Villingen-Schwenningen

Knallharte Klänge und sensitive Musik

von Siegfried Kouba

VS-Villingen. Das Festival "Jazzin’ the black forest" ist am Warmlaufen mit Luft nach oben. Am zweiten Abend im Theater am Ring traten zwei Bands mit unterschiedlichem Charakter auf. War am Eröffnungsabend im MPS ein Publikum mit gut gemischter Altersstruktur vertreten, so war die Ring-Vorstellung eher mit gereifteren Semestern besetzt, obwohl sich die Verantwortlichen gehörig ins Zeug legten, um gekonnten Jazz jüngeren Leuten zu bieten.

Locker wurden die Gäste durch Töni Schifer begrüßt. Er wies auf den vor zwei Jahren gegründeten Förderverein hin, der mit Jazzclub und Kulturamt kooperiert. Er warb um Neuzugänge und lud im Anschluss des Konzertes zum Treff im Jazzclub ein.

Recht unterschiedlich waren die Auftritte der Schweizer Band "Pilgrim" und der schwedischen Formation ­"Fire! Orchestra". Einerseits gab es knallharten Jazz, andererseits eher sensitive Musik, die durch zwei Sängerinnen gefördert wurde. Christoph ­Irniger (Tenorsax), Stefan ­Aeby (Piano), Dave Gister (Guitar), Raffaele Bossard (Bass) und Michi Stulz (Drums) stiegen mit full power ein. Alles lief durchtrainiert mit Themenvorgaben ab, die variiert durch die Instrumente gereicht wurden. Es war keine gemütliche Wandertour, sondern ein rasanter Pilgertrip, bei dem der Gitarrist ein breites Klangspektrum bot, der Pianist experimentell sich zwischen Klassik und Rock bewegte, der Bass gestrichen und "gepizzt" heiße Passagen bot und der Drummer cool, emotional zupackend sein Set bediente.

Quintett-Frontmann Christoph Irniger erklomm mit Überblasen ungeahnte Tonhöhen und rauschte gekonnt durch die Skalen. Insgesamt lotete das Quintett ein Spektrum von aggressiv bis kinderliedhaft aus.

Außergewöhnlich war die Besetzung des "Fire! Orchestra", das Bigband-Charakter hatte, aber durch Bassklarinetten und Kontrabass-Klarinetten eine besondere Note erhielt. Hinzu kam der Gesang der schwedischen Sängerin Sofia Jernberg mit äthiopischen Wurzeln, die afrikanisches Feeling einbrachte. Die Antipode Mariam Wallentin vertrat gesanglich eher die europäisch-nordische Hemisphäre. Beide ergänzten sich aufs Beste und betörten das Publikum.

Die dritte Besonderheit: zwei Geigerinnen, die modern-experimentelle Violinreize aussandten. Mit harten Pizzicati und gekonnten Arpeggien ließ Anna Lindal beim Intro erstaunen. Bewunderung verlangten die Klarinettisten, bei denen man sich fragte, wie kommen Bassinstrumente in derartige Oktavierungen. Mit pittoresken Farben agierte ferner die "gestopfte" Trompete.

Professionalität und musikalisches Empfinden mit mystischem Touch gingen in breiter, jazziger Gefühlspalette des Ensembles auf, klar geführt durch den Baritonsaxophonisten Mats Gustafsson.