Villingen-Schwenningen

"Kaffeehaus Villa": Eine Erfolgeschichte

von Alexander Kauffmann

Villingen-Schwenningen - Es gibt niemanden, den Klaus Fehrenbach nicht mit Vornamen anspricht. Mit ihm sind alle Gäste per Du. Er unterhält sich mit ihnen über den letzten Urlaub, über Karriere und macht Scherze über Geld und Steuern.

Bei einer Tasse Kaffee berät er zuweilen Menschen, die sich mit einem eigenen Gastronomiebetrieb selbstständig machen wollen. Wenn sie fragen, gibt er ihnen allen den gleichen Rat: "Egal was Du tust, mach was Du liebst!" Er hat eigens einen Leitfaden für Existenzgründer verfasst. – Keine Frage: Wer in der Gastrobranche sein eigenes Geschäft aufmachen will, findet in Klaus einen Experten – der auf das Du besteht.

Ein Kaffeehaus ausgerechnet in der Färberstraße

Ausgerechnet in der Färberstraße will er 2011 sein Café öffnen. Eine Zeit, in der sich das Viertel im Umbruch befindet. Der Straßenzug wird aufgehübscht, die Gehwege werden viel breiter und die Bordsteine niedriger. Eine Flaniermeile sollte die teils schmuddelige Kneipenecke einladender machen. Klaus erinnert sich: "Manche haben mir den Vogel gezeigt, als ich gesagt habe, dass ich in die Färberstraße gehe."­

Klaus bleibt eisern: Er eröffnet sein Café am 24. April 2011, als die Häuser von Gerüsten umhüllt sind, Baufahrzeuge und aufgerissene Straßen das Viertel eher für seine riesige Baustelle bekannt machen.

Klaus will von Anfang an etwas Besonderes erschaffen: "In manchen Cafés steht der Kuchen im Mittelpunkt, bei Eiscafés das Eis", erklärt er – und bei ihm sollte es der Kaffee sein. "Wir haben das klassische Café neu interpretiert." Die Gäste sitzen im Sommer auf der breiten Fensterbank und genießen die besondere Atmosphäre, für die auch ihr Gastgeber sorgt. Er kennt jeden. Er unterhält sich mit jedem. Er weiß, wie die Leute ihren Kaffee möchten. Aus gutem Grund: Es sei eine "Wertschätzung des Gastes", weil er sich ja auch die Mühe mache, extra in sein Café zu kommen. Er weiß genau, wer den "laktosefreien, entkoffeinierten Latte Macchiato" und den "Soja-Latte mit Vanille Flavour" trinkt.

Zwei Voraussetzungen für die Selbstständigkeit

Mit seinem neuen, für die Färberstraße damals innovativen Konzept, landet er einen Erfolg, der auch Kritiker verstummen lässt – und ihn zu einem begehrten Ratgeber in Sachen Neueröffnungen von Gastrobetrieben macht.

Für ihn ist ganz klar, was die Selbstständigkeit so attraktiv wirken lässt: "Die kreative Freiheit." Sein eigener Chef sein, seinen Ideen freien Lauf zu lassen und nebenbei Geld zu verdienen – doch so einfach sei es nicht.

"Jeder, der sich selbstständig machen will, sollte zwei Voraussetzungen" erfüllen, so hebt Klaus an. "Persönliche Eignung", das heißt für ihn: Mit Menschen umgehen zu können, eine hohe Sozialkompetenz zu haben. Das sei gerade in der Gastronomie wichtig. Und: "Fachliche Eignung", Speisen und Getränke müsse man aus dem Effeff kennen. Das beginne schon bei den Tassen: "Wo kann man ein bestimmtes Modell nachbestellen? Wie viel Milliliter fasst sie?" Und welchen Preis könnte man für den Kaffee verlangen?

Man muss wissen, worauf man sich da einlässt

Am schlimmsten sei es, wenn jemand nicht wisse, worauf er sich bei der Existenzgründung einlasse. Da müsse man sich mit ganz banalen Fragen auseinandersetzen. Zum Beispiel: "Wo bekommt man gelbe Säcke her?" Die müsse man bei einem Spezialunternehmen unter Angabe der Stückzahl und des Lieferdatums bestellen. Dann stelle sich die Frage: "Wo und wie lagert man den Müll?" Zudem müssten Firmengründer die baulichen Vorschriften kennen: Dass etwa die Dunstabzugshaube durch das Dach nach außen gehen oder dass die Küche gefliest sein müsse vom Boden bis zur Decke.

Klaus weiß aber aus seinem Job: "Wenn man’s wirklich liebt, dann schafft man’s." Außerdem: "Das Problem ist, dass viele nur aufs Geld schauen und womit man schnell am meisten verdient. Aber es kommt auf das an, was man liebt." Damit es Neulinge leichter haben, hat er einen Leitfaden geschrieben. Da steht zum Beispiel, was es mit den gelben Säcken auf sich hat.