Villingen-Schwenningen

Rupert Kubon sein? Lieber nicht!

von Schwarzwälder Bote

Tut er’s, oder tut er’s nicht noch einmal? Kaum eine Frage wird in Villingen-Schwenningen dieser Tage so häufig gestellt wie die nach Rupert Kubons möglicher erneuter Bewerbung um den Oberbürgermeister-Stuhl im Rathaus. Eifrig werden Für und Wider, Erfolge und Misserfolge, gegeneinander aufgewogen und wird Bilanz gezogen, noch ehe aller Tage Abend ist.

"Na klar, Kubon macht’s nochmal", sind sich einige ganz sicher. Sie halten seine Zurückhaltung für reine Taktik. Er wolle möglichen Gegnern möglichst wenig Zeit einräumen, im zahlreichen Publikum beim Neujahrsempfang das größtmögliche Auditorium für die eigene Botschaft finden oder Selbstmarketing im besten Sinne betreiben – schließlich spricht jeder darüber, dass er selbst noch nichts sagt.

Unterdessen betont Kubon, er wolle Zeit, sich zu entscheiden. Und sein Intimfreund Joachim von Mirbach von den Grünen will sogar wissen, dass der amtierende OB zumindest bis Donnerstag tatsächlich noch überlegt habe, ob er seinen Hut ein drittes Mal bei einer Oberbürgermeisterwahl im Oberzentrum in den Ring werfen soll.

Nur wenige nehmen Kubon diese Unschlüssigkeit ab. Aber: So unwahrscheinlich ist solch eine Zwickmühle gar nicht. Man muss nur das machen, was der passionierte Hobby-Schauspieler Rupert Kubon in seiner Freizeit selbst gerne tut: den Rollentausch üben. Nachspüren, wie es ist, in Kubons Haut zu stecken mit der Frage aller Fragen im Nacken.

Rasch wird klar: Bequemer wird’s nicht. Wenn Kubon jetzt aufhört, tut er, was der Volksmund empfiehlt: aufhören, wenn es am schönsten ist. Die finanzielle Lage der Stadt ist glänzend. Verglichen mit dem traurigen Schuldenrekord von 2004 wurden die Schulden bis dato auf unter 30 Millionen Euro nahezu halbiert und die Rücklagen sind fast so hoch wie der Kernhaushalt. Die Wirtschaft brummt und liefert das Geld für die jüngst angestoßenen, Zukunftsprojekte: die Schulsanierungen, die Zusammenführung der Verwaltung auf dem ehemaligen Kasernen-Areal Mangin, der Bau der Schwenninger Neckarhalle, diverse Wohnprojekte und den weiteren Ausbau der Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen zum Beispiel. Freilich, er könnte an diese Erfolge anknüpfen, die Dinge voll­enden. Aber wenn Kubon jetzt abtritt, geht er mit einem guten Gefühl, begleitet vom Beifall der Villingen-Schwenninger.

Doch wehe seinem Nachfolger. Die Erfahrung lehrt es: Kein Konjunktur-Hoch währt ewig. Der nächste Einbruch kommt bestimmt. Und VS wird er, glaubt man den Prognosen, hart treffen. Man empfiehlt Villingen-Schwenningen, trotz der fetten Jahre den Gürtel enger zu schnallen. Auch der Kämmerer Hans Kech zeichnete bei den Haushaltsberatungen schaurige Szenarien. Die Verschuldung von 27,4 Millionen Euro im Jahr 2018 soll bis 2021 auf 96,6 Millionen anwachsen. Und dann? Kubon wäre noch immer OB. Erst 2025 wird er 68 Jahre alt sein – so alt wie ein Oberbürgermeister im Amt in Baden-Württemberg höchstens werden darf. Hält die Konjunkturdelle so lange an wie derzeit das Hoch, dürfte sie Kubon mit voller Wucht erwischen.

Ein gefundenes Fressen für seine Kritiker. Dann doch lieber den süßen Abgang genießen? Ach ja, und den Rollentausch zurück nicht vergessen – in dieser Haut mag schließlich keiner stecken.