Villingen-Schwenningen

Seit 125 Jahren das Wandern im Visier

von Mareike Kratt

Stolze 125 Jahre besteht die Ortsgruppe Schwenningen des Schwäbischen Albvereins. Grund zum Feiern bietet der heutige Festakt im Umweltzentrum – Grund, zurückzublicken, hat der Ehrenvorsitzende Fritz W. Lang, der 28 Jahre die Ortsgruppe geleitet hat.

VS-Schwenningen. Auch wenn es Fritz W. Lang vor rund einem Jahr gen Norden, nach Winterbach bei Schorndorf gezogen hat: Seinen Schwenninger Wurzeln bleibt er treu und unternimmt regelmäßig Touren mit der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins. Schließlich ist er hier bereits mit 17 Jahren dem Wanderverein beigetreten.

1888 ist der Schwäbische Albverein gegründet worden, nur vier Jahre später, im Jahr 1892, weiß der 76-Jährige, die Ortsgruppe Schwenningen – auch wenn sie ja eigentlich gar nicht mehr richtig zur Alb gehört. Sie sei aus Verschönerungsvereinen hervorgegangen. Er könne sich noch gut an die Zeit seines Vereinseintritts erinnern, als Richard Schmid Vorsitzender war. Ihm zu Ehren sei ein Gedenkstein beim Rundwanderweg auf dem Türnleberg errichtet worden. Zudem berichtet Lang von der Gründung der Ortsgruppe Mühlhausen im Jahr 1976 aus der Schwenninger Gruppe heraus.

28 Jahre, von 1980 bis 2008, hat Lang die Ortsgruppe geleitet – und zusammen mit seinem Team so manche Errungenschaft und Revolution durchbringen können: Da war mitunter die Verbesserung der Wegebeschilderung, die jetzt durch ihre unverkennbare gelbe Farbe, Angaben zu ÖNVP, Aussichtspunkten, Einkehrmöglichkeiten und GPS gekennzeichnet ist.

Dann zählt der Ehrenvorsitzende den Neckarweg auf, den er initiiert habe. Er ist von Schwenningen bis Mannheim durchmarkiert und zählt zu den längsten Fernwanderwegen in Baden-Württemberg. Auch der Tag des Baumes sei in dieser Amtsperiode wieder auferlebt worden, ebenso habe die Ortsgruppe den Barfußpfad auf dem Landesgartenschaugelände mit ins Leben gerufen, erzählt Lang. Die Mehrtagestouren seien ausgebaut und in verschiedenste Sparten – Ski, Rad, Geologie, Kunstgeschichte oder Botanik – aufgeteilt worden. Sein persönlicher Höhepunkt? "Die Tour von Schwenningen aus nach La Valette ans Mittelmeer", sagt er sofort. In Teilstücken sei die Strecke zwischen 1976 und 1980 erwandert worden – einmal sogar mit Oberbürgermeister Gebauer.

Von anfänglich 376 Mitgliedern in den Achtzigerjahren habe Lang die Ortsgruppe auf 605 bei seinem Abgang im Jahr 2008 anreichern können – und das kam nicht von ungefähr: "Die Öffnung des Vereins war mir wichtig", meint Lang, der die Menschen immer direkt angesprochen habe. Wohlfühlen und angenommen werden – das ist noch heute das Motto des 560 Mitglieder starken Vereins.

Doch in Zeiten von Wandertouren von Volkshochschule oder Omnibus- und Reisenunternehmen nähmen die Wandervereine einen schwierigen Stand ein – und das Ehrenamt mit hinzu. "Da haben die Wandervereine in den vergangenen Jahren geschlafen", gibt sich Lang kritisch. Es sei vorallem schwierig, die Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern.

Auch beim Credo des Albvereins, die Bereiche Wandern, Naturschutz und Heimat zu vereinen, komme der Verein mittlerweile an seine Grenzen. "Wir müssen uns einfach auf bestimmte Dinge konzentrieren", meint der passionierte Wanderer. Es gebe noch vieles, was verbesserungswürdig sei, sagt er schließlich, auch rund um Schwenningen. Nachdem die Elektromobilität stark gefördert wird, warum nicht auch die Elektrifizierung von Bahnstrecken, vor allem aber einen verstärkten Takt-Verkehr an Wochenenden?

Trotzdem: Beim Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte überwiegt bei Fritz W. Lang die Freude über das Geleistete, das auch immer noch in die Zukunft strahlt: "Ich glaube, dass es gut weitergeht."