Villingen-Schwenningen

Kreis will das Treiben nicht dulden

von Felicitas Schück

Schwarzwald-Baar-Kreis - "Ein Herz für alle" prangt auf dem grasgrünen Container, der in Unterkirnach Am Wald dazu anregen soll, Altkleider und Schuhe einzuwerfen. Was dahinter steht, ist dreist und illegal.

Die Organisation muss mit einem Bußgeld vom Landratsamt als Ordnungsbehörde rechnen, denn sie hat ihre Sammlung nicht, so wie es eine Gesetzesvorschrift besagt, dem Abfallwirtschaftsamt "angezeigt". Überall im Kreisgebiet und in den Nachbarkreisen wurden die Container gesichtet. Zudem überwiegend ohne Genehmigung der Grundstückeigner aufgestellt, wirbt eine offenbar kommerzielle Organisation um Spenden.

Ein dem Wahrzeichen des Roten Kreuzes täuschend ähnliches Symbol erweckt den Anschein, dass es sich um eine gemeinnützige Organisation handelt, die anscheinend für einen guten Zweck sammelt. Auch der Container in Unterkirnach ist ohne Genehmigung der Gemeinde aufgestellt worden. Wer sich hinter der sammelnden Organisation verbirgt, das weiß Agnes Zinnapold, rechte Hand des Bürgermeisters im Rathaus in Unterkirnach, nicht.

Einnahmequelle ehrenamtlicher Arbeit könnte wegbrechen

Die Organisation ist kaum greifbar. Wer im Internet nach "Ein Herz für alle" sucht, findet nur Suchanfragen. Ähnliches wie in Unterkirnach ereignete sich in Furtwangen, wo das örtliche DRK fürchtet, dass eine Einnahmequelle ehrenamtlicher Arbeit wegbrechen könnte. Das ist allerdings laut dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz kein Grund, die gewerbliche Sammlung zu untersagen.

"Das Gesetz sieht keinen Schutz gemeinnütziger Sammler vor", weiß Andreas Paschke, Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsamtes. Grundsätzlich dürfen gewerbliche Altkleidersammlungen im Schwarzwald-Baar-Kreis stattfinden. Martin Fetscher, Leiter des Abfallwirtschaftsamtes im Kreis erklärt: "Wenn der Kreis als öffentlich-rechlicher Entsorger keine Sammlung durchführt, sind gewerbliche Sammlungen zulässig."

Allerdings müssen sie beim Kreis "angezeigt" werden. Und in letzter Zeit hätten viele Organisationen beim Abfallwirtschaft angezeigt, dass sie gewerblich Altkleider sammelten. In der Regel erhalten die Unternehmen dann eine vorläufige Genehmigung. Die Organisation "Ein Herz für alle" hat dem Amt allerdings nicht gemeldet, dass sie sammeln will. Mit ihrem Emblem ist sie Fletscher selbst schon aufgefallen. "Das Schweizer Kreuz ist irreführend", findet er.

Wenn die Sammlung nicht beim Landratsamt als zuständiger Behörde "angezeigt" wurde, kann dessen Bußgeldstelle ein Bußgeld verhängen. Tatsächlich hat "Ein Herz für alle" die Containersammlung nicht gemeldet und damit gegen das Gesetz verstoßen. "Wir wollen dieses Treiben nicht dulden", verspricht Andreas Paschke: "Wir werden versuchen, den Verantwortlichen zu ermitteln, da strengen wir uns an." Das Gesetz formuliert Kriterien, nach denen das Sammeln untersagt werden kann. Ein Grund wäre zum Beispiel, wenn die Kleidung "unsachgemäß entsorgt" würde.

Altkleider sind ein Markt, auf dem sich Geld machen lässt ."Natürlich sammeln die, um Geld zu verdienen", weiß Paschke: "Die geben das sofort weiter an den Großhandel." Die Kleidung wird an Second-Hand-Läden verkauft oder exportiert. "Das wird in verschiedene Absatzstufen sortiert", berichtet er. Weniger gute Kleidung wird nach Afrika oder in den Osten verkauft, Ausschussware zu Putzlappen verarbeitet. An gemeinnützige Organisationen würden beim Abfallwirtschaftsamt weniger strenge Kriterien angelegt als an gewerbliche. "Die Bürger sollten bevorzugt gemeinnützigen Organisationen Kleidung spenden", rät Andreas Paschke.

Das Motto "Ein Herz für alle" appelliert zusammen mit dem Kreuz ans Gefühl. "Das Motto wird vorgeschoben", sagt Paschke. Schon vor Jahren habe eine dreiste Organisation namens "Babynothilfe" es im Kreis mit einer ähnlichen Masche versucht. Und schon vor zwei Jahren tauchten plötzlich Container von "Ein Herz für alle" im Kreis auf, beispielsweise in Blumberg. Damals waren sie noch beigefarben.

"Manchmal sammeln auch Subunternehmer für Organisationen wie das Rote Kreuz", vermutet Harry Hurtz, Pressesprecher der Polizeidirektion VS. Im übrigen müsse jeder selbst wissen, wo er seine Altkleider entsorge. Ihm sei bekannt, das "Ein Herz für alle" auch an anderen Orten im Kreis Container aufgestellt habe, aber Beschwerden seien bei ihm nicht eingegangen.

Der DRK-Kreisverband in Villingen weist die Vermutung von sich, dass die Altkleidercontainer "Ein Herz für alle" in seinem Auftrag Kleider sammeln. "Wir haben in unserem Bereich keine Altkleidercontainer aufgestellt", so erklärt Wilfried Jacob. Die Container von anderen gemeinnützigen Organisationen, wie Arbeiterwohlfahrt und Malteser, seien an ihren Aufschriften erkennbar.

Die beiden in Unterkirnach aufgestellten Container sollten laut Anordnung der Gemeinde bis 15. Mai, entfernt werden. "Wenn nicht, dann lassen wir sie entsorgen", stellte Agnes Zinnapold klar. Gestern morgen standen die Altkleidercontainer allerdings noch.