Villingen-Schwenningen

Sänger bewegen Seele und Verstand

von Siegfried Kouba

Das Gesangsquartett "Dignus" gastierte bei den Sommernachts-Musiken und eroberte die Herzen des Publikums. Die von Bezirkskantor Marius Mack angestoßene ­Konzertreihe in der ­evangelischen Johanneskirche in Villingen scheinen zum jahreszeitlichen Hit zu werden.

VS-Villingen. Mit dem Vokalquartett "Dignus" hatte er einen guten Griff getan. Exquisite Gesangsqualität wurde geboten. Die vier jungen Männer ließen aufhorchen. Sie singen erst zehn Monate zusammen und man kann ihnen eine große Zukunft prophezeien. Bedenkt man, dass Georg Schmid kurzfristig für den Bariton Dominik Hoffmann einspringen musste, war das perfekte Zusammenwirken mehr als bewundernswert. Daniel Fix mit seinem starken Tenor, Daniel Schmid mit seiner Altus-Ausstrahlung, Georg Schmid mit einfühlsamen Bariton und Marius Sauter mit gefestigtem Bass bewegten Herz, Seele und Verstand.

In verschiedenen Abschnitten ließen sie über 700 Jahre Gesangskultur aufleben, vom altenglischen "Sumer is ­icumen in" bis zum poppigen "For the longest time" von ­Billy Joel. Kurz vor dem katholischen Hochfest Mariä Himmelfahrt erklang das sensitiv vorgetragene "Ave Maria" von Palestrina und den Namen des Ensembles verriet de Victorias "Domine, non sum dignus" (Herr, ich bin nicht würdig) mit bewegtem "sed tantum". Mit angenehmen Tempo, tief empfunden und mit dezenter dynamischer Abstufung versehen, erklang Mendelssohns "Denn er hat seinen Engeln befohlen", und obwohl ein Kind des 20. Jahrhunderts: Maurice Duruflés letzte Vokalkomposition "Unser Vater" verströmte eher romantische Gefühle, die deutlicher mit Karl Anton Eckerts friedvoll-hymnischen "Trauergesang" hervor traten.

Töne des 19. Jahrhunderts gab es in der Rubrik "Kunstlied", so bei Robert Prachts "Das Morgenrot", Schuberts glockenklar interpretierter "Liebe", Silchers studentisch-frischer "Entschuldigung" und Franz Abts gefühlvollem "Die Nacht". Nachdem die Sparte "Pop" bedient wurde, war das Publikum nicht mehr zu halten und spendete frenetischen Applaus für Tobias Künzels "Mann im Mond", Sebastian Krumbiegels Pinke-pinke-Song "Ich wär so gerne Millionär" und Joels Hit um Liebe, Abschied und Musik.

Kunstvolle romantische Vertonungen von Eichendorff- und Goethe-Versen boten die vier Lieder des Opus 75 von Felix Mendelssohn Bartholdy, wobei das "Trinklied" lebhaft-hintersinnig gestaltet wurde. "In einem kühlen Grunde" als Zugabe führte schließlich zum Ausklang mit Sektempfang.