Villingen-Schwenningen

Jägerinnen lassen sich mehr Zeit als Männer

von Schwarzwälder Bote

Schwarzwald-Baar-Kreis. Dunja Zimmermann ist zur neuen Kreisjägermeisterin gewählt worden. Die 50-Jährige Verwaltungsfachangestellte aus VS-Tannheim hatte sich in der Versammlung spontan bereit erklärt, zu kandidieren und ist eine von fünf Kreisjägermeisterinnen im Land. Im Interview zusammen mit ihrem Stellvertreter Markus Dörle spricht sie über ihre neue Aufgabe.

Welche Resonanz haben Sie auf Ihre Wahl bekommen?

Dunja Zimmermann: Eine durchweg positive. Ich war sehr überrascht, weil ich meine Entscheidung, zu kandidieren, sehr spontan getroffen hatte. Viele Jäger boten sich an, mir zu helfen.

Gab es Herren, die nicht einverstanden waren, dass eine Frau die Jägervereinigung führt?

Dunja Zimmermann: Im Gegenteil. Gerade die älteren Herren unterstützen mich.

Sie haben zwei Töchter. Wollen die beiden auch den Jagdschein machen?

Dunja Zimmermann: Meine Töchter gehen mit in den Wald und wir beobachten Tiere. Sie essen auch Wild. Aber sie haben keine Ambitionen, den Jagdschein zu machen. Markus Dörle: Das Bild des Jägers ist in der Öffentlichkeit falsch dargestellt und entspricht nicht dem heutigen Bild. Meine Töchter wollen den Jagdschein machen. Natürlich ist es schön, in der Natur unterwegs zu sein und Rehe oder Hasen zu beobachten. Die Jagd ist nur ein kleiner Teil der Aufgabe. Jagd bedeutet partnerschaftlich mit Forst und Landwirtschaft eine nachhaltige Bewirtschaftung unseres Wildbestandes.

Haben Ihre Töchter Kuscheltiere, Herr Dörle?

Markus Dörle: Ja. Zwei Hasen. Dunja Zimmermann: Der Kuscheltierfaktor ist zwar nett, aber auch ein Kalb ist im Prinzip ein Kuscheltier und wird irgendwann geschlachtet. Es sind gesunde und glückliche Tiere im Wald und es ist gesünderes Fleisch als das im Supermarkt.

Wie sind Sie zur Jagd gekommen, Frau Zimmermann?

Dunja Zimmermann: Ich komme nicht aus einer Jägerfamilie. Eigentlich war es mein Jagdhund und die hierdurch entstandenen Kontakte, die mich dazu inspirierten, den Jagdschein zu machen. Ich jage seit zirka zehn Jahren.

Wie macht man den Jagdschein?

Dunja Zimmermann: Meine Ausbildung begann im September und dauerte zirka sieben Monate. Im März war ich dann fertig. Markus Dörle: Für das grüne Abitur muss man schon lernen. Jäger sein heißt, Verantwortung tragen. Deshalb ist eine umfassende und fundierte Ausbildung notwendig: Erst nach einem entsprechenden Vorbereitungskurs und dem Ablegen einer staatlichen Prüfung kann der erste Jagdschein erlangt werden. Dabei müssen theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten unter anderem in folgenden Fachgebieten nachgewiesen werden: Wildbiologie Wildbrethygiene Jagd- und Naturschutzrecht Jagdhundewesen, Hundeführung und -ausbildung Jagdwaffenkunde und -handhabung, ausreichende Fertigkeit im jagdlichen Schießen. Der Schein kostet für LJV-Mitglieder 2250 Euro für Nichtmitglieder 2875 Euro zuzüglich Material. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Schein zu machen, zum Beispiel in der Landesjagdschule auf dem Dornsberg, in Schonach, in Aixheim und vielen anderen.

Sie sind eine von fünf Kreisjägermeisterinnen in Baden-Württemberg. Tauschen Sie sich mit den Kolleginnen aus?

Dunja Zimmermann: Ich kenne nicht alle anderen Kreisjägermeisterinnen persönlich – aber wir tauschen uns trotzdem selbstverständlich untereinander aus. Wir haben ein Jägerinnenforum. Dort sind nur Frauen zugelassen. Männer dürfen nicht hinein. In diesem Jägerinnenforum sind zirka 900 Jägerinnen in aus Baden-Württemberg Mitglied.

Um welche Themen geht es?

Dunja Zimmermann: Es geht zum Beispiel um Fragen wie: "Welche Änderungen gibt es im Bereich der Wildbrethygiene?" Weitere Angebote sind zum Beispiel auch "der Sägeschein" (wichtig für den Umgang mit der Motorsäge im Wald), Schießtraining und auch der richtige Umgang mit der Waffe. Als Frau geht man anders damit um. Und in der Adventszeit treffen wir uns, um gemeinsam Adventsgestecke zu basteln. Markus Dörle: Die Industrie hat inzwischen gute Waffen nur für Frauen. Auch die Outdoorkleidung ist adäquat. Nicht nur die klassischen Lodenmäntel, sondern auch die Farbe Orange als Signalfarbe.

Wie präsent sind die Frauen im Vorstand der Kreisjägervereinigung?

Dunja Zimmermann: Wir Frauen sind sehr präsent. Wir haben eine Schatzmeisterin und eine Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Jagdhornbläsergruppen in den jeweiligen Hegeringen werden durch Frauen massiv verstärkt. Ich selbst bin Jagdhornbläserin. Insgesamt sind es zehn elf Jagdhornbläser im Hegering Villingen, davon sind es derzeit drei Frauen. Zirka zehn Prozent der Mitglieder in der Kreisjägervereinigung sind nach meiner Schätzung Frauen.

Jagen Frauen anders?

Dunja Zimmermann: Ich schaue und lasse mir Zeit, bevor ich abdrücke. Männer sind vielleicht risikofreudiger. Wichtig ist ein sauberer Schuss, um unnötiges Leiden zu verhindern.

Wie stehen Sie zur Fuchsjagd?

Dunja Zimmermann: Der Fuchs hat hier keinen natürlichen Feind. Wenn also der Fuchs nicht bejagt wird, entstehen große Populationen und der Druck auf der Suche nach Nahrung wird sehr groß Neue Reviere werden dann gesucht – auch in den Städten. Für die Verwertung des Fuchses hat der Landesjagdverband eine Initiative gegründet, dass damit die Pelze wieder vermarktet werden können. Es gibt einen modischen Markt dafür.

Was sagen Sie zum Wolf, der in Baden-Württemberg anscheinend wieder sesshaft geworden ist? Sollte man Wölfe Ihrer Meinung nach jagen dürfen?

Dunja Zimmermann: Der Wolf hat nach EU-Recht einen rechtlichen Schutzstatus. Er gehört in unseren Lebensraum. Es stellt sich aber die Frage, ob der Wolf genug Lebensraum zur Verfügung hat. Als Jägerin sehe ich mich als Partner der Landwirtschaft. Ich bin dafür, dass der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen wird, um Problemwölfe entnehmen zu können oder aber den Bestand anzupassen und zu regulieren. Der Wolf ist ein erhabenes und schönes Tier, aber man darf ihn nicht unterschätzen. Normalerweise lässt sich der Wolf dort nieder, wo es Rotwild gibt. Wölfe legen große Strecken zurück.

Was sagen Sie zum Thema Wildschweine?

Dunja Zimmermann: Wir denken, der Klimawandel hat einen großen Anteil daran, dass die Wildschweine sich so vermehrt haben. Es gibt genug Futter. Die Schäden durch Wildschweine sind verheerend.

Was möchten Sie an der Jagd verändern?

Dunja Zimmermann: An der Jagd möchte ich nichts verändern. Aber unser Vereinsleben möchte ich verändern und Jagdhornbläsern und Jagdhunden beispielsweise mehr Raum geben.

Wie kann man Mitglied werden?

Dunja Zimmermann: Informationen findet man auf unserer Homepage: www.jaeger-sbk.de. Jäger und Nichtjäger sind willkommen. Wir betreiben Umweltschutz, gehen gemeinsam in den Wald und versuchen über die Initiative der Jäger "Lernort Natur" Menschen nachhaltig für unsere Umwelt zu sensibilisieren. Wir sind gerne Ansprechpartner für Kindergärten und Schulen um Waldtage entsprechend dem Lernziel mitzugestalten.  Die Fragen stellte Felicitas Schück.

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