Villingen-Schwenningen

Kulturkrieg in Villingen: "Ohne mich"

von Eva-Maria Huber

VS-Villingen - "Wieso eigentlich ich?" Verärgerung und Enttäuschung spiegeln sich im Gesicht von Gunnar Frey wider. Ohne Folgen bleibt es nicht, dass auf dem Schaufenster seines Ladens "Soundservice" vier Aufkleber mit "notmylimba" klebten.

Seinem Ärger macht Gunnar Frey zu Wochenbeginn vor allem im sozialen Netzwerk Facebook Luft. "So Ihr lieben #notmylimba Leute. Ich gebe Euch bis morgen früh Zeit, diese Aufkleber-Beschmierereien und Brandmarken wie zu Nazi-Zeiten an meinem Ladengeschäft zu entfernen und zu reinigen.....", postet Frey. Am Sonntag hat er die Sticker an seinen Schaufenstern in der Färberstraße bemerkt. "Das muss in der Nacht auf Sonntag passiert sein", mutmaßt er.

Doch das Ultimatum bis Montagvormittag verstreicht, ohne dass sich etwas getan hat. Frey fackelt nicht lange und macht die Aufkleber selbst weg. Sicher stört ihn, dass er die Aufkleber entfernen und die Scheiben wieder reinigen musste.

Doch noch mehr stört er sich an der Aussage, die dahinter steckt.Warum eigentlich er: Diese Frage beschäftigt ihn und er glaubt auch die Antwort darauf zu erahnen: "Vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich mit dem neuen Limba-Pächter eine Kooperationsveranstaltung gemacht habe. Doch ich kooperiere, mit wem ich Lust habe", so Frey, auf dessen Zusammenarbeits-Liste auch die beiden Jugendhäuser der Stadt, das Kommunale Kino in Schwenningen, das Kulturzentrum Scheuer in Villingen sowie diverse Pubs in VS stehen. Dort organisiert er in schöner Regelmäßigkeit Musik-Events.

Ärger und Wut auf Wechsel in Kultkneipe

Wie berichtet, hatte der Geschäftsführer-Wechsel im Limba vor Monaten die gesamte Villinger Kulturszene in Wallung gebracht. Die Nachricht damals hätte nicht gewaltiger einschlagen können: Völlig überraschend wurde das Aus von Limba-Geschäftsführer Bernhard Zipfel verkündet, Mario Puggioni, kein Unbekannter in der Schlösslegasse in Villingen, stieg (erneut) in der Kultur-Kneipe ein. Viele in der Stadt waren nicht nur überrascht.

Das Entsetzen und auch der Frust und Ärger über die ­Entwicklungen in der Kneipe sind groß. Schmierereien an der Limba-Fassade, ­Entrüstung in den sozialen Netzwerken und dazu noch Bedrohungen an den Limba-Pächter aus Coburg sind die Antwort.

Für Gunnar Frey ist das Maß voll, er ist verärgert über diese Art von Sachbeschädigung: "Ich habe damit nix zu tun mit Eurem Kindergarten und Kulturkrieg!", postet er. Enttäuscht ist er vor allem deshalb, weil die "Leute, die das gemacht haben, sicher aus meinem politischen Milieu sind".

Am Freitag besprechen, was das Problem ist

Dennoch ringt er sich kurze Zeit später zu einer überrraschend-unkonventionellen Ansage über Facebook durch: Die "Verantwortlichen" lädt Frey am Freitag, 18. Mai, zu sich in den Laden ein. "Dann können wir besprechen, was genau Euer Problem ist, und warum ihr mir meinen Laden beschmiert." Der Unterstützung der anderen FB-User, die den Blog mitverfolgen, kann Frey sicher sein.

Während der Unmut über die Vorgänge im "Limba" und der Wechsel in der Geschäftsführung offensichtlich anhalten, stehen noch weitere Veränderungen an. Dem Vernehmen nach will sich der Schlössle-Wirt aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen.

Wer das Lokal weiterführen soll, darüber wird ebenfalls gesprochen. Angeblich soll es Bernhard Zipfel sein, der ehemals das Limba führte. Ob oder nicht: Diese Antwort blieb Zipfel bislang schuldig, trotz Anfragen.