Villingen-Schwenningen

Inferno: Kein Notfallplan fürs Münster

von Natascha Kübler und Eva-Maria Huber

Was, wenn das Villinger Münster brennen würde? Die Flammen-Katastrophe von Notre-Dame in Paris wirft diese Frage auf. Einen Notfallplan für das Villinger Münster gibt es bislang jedoch nicht.

VS-Villingen. Wie sieht es mit dem Brandschutz im Villinger Münster aus? Es habe Begehungen im Münster gegeben, und die Feuerwehr habe im Münster auch schon Übungen gemacht, erklärte Feuerwehrkommandant Ralf Hofmann aus VS. Im Falle eines Brandes würden die gesamten Abteilungen der Doppelstadt alarmiert. Unter Umständen auch die Einsatzkräfte aus St. Georgen und Bad Dürrheim, um weitere Drehleitern nutzen zu können. Ansonsten werde im Falle des Falles so vorgegangen, wie bei anderen Einsätzen auch: Sicherstellen, dass keine Personen mehr im Gebäude sind, eine Brandausbreitung verhindern, die "Sachwerte" so gut es geht schützen.

Dass die Kirchtürme des Münsters bei einem Brand einstürzen würden, hält Hofmann für unwahrscheinlich. Seiner Einschätzung nach würden bei einem großen Brand jedoch das Dach sowie die Glocken herunterkommen. Die eigentliche Herausforderung liege bei einem Brand des Münsters in der Beschaffenheit: "Das ist alles Holz, die ganzen Bretter und Balken." Da würde ein Feuer ähnlich verheerende Ausmaße annehmen, wie in Notre-Dame, ist sich der Kommandant sicher.

Hinzu kommt, dass die Kirchen der Doppelstadt alle keine Brandmelder haben, genauso wenig wie Sprinkleranlagen. "Das ist nie nachgerüstet worden", sagt Hofmann. Er fände es sinnvoll, einen Notfallplan für das Münster und andere Gebäude wie das Franziskaner Museum oder das alte Rathaus auszuarbeiten. Diese Gebäude seien schließlich alle schützenswert. Eine Nachrüstung mit Sprinklern hält Hofmann indes für unwahrscheinlich. Das würde nämlich "richtig Geld kosten".

Wie reagierte der Villinger Münster-Messner Andreas Turner auf die schockierenden Bilder aus Paris? Sein erster Gedanke bei dem Anblick der brennenden Kathedrale Notre Dame: "Ich war schockiert, erschüttert." Und gleichzeitig kann er auch nicht nachvollziehen, dass in "Zeiten hochtechnischer Überwachung" noch immer Kirchen brennen.

Kerzen ein Dorn im Auge

Doch gleichzeitig kam ihm auch ein anderer Gedanke: "Hoffentlich passiert so etwas nie in einer unserer Kirchen." Noch stark präsent sind die Erinnerungen an den Großbrand im Münsterzentrum in der Silvesternacht, als 2009 der Dachstuhl ausbrannte. Nach den Bildern aus Paris denkt Turner nun noch öfters daran, dass es im Villinger Münster noch keine Brande­meldeanlage gebe. Brandschutz oder Vorsorge, das bedeutet in einem der Villinger Wahrzeichen noch, dass der langjährige Messner sich selbst jeden Abend zu einem Kontrollgang durch das Gotteshaus aufmacht. Und dies aus gutem Grund: Immer wieder entdeckt er auch an verborgenen Plätzen brennende Kerzen, die dort nicht hingehören. Das beste Beispiel in der Kirche: der Raum um die St. Antonius-Statue, Sockel und Heiligenfigur sind aus Holz. Andreas Turner muss regelmäßig brennende Kerzen löschen und wegbringen, "obwohl diese hier nicht vorgesehen sind. Und das passiert fast jeden Abend", erzählt er von seinem Alltag.

Bleibt Andreas Turner nur der allgemeine Appell an die Kirchenbesucher zu mehr Vorsicht und Augenmerk, auch im Umgang mit Kerzen. "Bis jetzt sind wir hier ja glimpflich davon gekommen", sinniert er. Doch mit Blick auf die zerstörte Notre Dame hegt er auch Hoffnung, dass das Thema Brandschutz doch wieder in den Fokus rückt.