Villingen-Schwenningen

Noise ist mehr als nur Lärm

von Andreas Bauhof

Was passiert, wenn man das Geräusch eines Wasserkochers aufnimmt, daraus verschiedene Tonspuren macht, die mal schneller, mal langsam sind und am Ende übereinanderlegt: Noise. Daraus wird dann ein Stück, das krachig-laut klingt und mit viel Übersteuerung einen speziellen Sound erzeugt. Dieser Musikrichtung, die keine Musik im herkömmlichen Sinne sein will, hat sich der in Trossingen studierende David Leutkart, alias "Grodock", verschrieben.

Noise lasse sich nicht so einfach definieren, da es der Überbegriff für verschiedene Formen der Klanggestaltung sei, so Leutkart. Ganz einfach übersetzt heißt Noise auf deutsch Lärm. Der Begriff hat in der harmonischen Musik insofern Bedeutung, als Noise als störendes Element, als Fehler in der Musik bezeichnet wird. Beispielsweise sind das die Nebengeräusche einer Geige oder aber auch ein falscher Ton. In der Noise-Musikrichtung geht es genau um diese Geräusche, sie bilden den Mittelpunkt ihrer Musik. Entstanden ist Noise bereits in den 1920er-Jahren. Aber erst Ende der 1970er- Jahre entwickelte sich aus den Musikrichtungen Punk und Industrial eine eigenständigere und breitere Szene.

Grodock hat im letzten Jahr sein erstes Tape mit eigenen Noise-Stücken herausgebracht. Darauf hat er verschiedene Stücke von krachig-laut bis fiepsend-hoch untergebracht. Für das krachige Stück habe er eine Tonspur aufgenommen und mit viel Übersteuerung einen speziellen Sound erzeugt. In dem fiepsig-hohen Stück habe er hohe Töne verschiedener Tempi zusammengelegt. Dies habe er bewusst so erzeugt, um beim Hörer die Schmerzgrenze zu überschreiten. So seien gerade sehr hohe, fiepsige Töne für das menschliche Gehirn besonders nervig. Denn darum gehe es bei Noise auch: die sonstige Eintönigkeit im Kapitalismus durch Krach zu durchbrechen, um damit – im Idealfall – ein kritisches Bewusstsein zu schaffen.

Insgesamt seien die Möglichkeiten bei der Erstellung eines Stückes hier sehr vielfältig, betont er. Grodock arbeitet beim Komponieren der Stücke mit einem PC und einem Tonprogramm. Seine Live-Auftritte seien hingegen viel offener und freier und böten Raum für Improvisationen. Dafür verwendet Grodock eine Grundspur, die er dann mit seinem Synthesizer entsprechend abwandeln kann. So kann er aus einer Spur mehrere machen, die sich dann in Bezug auf Tempo und Tonhöhe unterscheiden. Was dabei rauskomme sei sehr spannend, berichtet er.

Mit 15 Jahren ist Grodock das erste Mal in Berührung mit Noise gekommen. "Mir war es schon immer wichtig, neue Musik kennenzulernen", erklärt er. Was ihn an Noise fasziniere, sei, dass es keine Strukturen gebe, wie in anderen Bereichen der Musik. So war Grodock auch nach der Schule klar, dass er in dieser Richtung gerne studieren würde und kam auf den Studiengang Musikdesign an der Musikhochschule in Trossingen. Hier liegt der Schwerpunkt klar auf elektronischer Musik. Dies sei in Deutschland der einzige staatliche Studiengang, der dieses Profil biete, so Grodock.

"Im Jahr 2011 habe ich damit angefangen, mit meinem Synthesizer aufzutreten", erzählt er. Dabei habe er mit seiner experimentellen Band "Sohne", in der außer ihm Sascha Brosamer (siehe Bericht unten), Pia Abzieher, Sebastian Bauhof und Felix Mayer mitgewirkt haben, in den letzten Jahren einige Auftritte gehabt: beispielsweise in Berlin, Leipzig und Paris. Aber auch mit zwei Kommilitonen habe er schon zusammengearbeitet und im vergangenen Jahr einen Auftritt in Island gehabt. Mit einem Dozent habe er zudem im Rahmen eines Hochschulprogramms einmal in China gespielt.

Auch in seiner Bachelorarbeit hat sich David Leutkart mit dem Thema Noise ausführlich auseinandergesetzt. Sie trägt den Titel: "Noise-Musik, Körper und Gesellschaft".

Wer Grodock einmal live hören will, sollte sich den Mittwoch, 14. Februar, vormerken. Dann spielt der Musiker ab 17 Uhr das Abschlusskonzert seines Studiums an der Musikhochschule Trossingen.

Weitere Informationen: https://grodock1.bandcamp.com/releases