Villingen-Schwenningen

Paddeln im Wildwasser und die Managementfähigkeiten

von Schwarzwälder Bote

VS-Schwenningen. Wildwasser-Erfahrung im Studium – Was hat Kanufahren mit Management zu tun? Welche Erkenntnisse kann man aus dem Paddeln im Wildwasser auf das Arbeitsleben übertragen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Wahlfachs "White Water Management", welches an der Hochschule Furtwangen angeboten wird.

Zwölf Studenten des dritten und vierten Semesters der am Campus Schwenningen beheimateten Fakultäten Mechanical and Medical Engineering und Wirtschaft nahmen teil und verbrachten zusammen mit drei Instruktoren eine Woche im Tessin. In der Nähe der Stadt Claro bei Bellinzona übernachteten die Teilnehmer in Zelten auf einem Campingplatz, und dort wurden auch Vorlesungen abgehalten.

Ins Leben gerufen wurde diese einzigartige Veranstaltung von Gerrit Horstmeier, der am Campus Schwenningen lehrt und nicht nur seine Leidenschaft des Paddelns mit Studenten teilt, sondern gleichzeitig mit Inhalten aus der Betriebswirtschaft kombiniert. Das White Water-Seminar basiert auf seinem Buch "Management im ständigen Wildwasser – Was Führungskräfte vom Kajakfahren lernen können". Er zeigt auf, inwiefern sich Kajakfahrer denselben Fragen stellen müssen wie Führungskräfte in einem Unternehmen. So wird zum Beispiel ein Wirtschaftsmarkt mit einem Wildfluss verglichen. Weil ein Wildfluss, ebenso wie ein Markt, nicht vorhersehbar ist. Er beinhaltet Tücken, Gefahren und unübersichtliche Stellen, bei denen es notwendig ist, Managementfähigkeiten anzuwenden, um erfolgreich und sicher voran zu kommen.

Die Studenten waren immer wieder überrascht, wie viele Parallelen es tatsächlich zwischen beiden Bereichen gibt. Fünf Tage lang beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategie, Risikomanagement und Kommunikationsmanagement. Das Thema Teammanagement war zudem wichtig. In Feedback-Runden wurde festgestellt, was am jeweiligen Tag gut lief, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt und wie Verbesserungen erreicht werden sollen. Jeden Tag, nach dem gemeinsamen Frühstück und einer Vorlesung von Professor Horstmeier, bei der die Studenten die theoretischen Grundlagen erlernten, ging es aufs Wasser für den praktischen Teil. Hier galt es, das Erlernte möglichst gut umzusetzen. Was tun, wenn das "Worst-Case-Szenario" eintritt, und man im eiskalten Fluss kentert? Die Instruktoren vermittelten, wie man sich schnellstmöglich aus seinem Kajak befreien kann, wie man Panik vermeidet und möglichst ruhig und konzentriert ans Ufer gelangt. Und nachdem jeder ein paar mal "Probekentern" durfte, ging es ab Tag zwei richtig los. Mit wachsendem Selbstvertrauen und Erfahrung wurden die Streckenabschnitte immer herausfordernder und es kam zu häufigeren "Kenterungen".

An schwierigen Passagen musste stets das Gelernte aus dem Bereich Risikomanagement angewendet werden. So wurde beispielsweise festgelegt, welche Linie zu fahren ist, welcher Sicherheitsabstand zum Vordermann eingehalten werden muss und in welcher Reihenfolge gefahren wird.

An Tag drei wurde einigen Teilnehmern mehr Verantwortung übertragen, indem man ihnen die Führungsposition übertrug und selbst Einschätzungen über Streckenabschnitte oder das Erkennen von Gefahrenstellen treffen ließ. Die perfekte Aufgabe um sich an verantwortungsvolle Positionen zu gewöhnen. Als erweiterte Vorbereitung auf ein Berufsleben im Wirtschaftssektor ist es immer hilfreich, nicht nur theoretische Inhalte während des Studiums vorgesetzt zu bekommen und diese zu lernen, sondern auch praktische Erfahrungen zu sammeln, die sich in der Regel ohnehin stärker im Gedächtnis verankern.

Dies bietet die Exkursion "White Water Management" an, bei der die Studenten neben Management-Skills außerdem Verbindungen zu neuen Kollegen aufbauen und im Team zusammenarbeiten konnte. Sie haben in dieser Woche viele Dinge gelernt, nützliche Erfahrungen gesammelt und ein Erlebnis als Gruppe ermöglicht, bei dem Instruktoren und Teilnehmer stets kameradschaftlich zusammengearbeitet haben und jede Menge Freude hatten.