Villingen-Schwenningen

"Rollenspieler sind auf keinen Fall Einzelgänger"

von Christian Marull

Einmal ein charismatischer Elf sein oder ein vor Kraft strotzender Berserker, als Feldherr ein Ork-Bataillon in die Schlacht führen oder als hinterhältiger Schurke Intrigen spinnen. Wer solche Fantasien schon immer mit sich herumträgt, sollte vielleicht einmal ein so genanntes "Pen-and-Paper-Rollenspiel" ausprobieren – alles was man zum Spielen braucht sind theoretisch Stift und Papier – und in Welten mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten abtauchen. Gelegenheit dazu bietet die "V-Con 17.1" im Jugendhaus K3. Die "Villinger Rollenspiel-Convention" findet von Freitag, 10. März, bis Sonntag, 12. März statt.

Seit 2003 zwei "Cons" pro Jahr im Villinger Jugendhaus

Dass die Vielfalt von Rollenspielen nahezu unerschöpflich ist – und sich nicht wie eingangs beschrieben auf die tolkiensche Fantasywelt beschränkt – weiß Dennis Grützmacher, der mit seinem engagierten Organisations- und Helferteam die V-Con ausrichtet.

Die Geschichte der Convention, die Rollenspielfans aus ganz Süddeutschland nach Villingen lockt, beginnt mit der ersten V-Con 2003. "Der damalige Jugendhausleiter Lars Fraunheim war seit seiner Jugend begeisterter Rollenspieler. Im Jugendhaus gab es schon ein Paar Rollenspielrunden und man hat sich dann dazu entschlossen, selbst eine Convention auf die Beine zu stellen", erzählt Dennis, der 2006 über das Jugendhaus und den damaligen Leiter zum Rollenspielen gekommen ist. Seitdem finden jedes Jahr zwei "Cons" statt, eine im Frühjahr und eine im Herbst.

Als Fraunheim die Leitung des K3 an Daniel "Dan" Leguy-Madžar 2015 abgegeben hatte, sei man erst unsicher gewesen, ob die Convention weiter geht. "Lars war schon die treibende Kraft hinter der V-Con. Außerdem wussten wir nicht, ob wir weiter das Jugendhaus für unsere Veranstaltung nutzen können", erinnert sich Dennis. Die Sorge sei aber völlig unbegründet gewesen. "Dan war begeistert von der Sache und unterstützt uns seitdem, wo es geht", freut sich Dennis, der wie viele der Organisatoren der V-Con ehrenamtlich im Jugendhaus arbeiten. Den Wechsel des "Chefs" habe man auch zum Anlass genommen der Convention neues Leben einzuhauchen. Über die Jahre habe man sich immer weniger um die Veranstaltung gekümmert. "Es war alles irgendwie eingeschlafen. Während zu Beginn noch 200 bis 250 Leute nach Villingen gekommen sind waren es vor 2015 nur noch 80. Wir haben uns dann ein neues Konzept überlegt und haben überall Flyer verteilt und mit Plakaten auf uns aufmerksam gemacht", erinnert sich Dennis.

Mittlerweile hat sich die Zahl der Besucher bei rund 150 eingependelt.Rollenspiel-Conventions wie die V-Con gibt es in Deutschland einige. Mal sind sie größer und mal etwas kleiner und mit "Wohnzimmer-Atmosphäre" wie in Villingen. Die Rollenspielszene sei recht übersichtlich, meint Dennis. "Man kennt sich. Leute die ich in Ulm auf der Convention treffe, laufen mir auch in Freudenstadt oder eben bei uns in Villingen über den Weg. Über die Jahre haben sich zum Teil echte Freundschaften entwickelt", beschreibt Dennis die Gemeinde der Rollenspiel-Fans. "Das schöne ist", so Dennis weiter, "wenn man auf Cons geht, auf denen man keinen kennt, ist man nicht lang allein. Man hat ein gemeinsames Hobby und sofort ein Gesprächsthema. Trotz teilweise hitziger Diskussionen während den Spielrunden, gibt es nie wirklich Ärger".

Das oft bemühte Bild vom Einzelgänger und "Nerd" treffe auf keinen Fall zu. "Rollenspielen ist ein äußerst soziales Hobby. Allein die Tatsache, dass man für die meisten Rollenspiel-Varianten mehr als zwei Personen braucht, widerspricht eigentlich schon dem Bild", meint Dennis. Trotz der Vorurteile, die noch immer über Rollenspieler kursieren, sei ihr Hobby heute nicht mehr so negativ besetzt. "Geholfen haben dabei sicherlich Serien wie "The Big Bang Theory" oder die Marvel-Superheldenfilme", meint Dennis.

Es geht darum, Spaß zu haben und Geschichten zu erleben

Beim Rollenspielen gehe es in erster Linie darum, Spaß zu haben und gemeinsam Geschichten zu erleben. "Wichtig ist, dass die Welt kongruent ist, also bestimmten Regeln folgt, die jeder kennt", beschreibt Dennis die Grundvoraussetzungen eines Pen-and-Paper-Rollenspiels.

Jede Rollenspielrunde hat einen Spielleiter auch Meister genannt. Dieser erarbeitet eine Geschichte – selbst geschrieben oder von professionellen Autoren der Verlage, die Rollenspiel-Systeme veröffentlichen – und führt durch das Abenteuer. "Das funktioniert so lange, bis die Spieler auf das ausgedachte Szenario treffen. Man kann sich als Meister alles mögliche ausdenken. Wenn die Spieler auf Probleme stoßen, denken sie sich Wege aus, die man selbst nicht auf dem Schirm hatte. Dann ist Improvisation gefordert", meint Sebastian Disch, der ebenfalls im Organisationsteam der V-Con ist.

So eine Runde sei auch immer eine Art Improvisationstheater, wobei der Fantasie kaum Grenzen gesetzt sind. Dabei bleiben die Rollenspieler immer nah bei ihrem Charakter und stellen sich vor, wie dieser in der jeweiligen Situation reagieren würde. Das führt nicht allzu selten zu kuriosen Situationen, weiß Christian Haaga, ebenfalls im V-Con-Team. "Menschen, die sonst eher schüchtern sind, gehen beim Rollenspiel komplett aus sich heraus. Da wird jemand, der sonst wenig redet auch mal schnell zum Anführer einer Gruppe und gibt lautstark Befehle." Dabei ist es ein Unterschied, ob man "in character" ist, also in seiner Charakter-Rolle spricht, oder ob man sich "out of character" unterhält, um etwa über Regeln zu sprechen. Ein wichtiger Bestandteil ist außerdem das Würfeln. Hier kommt der Zufall ins Spiel und lenkt so manche Runde in eine komplett andere Richtung.

Abenteuer können in unzähligen Spielewelten erlebt werden

Zwar gibt es einige visuelle Stützen für die Rollenspieler, der Hauptteil spiele sich aber im Kopf ab. "Pen and Paper ist ein absolut kreatives Hobby. Außerdem kann man sich aussuchen in welcher Welt man Geschichten erleben will. Von klassischer Fantasy, über Science Fiction oderZombie Apokalypse bis hin zu historisch akkuraten Mittelalterszenarien – die Möglichkeiten sind eigentlich unbegrenzt. Das macht es auch für Einsteiger einfach, sich eine geeignete Spielewelt auszusuchen", erklärt Dennis.

Gerade Einsteiger und Leute, die sonst nicht viel mit ihrem Hobby zu tun haben, empfängt man bei der V-Con mit offenen Armen. "Das schöne an so einer Con ist, dass jeder mit jedem spielt und sich ganz spontan Runden bilden. Leuten, die noch keine Erfahrung haben, helfen wir gerne bei den ersten Schritten. Auch wenn jemand nur schauen will, was wir hier so treiben, achten wir darauf, dass wir alles erklären, um so eventuelle Vorurteile abzubauen."

Die V-Con findet von Freitag, 10. März, 18 Uhr bis Sonntag, 12. März, 18 Uhr im Jugendhaus K3 in der Villinger Kalkofenstraße 3 statt. Angeboten werden diverse Rollenspiel- und Tabletoprunden. Neben dem Grundangebot an Runden wird ein vielseitiges Programm geboten: Neue Spielsysteme werden vorgestellt und erklärt, ein "Nerd"-Quiz testet das Wissen der Teilnehmer in Pop-Kultur und Spezialwissen, bei einem Magic-Turnier kommen Tradingcard-Fans auf ihre Kosten, zwei Zeichnerinnen erfüllen Bildwünsche und zwei Händler verkaufen Rollenspiel-Zubehör aller Art. Die Theke ist während des gesamten Wochenendes Tag und Nacht besetzt und stillt den Durst und Hunger der Besucher. Wer Übernachten möchte, kann sich mit Schlafsack und Isomatte einen ruhigen Platz im Jugendhaus suchen. Der Eintritt ist frei.