Villingen-Schwenningen

Soll er’s noch einmal tun?

von Cornelia Spitz

Tut er’s oder tut er’s nicht mehr? Mit Spannung fiebert Villingen-Schwenningen dem Neujahrsempfang am Sonntag entgegen, bei dem Oberbürgermeister Rupert Kubon sein gut gehütetes Geheimnis über eine mögliche OB-Kandidatur in diesem Jahr lüften will. Aber wollen die Gemeinderäte überhaupt, dass er noch mal antritt?

Villingen-Schwenningen. Vom politisch wohl härtesten Gegner ist kaum eine andere Antwort zu erwarten. Dennoch spricht Renate Breuning, die Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Gemeinderat, sie mit Inbrunst: "Es wäre der richtige Zeitpunkt für ihn, aufzuhören. Zweimal acht Jahre sind genug." Bei der Bewertung seiner Amtszeit müsse sie aber "fairerweise" einräumen: "Er hat eine gute Lehre gemacht", denke sie an die Anfänge seiner Amtszeit im Oberzentrum zurück, habe sich Rupert Kubon unterm Strich gut entwickelt. Sein größter Misserfolg in ihren Augen? Da muss die Grande Dame der Stadtpolitik nicht lange überlegen: "d*ie Jugendarbeit." Seine Entscheidungen über den Familienfreizeitpark, aber auch die zehnjährige Hängepartie bis zum Baubeschluss für ein Jugendkulturzentrum – "da hat er viel an der Jugend kaputt gemacht". Ja, er habe so sogar Politikverdrossenheit gefördert. Einen anderen Misserfolg teile sie selbst mit ihm, "ich habe ja damals an seiner Seite gekämpft": die Ablehnung des Zentralen Rathauses. Nun ja, Erfolge habe auch Kubon im Amt gehabt. Die Landesgartenschau – "dabei ist er zwar ins gemachte Bett gestiegen, aber er hat sich dann ja wirklich stark engagiert". Sie glaubt, Kubon bewirbt sich erneut – "ich würde es ihm aber nicht verübeln, wenn ich mit meiner Meinung falsch läge".

Ganz diplomatisch hingegen verhalten sich die Freien Wähler: "Wir positionieren uns erst, wenn klar ist, was passiert", sagte ihr Fraktionssprecher Andreas Flöß im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten und stellt klar, dass er derzeit auch keine Einschätzung über Kubons Amtszeit vornehmen wolle. Selbstverständlich habe sich die Fraktion intern schon über das Thema unterhalten und auch grob eine Linie festgelegt, doch eine endgültige Beratung und Festlegung des Kurses in Sachen OB-Wahl erfolge erst, wenn Kubon Klarheit geschaffen hat und dann auch nur "gemeinschaftlich mit dem Ortsverband".

Und auch FDP-Sprecher Frank Bonath will sich zunächst nicht festlegen, ob die FDP weiterhin einen Oberbürgermeister Rupert Kubon für VS will oder nicht. "Es ist ja immer eine Frage der Alternative – wir als FDP haben derzeit noch keine", gibt er offen zu und stellt klar: Zu behaupten, alles sei so schlecht, dass man unbedingt einen neuen OB brauche, "ist einfach falsch". Dennoch vermisst er bei Kubon Visionen für VS, Ideen für die Zukunft. Und so hofft er in jedem Fall auf eine Wahl mit mehreren Kandidaten und einen Wahlkampf, der hoffentlich auch ein Wettstreit der Zukunftsideen für VS werde. Persönlich glaube er, Kubon tritt noch mal an.

Große Fürsprecher Kubons sitzen in so einem Fall bekanntlich dort, wo – nach kurzer Liaison mit der CDU in jungen Jahren – Kubons politische Heimat ist: in der SPD. Fraktionssprecher Edgar Schurr ist gar so etwas wie ein Freund des Stadtvaters und erinnert sich noch gut, wie er den jungen Kubon "in der zweiten Runde" kennengelernt hatte, als dieser in einer ersten Runde bei dem zwischenzeitlich verstorbenen SPD-Urgestein Bernd Schenkel und Harry Frey vorgesprochen und sein Interesse an einer Kandidatur in VS bekundet habe. Kubon habe ihn sofort begeistert, "das war einer, der wusste, was hier los ist und was hier gespielt wird und er hatte Ideen". Schurr habe ihm prophezeit: "Wenn wir in den zweiten Wahlgang kommen, wirst Du hier OB – und das hat geklappt". Und auch Kubon schaffte Tatsachen und löste das Versprechen ein, das ihm Schurr nach seiner Wahl abgerungen hatte: dass er ihn und seine Frau traut, wenn er OB ist.

Zwischen damals und heute liegt für Schurr eine Erfolgsgeschichte: Der Ausbau der Betreuungsplätze für Kindergartenkinder, die Neuschaffung des Super-Amtes für Jugend, Bildung und Soziales, der Start für die Neckarhalle, die "höchstwahrscheinlich im Kostenrahmen liegt", selbst bei der Polizeihochschule sei er mutig und richtig gelegen, hier einmal laut zu werden. Ja, Kubon habe auch heiße Eisen angepackt – die Jugendkulturscheune beispielsweise, aber auch seine mutige Entscheidung in Sachen Jugendmusikschule, die mit der Musikakademie zur reinsten Erfolgsgeschichte wurde. "Meine Unterstützung hätte er", das steht für den Fraktionssprecher der SPD im Falle einer Kandidatur Kubons fest, "auch wenn wir nicht immer in allen Punkten übereinstimmen – aber Reibung erzeugt ja auch Wärme". Eigentlich, wird später im Gespräch deutlich, kann er sich kaum vorstellen, dass ein anderer Kandidat Kubon den Rang ablaufen könnte: "Wenn Kandidaten auftauchen, die meinen, sie könnten es besser machen, dann bin ich mal gespannt – da ist nicht mehr viel Spielraum." Auch Schurr ist sich nicht zweifelsfrei, aber doch fast sicher, dass Kubon nochmals antritt: So viele Indikatoren sprechen in seinen Augen dafür, nicht zuletzt auch die zahlreichen noch von ihm angestoßenen Projekte, "was er tut und wie er rackert". "Warum sollte er das tun, wenn er es nicht mehr machen will?"

Der Grünen-Fraktionssprecher Joachim von Mirbach hingegen gilt als Intimfreund Kubons und sagte noch am Donnerstag: "Ich weiß, dass er noch am Überlegen ist!" Er selbst würde eine erneute Kandidatur des amtierenden OBs begrüßen und dafür sprächen auch viele Erfolge: "zum Beispiel die Schuldenreduzierung der Stadt, die Landesgartenschau, aber auch das große Schulsanierungsprogramm das läuft oder die Ausweitung der Kindertagesstättenplätze." Und noch eines gilt es für ihn, hervorzuheben: "In seiner Amtszeit hat er keinen einzigen Luxus-Bau erstellt", sondern bedarfsorientiert gebaut. Misserfolge? Da muss von Mirbach überlegen – vieles, etwa das Scheitern des Hightech-Atriums in Schwenningen, werde Kubon zu unrecht angelastet, "da wurden wir vom Wirtschaftsministerium verarscht". Einzig ein bisschen mehr grüne Politik hätte es sein dürfen. Man sei auch hier vorwärts gekommen, "aber wir hätten uns mehr gewünscht".