spielen, betonen die Thekenproleten. "Es macht so viel Spaß, und man wächst über seine Grenzen hinaus", ermutigt Patrick Effinowicz. Und die Inspiration ist dabei das Leben selbst.

Bei den Thekenproleten läuft der kreative Prozess nicht immer harmonisch ab, geben die Musiker zu. "Wenn ein neuer Song entsteht, hat jeder von uns seine Vorstellung im Kopf. Es ist nicht immer einfach, den gemeinsamen Nenner zu finden", sagt Steffen Marx. "Aber wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit, unsere Leidenschaft für die Musik so weit ausreizen zu können. Und es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben."

Das auch deshalb, weil die Bands in der Deutschrock-Szene schnell in eine Schublade gesteckt werden, wissen die Thekenproleten. Die Vorurteile und die Berührungsängste seien zum Teil extrem. "Viele denken: Die sind tätowiert, die machen Rockmusik – und das auf Deutsch. Da wird pauschal beurteilt, in welche Richtung das geht, oft ohne dass man ein einziges Lied von uns gehört hat", schildert Steffen Marx. Das stößt den Band-Mitgliedern sauer auf. Sie betonen immer wieder, dass sie mit dem rechten Gedankengut nichts zu tun haben – genauso wie ihr Waldpogo-Festival in Hattingen. "Wir stehen im engen Kontakt mit den öffentlichen Behörden, kümmern uns um etwaige Genehmigungen und sorgen für die nötige Sicherheit auf dem Festival. Einlasskontrollen gehören zur Tagesordnung, und auch hier werden die Augen gezielt auf rechte Symbole gerichtet", hebt Patrick Effinowicz hervor. "Wir sind weder rechtsoffen noch in irgendeiner Grauzone – auch wenn uns einige darin sehen wollen", bringen es die Band-Mitglieder auf den Punkt.

Seit acht Jahren gibt es inzwischen das Waldpogo-Festival. "Wir haben am Anfang auf einer Paletten-Bühne mit zwei Lichtstrahlern gespielt", erinnern sich die Thekenproleten. Mittlerweile kommen viele Star-Bands als Gäste nach Hattingen, die Besucherzahlen steigen – und das ganze Dorf hilft mit. "Seit dem letzten Jahr machen wir unser Festival über zwei Tage, mit Zeltplatz, Abendprogramm und einer Händlermeile", schwärmt Sebastian Stehle.

Das Besondere: In Hattingen herrscht trotz professionellen Konzertbetriebs eine richtige Dorffest-Atmosphäre. "Gute Technik, Security und mobile Toiletten gehören dazu. Auch das Rote Kreuz ist vor Ort. Aber das Ganze bleibt trotzdem sehr familiär – und auch der Bürgermeister sitzt mit auf der Bierbank."

Wie sieht die finanzielle Seite aus? "Man deckt gerade so seine Kosten. Aber es ist auch OK für uns", versichert Steffen Marx. Das diesjährige Waldpogo-Event steigt am 25. und 26. Mai auf dem Sportgelände in Hattingen. Sieben Rockbands sind eingeladen, und natürlich rocken dann auch die Thekenproleten als Gastgeber auf der Bühne.