Villingen-Schwenningen

Rätsel,Spannung,Nervenkitzel

von Tatsiana Zelenjuk

Escape Rooms schießen in Deutschland gerade wie Pilze aus dem Boden. Das Konzept dahinter: Eine Gruppe von zwei bis sechs Personen wird in einem Raum eingesperrt und muss versuchen, sich durch das Lösen von kniffligen Rätseln und Aufgaben zu befreien – im Wettkampf mit der Zeit. Im Grunde genommen ist es eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene, ein Rollenspiel für moderne Freizeitabenteurer.

Auch in Villingen-Schwenningen entsteht derzeit ein Escape Room. Spätestens ab Sommer können alle, die Nervenkitzel und gedankliche Herausforderung lieben, eines der insgesamt fünf Szenarien buchen. Das verspricht Unternehmer Rainer Schobries, der Kopf hinter den fünf Escape-Räumen in der Vockenhauser Straße 2. Diese liegen im gleichen Gebäude wie seine Laserspiel-Arena; neben zwei eingekauften Szenarien bietet Schobries auch drei Eigenkreationen. Zwei Jahre lang habe er daran gearbeitet, denn moderne Freizeitabenteuer sind Schobries’ große Leidenschaft. "Die Menschen wollen unterhalten werden", weiß er.

Doch ist es wirklich so spannend wie es klingt? Ich habe mit meiner Volontärskollegin Bea einen Rätselraum getestet – es ist ein grandioser Spielspaß!

Als absolute Escape-Room-Neulinge wissen wir am Anfang nicht so richtig, was uns erwartet. Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Schaffen wir es wirklich in 90 Minuten? Knacken wir alle Codes? Als ich dann höre, dass wir nicht den Gefängnis-Ausbruch testen, atme ich erleichtert auf. Denn das Gefängnis-Szenario ist eins für ganz Toughe, gruselige Musik und Folterkammer inklusive. "Man muss sich da richtig unwohl fühlen und ausbrechen wollen", erklärt Schobries. Das ist der einzige Raum, den man erst ab 18 betreten darf. In unserem Rätselzimmer dagegen können bereits Zwölfjährige gemeinsam mit den Eltern ihr Denkvermögen und Teamfähigkeit auf die Probe stellen.

Wir betreten den Raum und schauen uns um. Knallgrüne Wände, an denen überall Zettel mit Zahlen, Buchstaben und Hinweisen, Haken, Bänder und geometrische Figuren hängen. Wir stehen vor Dutzenden verschlossenen Kisten. Unser Ziel: in 90 Minuten möglichst viele Schlösser aufzubekommen und Punkte zu sammeln. Wir sind voll motiviert und freuen uns auf den gemeinsamen Rätselspaß. Aus den Lautsprechern ertönt ab und zu die Stimme des virtuellen Moderators, der uns durch das Szenario leitet und auch zusätzliche Aufgaben stellt. Auch in ein spezielles Tablet müssen wir die richtigen Codes und Antworten eingeben.

"Die Spieler werden natürlich nie allein gelassen. Der Raum wird per Video überwacht, und jedes Team bekommt ein Walkie-Talkie. Wenn man nicht mehr weiter weiß oder wenn etwas passieren sollte, bekommt man Hilfe von den Mitarbeitern", nimmt uns Schobries die Angst.

In der MindArena – so heißt unser Raum – stellt sich schnell heraus, worauf es ankommt. Man muss tatsächlich kein Mathe-Genie sein, vielmehr geht es im Escape Room um Logik, Kreativität und Teamarbeit. Insgesamt sechs Stationen haben wir zu bewältigen. Wir müssen Codes knacken, um die nächste Kiste zu öffnen.

Die ersten zwei Aufgaben können wir ziemlich schnell lösen. Mit dem dritten Rätsel haben wir Schwierigkeiten. Egal, wie wir es drehen, wir kommen einfach nicht weiter. Die Stimme des virtuellen Moderators erinnert uns daran, dass die Zeit gegen uns läuft: "Sie haben noch dreißig Sekunden für diese Aufgabe". Wir geben bis zur letzten Sekunde nicht auf. Es hilft nichts: Die Kiste bleibt verschlossen. Erst einige Minuten später fällt meiner Kollegin die richtige Lösung ein. Zu spät, dafür können wir leider keine Punkte mehr kassieren.

Zwischen den einzelnen Stationen bekommen wir eine Agenten-Geschichte zu hören – nicht zur Abwechslung oder zum Spaß; auch hier müssen wir uns konzentrieren, um möglichst viele Fragen richtig zu beantworten. Das meistern wir ziemlich gut. Ohne einzelne Details zu verraten, kann ich nur sagen: Wer ein gutes Kurzzeitgedächtnis und Grundkenntnisse in Englisch hat, ist klar im Vorteil. Unsere Antworten geben wir ins Tablet ein. Das Feld wird grün: Geschafft! Die kleinen Erfolgserlebnisse beflügeln, und bald schon sind wir richtig im Flow. Wir sind so sehr ins Spiel vertieft, dass wir nur noch fieberhaft nach Hinweisen suchen, Kärtchen kombinieren, Hypothesen ausprobieren. Zwischendurch verzweifeln wir fast, wenn wir die Kiste öffnen und mit den Gegenständen dort recht wenig anfangen können. Müssen wir die Teile einordnen, zusammenbinden, irgendwo befestigen? Unsere Köpfe rauchen, ich nehme die Zeit nicht mehr wahr. Das ist es, was die Faszination der Escape Rooms ausmacht. Man tüftelt zusammen an einer Aufgabe und vergisst den Alltag. Man spielt – und das macht unheimlich viel Spaß.

Ganz ehrlich: Wir haben es nicht geschafft, in 90 Minuten alle Aufgaben zu lösen. Was für mich aber am Ende zählt, sind die tolle Erfahrung und das gemeinsame Erlebnis. Ich auf jeden Fall habe Lust auf mehr bekommen. Wenn der Escape Room in Villingen dann offiziell öffnet, gibt es dort einen Virtual-Reality-Raum, eine Höhle, aus der man fliehen muss, und eine Mission, in der man einen Professor rettet. "Es gibt Szenarien mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden", erklärt Schobries. Und wer weiß, vielleicht lasse ich mich irgendwann mal sogar freiwillig in einer Gefängniszelle einsperren.

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