Villingen-Schwenningen

"Jetzt sind wir endlich angekommen"

von Mareike Kratt

Vor rund einem Jahr hat Christian Krause nach dem überraschenden Rücktritt von Thomas Nagel die Leitung der Schwenninger Feuerwehrabteilung übernommen. Keine leichte, aber auch keine unmögliche Aufgabe, wie der Kommandant mittlerweile findet.

VS-Schwenningen. Mit dem neuen Gesamtkommandanten Ben Bockemühl, der Anfang des Monats seinen Dienst in VS angetreten hat (wir berichteten), ist der Schwenninger Abteilungsleiter Christian Krause schon längst per Du. Kein Wunder, sind doch beide Feuerwehrmänner im selben Gebäude an der Silcherstraße beheimatet: Bockemühl im Verwaltungstrakt des Altbaus, Krause im Ehrenamtsbereich. Er sei bei den Vorstellungsgesprächen des neuen Gesamtkommandanten stets dabei gewesen, erzählt Krause, Bockemühl passe menschlich sehr gut in die Feuerwehr VS.

Nicht nur im vergangenen Monat, auch im gesamten zurückliegenden Jahr hat sich für Krause viel verändert, ist er doch durch den Rücktritt des ehemaligen Abteilungschefs Thomas Nagel im März 2016 vom Stellvertreter zum Abteilungsleiter gewählt worden. Das Erbe, das er angetreten hatte: mehr Arbeit, mehr Verantwortung, eine noch nicht fertige Feuerwache sowie eine intern zerstrittene Feuerwehrabteilung.

Fokus auf Zusammenarbeit

Warum tut sich ein Ehrenamtlicher mit Vollzeitjob und Familie so etwas an? "Ich mache es gern, es ist meine Leidenschaft", sagt Krause und erzählt, dass er durch seine Eltern in der Feuerwehr aufgewachsen und 1982 Gründungsmitglied der Schwenninger Jugendfeuerwehr gewesen sei.

Überwachen der Übungsdienste und Alarm-Ausrückordnung, Koordination der Ausbildungen oder Verwalten des Schriftverkehrs: Viel zu tun gibt es für den Wahl-Niedereschacher stets. Dabei ist ihm die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten besonders wichtig, unter anderem mit der Verwaltung oder dem Abteilungsausschuss. Wichtige Entscheidungen müssten abgesprochen werden. "Ich habe gemerkt, dass es viel bringt, das direkte Gespräch zu suchen", sagt der Abteilungsleiter. So auch bei den Mängeln rund um das neue Gerätehaus, unter anderem bei der Elektrik und Haustechnik. Das Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau habe ein offenes Ohr gehabt. Nach und nach könnten jetzt die restlichen Mängel beseitigt werden. "Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine vernünftige Lösung finden."

Auch die Raritäten aus dem einstigen Feuerwehrmuseum in der Bildackerstraße sollen einen adäquaten Platz an der Silcherstraße finden, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Derzeit sei noch alles in Kisten verpackt – bis auf einen alten Feuerwehrtaucher, der im Treppenhaus ausgestellt ist. Darauf sei die Abteilung besonders stolz.

Teamgeist verbessert

Und was ist mit den Differenzen, die sich zwischen den Einsatzkräften in der Vergangenheit immer wieder bemerkbar machten? "Wir haben sehr viel gemacht für die Kameradschaft", betont Krause sofort und erinnert sich an gemeinsame Fußball-EM-Abende, das Familienfrühstück, die Besenwirtschaft zur Fasnet oder den Tag der offenen Tür.

Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung habe er erstmals das Gefühl gehabt, dass der Zusammenhalt wieder da gewesen sei, "so wie er früher war." Fast jeden Abend herrsche im Gerätehaus reges Leben, die Mitglieder träfen sich sogar am Wochenende zum gemeinsamen Fernsehen. Einzig am Verhältnis zu den hauptamtlichen Gerätewarten müsse noch gearbeitet werden.

Doch nicht nur Teamgeist zeige sich in der Abteilung, sondern auch großes Engagement. "Hut ab, ich bin wirklich zufrieden mit der Mannschaft", sagt Krause. 92 Prozent der Einsätze seien erfüllt worden. Sieben neue Mitglieder seien im vergangenen Jahr hinzugekommen, 95 Aktive zähle die Abteilung mittlerweile, 27 die Jugendfeuerwehr. Von Nachwuchs- und Mitgliedersorgen also keine Spur, wie der Abteilungsleiter findet, denn: "Es ist ein spannendes Hobby, fast jeder Einsatz ist anders."

Und was wünscht sich Krause für die Zukunft? "Dass die Motivation weiterhin so bleibt wie jetzt."­ Und das soll sich auch in der Jahreshauptübung sowie in der Einsatzübung, die in diesem Jahr noch ausstehen, zeigen. Ziel sei immer, den bisherigen Standard zu halten oder zu verbessern. Dass es zwischendurch auch einmal Unstimmigkeiten geben wird, das ist dem Abteilungskommandanten bewusst. "Dafür sind wir Menschen."

Optimistischer Ausblick

Bedauert Krause den Umzug aus dem alterwürdigen Gerätehaus an der Bildackerstraße? Das alte Gebäude besitze einen unvergleichbaren Charme, trotzdem sei der Umzug in ein größeres Haus unumgänglich gewesen, meint er, als er im neuen Wachzimmer ein Modell des alten Gebäudes zeigt, das in den Tisch eingelassen wurde.

Es habe einige Zeit gebraucht, bis sich alles eingespielt habe. "Jetzt sind wir endlich angekommen. Es ist unser neues Zuhause."