Villingen-Schwenningen

Für das ’s Rössle wird’s langsam ernst

von Mareike Kratt

VS-Schwenningen - Mit Spannung wird die nächste Sitzungsrunde des Gemeinderats erwartet, werden dann doch die Weichen für den ’s Rössle-Neubau gestellt. Und damit entscheidet sich auch die Zukunft der Bibliothek.

Wie die Pressestelle der Stadtverwaltung bestätigt, wird die Vorlage zum Bebauungsplan rund um das ehemalige ’s Rössle am Dienstag, 16. Mai, im Technischen Ausschuss und eine Woche später im Gemeinderat diskutiert.

Im vergangenen Herbst hatte die HBB Hamburger Beteiligungsgesellschaft das Gebäudeensemble erworben. Sie möchte das ehemalige ’s Rössle abreißen und mit dem "Forum Schwenningen" ein neues Einkaufszentrum errichten. "Das Gutachten für den Bebauungsplan ist in Vorarbeit", berichtet HBB-Geschäftsführer Harald Ortner.

Im Inneren des neuen Centers sollen auf rund 15 000 Quadratmeter Verkaufsfläche 50 Fachmärkte, Shops und Gastronomie Platz finden sowie ein Lebensmittelmarkt angesiedelt werden. In Bezug darauf hatte Stadtrat Ernst Reiser in der Gemeinderatssitzung Anfang April berichtet, HBB sei fleißig auf Mietersuche und würde bereits im City Rondell "wildern". "Dass wir vor Ort auf Mietersuche sind, ist Quatsch", entgegnet Ortner sofort. Vermietet werde stets von Groß nach Klein, die Gesellschaft sei in Gesprächen mit unterschiedlichen Betreibern und Ankerbetrieben.

Das Hauptaugenmerk der Gemeinderäte wird jedoch zunächst vielmehr auf der Stadtbibliothek liegen. Geht es nach den Plänen der HBB – und auch die Verwaltung favorisiert sie –, soll sie an ihrem jetzigen Standort abgerissen und ins Forum integriert werden. Als Paradebeispiel dafür gilt das ebenso von der HBB errichtete Forum Hanau. Das hatten die Verwaltung und Stadträte im vergangenen Herbst besichtigt.

Villinger Bibliothek könnte zum Knackpunkt werden

Für die Bibliothekspläne habe die HBB einiges erarbeitet und eingeliefert, berichtet der Geschäftsführer weiter. Man sei in ständiger Abstimmung mit der Stadt VS. "Wir hoffen, dass die Pläne entsprechend zu Ende gebracht werden können", sagt Ortner im Hinblick auf die anstehende Entscheidung der Stadträte.

Denn: Auch wenn sich die Exkursionsgäste im Herbst sichtlich angetan von der anvisierten Integration der Bibliothek ins Forum gezeigt hatten, wurden in der Vergangenheit immer wieder Stimmen für den Erhalt des jetzigen Standorts laut. Entscheidender Knackpunkt könnte zudem die Frage um die Zukunft der Villinger Bibliothek sein: Ähnlich wie in den Muslen ist der zweite Standort am Münsterplatz stark überholungsbedürftig. So hatte mitunter Bibliotheksleiter Volker Fritz beim Hanauer Forumsbesuch deutlich gemacht, dass bei einem Neubau in Schwenningen auch das Villinger Pendant eine entsprechende Aufwertung erfahren müsse.

OB Rupert Kubon hingegen hatte dem Bibliotheksleiter gleich jegliche Illusionen genommen: In seiner Neujahrsansprache hatte er von einem "attraktiven und offenen Bildungszentrum" für Schwenningen gesprochen, und wenig später im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten: So etwas könne die Stadt nicht auch noch für Villingen machen. Bis zur anstehenden Sitzung wolle die Verwaltung jedoch keine weiteren Auskünfte geben, um die Entscheidung der Gemeinderäte nicht zu beeinflussen, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit.

Werden sich also die Gemeinderats-Geister an der Zukunft der Villinger und somit auch der Schwenninger Bibliothek scheiden? Die HBB könne sich zwar einen Einkaufscenter-Neubau auch ohne die Bibliothek vorstellen. Doch, so macht Harald Ortner deutlich, sei die Integration und somit der Abriss des Bestandsgebäudes für die Anbindung und den Schulterschluss mit den übrigen Geschäfte die eindeutig bessere Lösung.

Eröffnung ist zum Weihnachtsgeschäft 2020 anvisiert

Für einen konkreten Zeitplan sei es noch zu früh, sagt der Geschäftsführer. Im Sommer 2018 könne womöglich mit dem Bau – die Bauzeit soll rund zwei Jahre betragen – begonnen werden. "Dann können wir 2020 mit dem Weihnachtsgeschäft starten."

Unabhängig von der Entscheidung der Stadträte: Die ersten Monate als Eigentümer des ’s Rössle-Gebäudes sind für die HBB schon mal positiv verlaufen, lässt Ortner durchblicken: "Wir fühlen uns in der Stadt gut aufgehoben und hoffen, dass wir gemeinsam etwas Schönes hinbekommen."