Villingen-Schwenningen

Paul Lubina setzt sich mit ganzem Herzen für ältere Menschen ein

von Birgit Heinig

"Für Burnout habe ich einfach keine Zeit" steht auf der Kaffeetasse. Die steht auf dem Schreibtisch im Büro von Paul Lubina, dem Leiter der Senioren­residenz Am Kaiserring in Villingen. Sowohl beruflich als auch ehrenamtlich setzt sich der 55-Jährige für alte Menschen ein.

VS-Villingen. Paul Lubina agiert am liebsten im Hintergrund. Er leitet nicht nur die Seniorenresidenz mit 105 Plätzen, 28 betreuten Appartements und 108 Mitarbeitern, er ist zugleich als Pflegegutachter im Süden der Republik unterwegs und ist Prokurist beim ambulanten Pflegedienst Alpenland mobil. Außerdem hat er 2016 den ehrenamtlichen Vorsitz des ­"Villinger Bündnisses für ­Familien und Senioren" übernommen, das sich die Verbindung der Generationen und die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt zur Aufgabe gemacht hat.

Trotz vieler Aufgaben sei es vor allem letztere, die ihn nach getaner Arbeit mit Glück und Entspannung erfülle, sagt Paul Lubina und verweist auf das Benefizkonzert, das etliche verschiedene musikalische Gruppen gerade im ­Innenhof der Residenz vor einem bunt gemischten Publikum gegeben haben. "Das war ein wirklich schöner Tag", sagt Lubina.

Im Kohlebergbau bis zum Steiger gebracht

Schön waren seine Tage auch in seinem früheren beruflichen Leben, einem komplett anderem. 1963 im oberschlesischen Beuthen geboren und aufgewachsen, lernte Paul Lubina Maschinenbautechniker, ging in den Kohlebergbau und brachte es dort bis zum Steiger. So schwer und gefährlich die Arbeit in gut 600 Metern Tiefe auch war, er habe sie dennoch geliebt, sagt er. Neben einem guten Verdienst war es vor allem die multikulturelle Gemeinschaft unter Tage, die ihn begeisterte. "Man konnte sich bedingungslos aufeinander verlassen".

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 zog er mit Frau und zwei Kindern nach Deutschland und landete – ungewollt, eigentlich wollte die Familie nach Hamm zu Verwandten – in Werne an der Lippe. Drei Jahre lang konnte er als Leiharbeiter in verschiedenen Zechen im Ruhrpott seiner geliebten Arbeit nachgehen, doch dann war "Schicht im Schacht".

Arbeitslos mit 38 – für den Familienvater ein Desaster. Da er auf keinen Fall in irgendeiner Branche als Hilfsarbeiter enden wollte, musste ein neuer Beruf her. Er absolvierte Praktika in einem Krankenhaus und in einem Pflegeheim. Letzteres sagte ihm zu, war er doch als Jugendlicher in einem Altenheim ein- und ausgegangen. Er absolvierte die dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger, die er 1996 examiniert abschloss. Schon damals herrschte in der Branche Fachkräftemangel – Paul Lubina wurde sofort übernommen. 2000 bildete er sich berufsbegleitend im Pflegemanagement zum Fachwirt weiter und entschied sich hernach, freiberuflich tätig zu sein. Mal war er Pflegekraft, mal Interimsheimleiter, mal baute er Rehakliniken zu Pflegeheimen um.

Nach dem Ende seiner Ehe war er ungebunden in ganz Deutschland unterwegs, unter anderem im Schwarzwald. Dort blieb er hängen, lernte in Schönwald seine zweite Frau kennen und lebt bis heute dort. 2004 war der Wunsch, sesshaft zu werden, wieder da und Paul Lubina übernahm die Leitung eines Pflegeheimes in Donaueschingen. Und er schuf sich beruflich ein weiteres Standbein als Pflegesachverständiger in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen. Mit wissenschaftlichem Blick auf die Pflege und Rechtskenntnissen beriet und beurteilte er Heime. 2010 wechselt er als Pflegedienstleiter an die Seniorenresidenz Am Kaiserring, qualifizierte sich erneut weiter und übernahm 2016 die Leitung.

Die Gründung des "Villinger Bündnisses für Familien und Senioren", die im Kaisersaal der Residenz – bis heute Dreh- und Angelpunkt der Vereinsaktivitäten – stattfand, erlebte er aktiv mit. Die Übernahme des Vorstandes vor drei Jahren war für ihn Ehrensache.

Paul Lubina kam und kommt viel herum in den Städten – eine solche Allianz ist ihm aber noch nie begegnet. "Ein generationsübergreifendes Engagement bringt allen etwas", sagt er, weiß aber, dass man über das Gute, das man tue, auch mehr sprechen müsse. Mitgliederwerbung steht daher auf seiner diesjährigen Agenda – mit dem "Tag der Musik" wurde ein erster Schritt dafür getan.

Fachkkräftemangel ist ein bestimmendes Thema

Als Heimleiter treibt auch ihn aktuell allerdings der Fachkräftemangel am meisten um. Der Markt an Pflegekräften sei leergefegt, die kritische Phase längst erreicht. Paul ­Lubina ist stolz darauf, bisher ohne Leihkräfte ausgekommen zu sein. Er hat die Suche nach Auszubildenden und deren Anleitung längst zur Chefsache gemacht. Fachliche Voraussetzungen brauche es so gut wie keine, sagt er, allerdings "müssen die jungen Leute das Herz auf dem rechten Fleck haben". Zwölf Azubis lernen in seinem Hause derzeit einen Pflegeberuf – "und wir werden, wenn sie hoffentlich wollen, alle übernehmen".