Villingen-Schwenningen

Sirrende Nadeln auf der Tattoo-Messe

von (bn)

VS-Schwenningen - Wer schön sein will, muss leiden? Die Besucher der Tattoo- und Piercing-Convention "INK Style VS" am Wochenende in zwei Messehallen sahen jedenfalls nicht leidend aus.

Vielmehr war in ihren Gesichtern Vorfreude auf den neuen Körperschmuck zu lesen. Die von Filippo Lo Verde veranstaltete dritte Auflage der Messe mit 150 Tattoo- und Piercing-Artisten wurde seit Bestehen zu einem weiteren Höhepunkt. Sowohl die Anbieter als auch die Besucher hatten teilweise lange Anfahrtswege in Kauf genommen.

Tätowiert wird erst auf mindestens 18-jähriger Haut

Als Lokalmatador durfte sich dagegen Timo Schröder von "Heartcore Ink" aus Schramberg fühlen. Er ist Mitglied der "In(k)siders", einer eingeschworenen, ehemaligen Facebook-Gemeinde von Tattoo-Artisten aus aller Welt, die sich auf den angesagtesten Messen trifft. "Beim ersten Mal waren wir Besucher, dann hatten wir einen Stand und jetzt haben wir den größten Stand hier", sagt der Tätowierer. Er klärt auch auf, wie man zu einem Tattoo kommt. Das Motiv steht am Anfang. Gerne bringen die Artisten dabei ihre eigene Handschrift ein, gibt Schröder zu. "Wer in der Szene etwas auf sich hält, kopiert nicht einfach nur."

Bis das Bild in einer der vielen verschiedenen Abbildungstechniken – von "Black & Grey", "Colour", "Japanese" über "Script" bis "Realistic" – auf der Haut verewigt ist, kann es mehrere Sitzungen brauchen. Vor allem austrocknen darf die Haut anschließend nicht, damit die Farben nicht verblassen. Immer wieder Cremen ist angesagt und "das machen dann auch die Männer", sagt Timo Schröder und grinst. Tätowiert wird erst auf mindestens 18-jähriger Haut, sagt der Ehrenkodex der wahren Künstler.

Und dann auch nicht gleich auf den Händen, am Hals oder am Kopf. "Alle sichtbaren und nicht zu verdeckenden Stellen lässt man erst einmal aus", sagt der Schramberger.

Über diese "Schonphase" ist "Elli" aus Lüneburg schon hinaus. Der 52-Jährige hat sich auch das Gesicht und die Glatze tätowieren lassen. Warum, das weiß er eigentlich auch nicht so genau, zumal er inzwischen festgestellt hat, dass Äußerlichkeiten bei einem Menschen nicht wirklich wichtig sind. "Aber es macht halt Spaß", sagt er und fügt fast entschuldigend hinzu: "Meine Freundin hat kein einziges Tattoo".

Auch ein Supertalent-Star ist mit dabei

Auf vielen Behandlungsliegen erdulden die Besucher, dass man ihnen mit feinen Nadeln und zum Teil über Stunden Farbe unter die Haut spritzt. "Less talk" mahnt einer der Artisten auf Schildern, andere haben Kopfhörer auf, um sich besser konzentrieren zu können. Zwischen 60 Euro für einen kleinen Schmetterling am Fußknöchel und mehreren Hundert Euro für ganze Porträts im Realistic-Style kostet der Spaß.

Neben Tattoos sind auch Piercings nachgefragt. Besonders aktuell sei gerade das "Septum", der Nasenring, sagt Nicky Nuzzone aus Freiburg, der das bundesweit einzige "Piercingmobil" dabei hat. In dem an einen kleinen Wohnwagen erinnernden Raum könne man am besten für die notwendige Hygiene sorgen, sagt er.

Was ein guter Messeveranstalter ist, der sorgt auch für ein attraktives Rahmenprogramm. Filippo Lo Verde hatte diesmal Bauchredner und Supertalent-Finalist 2015 Enzo Lorenzo mit seinem sprechenden Affen "Charly" engagiert.