Villingen-Schwenningen

"Temporäre Kunst fasziniert mich"

von Von Christine Albert

Ein riesengroßer Oktopus mit roten Tentakeln macht es sich auf einer Hauswand in Villingen bequem. Der nicht ganz alltägliche Anblick hat bestimmt so manchen Passanten und Autofahrer erheitert. Das Haus in der Sperberstraße, auf dem das Tier zu sehen war, ist zwar mittlerweile abgerissen. Doch ich möchte wissen, wer der Urheber dieses außergewöhnlichen 3D-Werks ist.

Maximilian Ettl, in Villingen geboren und aufgewachsen, studiert momentan im vierten Semester Mediendesign an der Hochschule in Ravensburg. Während des dualen Studiums bekommt der 21-Jährige die Theorie in Ravensburg vermittelt, den praktischen Teil durchläuft er in einer Marketingagentur in seiner Heimatstadt. Sich beruflich kreativ zu beschäftigen, war für Maximilian eine leichte Entscheidung: "Ich habe schon als Kind viel gemalt. Früher war das eher ein intuitiver Prozess, aber mit der Zeit nahm ich die kreative Tätigkeit immer bewusster wahr. Das Mediendesignstudium war definitiv die richtige Wahl für mich."

Mit Fotografie hat Ettl sich ebenfalls beschäftigt. Bands aus der Region, aber auch überregionale Musikgruppen begleitete er auf Festivals und fotografierte sie auf der Bühne. Irgendwann haben sich die Prioritäten jedoch verschoben. Die Fotografie ist mittlerweile in den Hintergrund gerückt, und der 21-Jährige widmet sich in seiner Freizeit ausgiebig der 3D-Straßenmalerei. Beim Street Art Festival in Blumberg konnte er 2012 das erste Mal Erfahrungen sammeln.

"In der Zeitung habe ich vom Festival gelesen, das in jenem Jahr seine Premiere gefeiert hat. Eigentlich wollte ich einfach als Zuschauer über das Gelände schlendern, habe mich aber dann doch anders entschieden und mich als Teilnehmer angemeldet – ganz kurzfristig, gerade mal eine Woche davor."

Und wie erlernt man diese Technik, die für die Laien auf den ersten Blick ganz schön kompliziert aussieht? "Ich habe eine Dokumentation über 3D-Malerei im Fernsehen gesehen. Eigentlich habe ich mir alles selbst beigebracht. Aber von anderen Street Art Künstlern habe ich auch gelernt", verrät Ettl. Am liebsten malt er mit der sogenannten Gouache-Farbe. Der Vorteil: Sie ist in größeren Flaschen erhältlich, was ein wichtiger Aspekt beim großformatigen Malen ist. Außerdem besitzt die Farbe eine deckende Wirkung. Auch nach der Trocknung bleibt die Farbe wasserlöslich, Teile eines Bildes können also entfernt oder verändert werden. Die größte Herausforderung sei es, einen realistischen 3D-Effekt zu erzielen: "Die Perspektive des Betrachters steht immer im Vordergrund. Und diesen Blickwinkel muss ich als Künstler auch von Zeit zu Zeit einnehmen, damit der dreidimensionale Effekt gelingt."

Die 3D-Straßenmalerei ist für den 21-Jährigen etwas ganz Besonderes: "Am Ende sieht man das Ergebnis, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit. Das hat seinen ganz außergewöhnlichen Reiz." Wenn dem jungen Maler die Inspiration fehlt, dann holt er sich Anregungen bei den Künstlerkollegen. Dabei kopiert er nichts, sondern schafft aus den gesammelten Ideen etwas Eigenes.

"Einmal habe ich mir die Werke des britischen Street Art Künstlers Banksy angeschaut und dann ein ähnliches Motiv gewählt. Das habe ich im Comic Stil gemalt und erweitert", erinnert er sich. Viele seiner Werke zeigen lustige Tiere im Cartoon Stil. Motive, die auch Kindern gefallen. Beim Street Art Festival wird er oft von jungen Besuchern angesprochen. Ettl lädt sie dann ein, das Werk mitzugestalten. Der Villinger Künstler widmet sich aber auch ernsteren Themen: "Als die letzte Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien stattfand, habe ich einen brasilianischen Straßenjungen mit einem Teller, auf dem sich ein Ball befindet, gezeichnet."

Ob er ein Lieblingswerk hat, möchte ich von Maximilian am Ende unseres Gesprächs wissen. "Puh, das ist eine schwierige Frage, ich bin sehr selbstkritisch und habe im Nachhinein immer etwas auszusetzen. Das Krokodil, das ich in Radolfzell gemalt habe, ist mir aber ziemlich gut gelungen, das finde ich eigentlich am schönsten."

Ich kann nicht nachvollziehen, was der Künstler an seinen Bildern zu bemängeln hat. Von den großformatigen Werken, die er mir auf seinem Laptop zeigt, bin ich hellauf begeistert. Maximilian lacht: "Diese strenge Beurteilung hat auch etwas Gutes. So entwickelt man sich als Künstler fortgehend weiter und weiß, worauf man beim nächsten Bild achten muss, damit es noch realitätsnäher wirkt."