Villingen-Schwenningen

Kritik an Polizeihochschule ist "überzogen"

von Felicitas Schück

Villingen-Schwenningen - Die SPD im Landtag und die Polizeigewerkschaft lassen kein gutes Haar am Innenministerium, wenn es um Ausbildung und Unterbringung angehender Polizisten im Land geht. Doch der Leiter der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen widerspricht.

Als "überzogen" hat Martin Schatz, Leiter der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen und als Präsident zuständig für die gesamte Polizeiausbildung im Land, die Kritik von Sozialdemokraten und Polizeigewerkschaft zurückgewiesen.

Anlass der Kritik ist eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion ans Innenministerium. Demnach ist das Land in der Ausbildung und Unterbringung neuer Polizeischüler auf Notlösungen angewiesen. Die Pläne der CDU seien "eine einzige Flickschusterei", kritisierte die SPD laut Medienberichten das Vorhaben der Landesregierung.

Pensionäre belasten die Beamten im aktiven Dienst nicht

"Es ist eine Mammutaufgabe und keine Flickschusterei", stärkt Schatz seinem Dienstherren, Innenminister Thomas Strobl (CDU), den Rücken. "Wir haben einen dezidiert funktionierenden Plan. Das kriegen wir alles hin", erklärt er auf Nachfrage.

Während das neue Hörsaalgebäude, das Bürogebäude und weitere Neubauten am Campus der Hochschule in Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) für Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro wohl erst 2019 in Angriff genommen werden sollen, wenn der Baugrund soweit vorbereitet ist, "tut es in Wertheim richtig brennen", wie der Präsident einräumt. Dort wird die ehemalige Flüchtlingsunterkunft zu einer Polizeischule umgebaut. 300 Auszubildende für den mittleren Dienst werden dorthin kommen. Ab 1. Juli sollen 200 künftige Polizeibeamte ihre Ausbildung in Wertheim beginnen, am 1. September kommen weitere 100 hinzu.

Die Polizeigewerkschaft hat laut Medienberichten kritisiert, dass diese ebenso wie am Ausbildungsstandort Biberach in "Containern" wohnen müssten. Schatz spricht in Anspielung darauf von "Modulbauten". In Wertheim gebe es zwei große Gebäude mit 150 Zimmern, was "sehr akzeptabel" sei. Und an der Polizeischule in Biberach sollen 150 Schüler "in ordentlicher, schöner, moderner und zeitgemäßer Unterbringung in Modulbauweise" unterkommen.

Ob er darin selbst wohnen würde? "Also ich hätte kein Problem damit." Zusätzlich soll es in Biberach einen großzügigen Aufenthaltsraum in Modulbauweise geben. "Das muss man sich wie ein Fertighaus vorstellen", schildert Schatz. "Ich glaube, das ist was ganz Nettes. Es ist nagelneu und passt in die Landschaft."

Immerhin werde kräftig investiert: Sechs Millionen Euro in Biberach, acht Millionen am Standort Lahr und neun Millionen in Wertheim. Was die Ausbilder für die 1800 Polizeibeamten angeht, die in diesem Jahr zusätzlich eingestellt werden, sieht Schatz die Polizei ebenfalls gut aufgestellt. "Natürlich brauchen wir Dozenten", räumt er ein. Für den Standort Herrenberg seien die zusätzlichen Stellen bereits ausgeschrieben.

"Das Personal für Wertheim haben wir auch", erklärt der Präsident. Das seien vor allem Polizeibeamte aus Heilbronn. "Es ist alles im grünen Bereich, das Personal in Herrenberg verschieben wir dann später nach Böblingen", beschreibt er die Logistik. Dass die Polizei mit einem Programm Pensionäre für die Ausbildung des Nachwuchses gewinnen wolle, habe damit zu tun, dass die Beamten, etwa aus Heilbronn, dort ebenfalls notwendig seien. "Wenn es uns gelingt, Pensionäre zu aktivieren, müssen wir nicht Beamte im aktiven Dienst beanspruchen", erklärt Schatz.

Am Campus der Hochschule in Schwenningen soll "langsam hochgefahren" werden, von 1000 auf 1700 Studierende. Das Studium von Polizeibeamten für den gehobenen Dienst wird auch in Zukunft nur in Schwenningen stattfinden. Polizeischüler für den mittleren Dienst werden den Standorten Biberach, Lahr, Wertheim, Herrenberg und Böblingen unterrichtet.