Villingen-Schwenningen

Forstamt sagt dem Borkenkäfer den Kampf an

von Eva-Maria Huber

Villingen-Schwenningen - Kaum sechs Millimeter groß, trägt er schwarz-braun und fährt auf Fichten ab. Roland Brauner liebt Nadelwälder auch. Doch Freunde fürs Leben werden die beiden nie. Der stellvertretende Leiter des Forstamtes und sein Team haben der gefräßigen Borkenkäferfamilie den Kampf angesagt. 2019 soll kein Drama-Jahr für die Förster werden.

Wie entdecken erfahrene Forstleute in einem sechstausend Hektar großen Stadtwald befallene Bäume? Die sechs städtischen Revierleiterkollegen bekommen fast Genickstarre, Sie suchen die Fichtenkronen zunächst nach rötlichen Verfärbungen ab, denn auf Fichten haben es Buchdrucker und Kupferstecher abgesehen. Verliert der Baum Rinde, sind Bohrlöcher und parallel dazu Harzspuren zu sehen, sammelt sich braunes Mehl am Stamm, "dann ist der Buchdrucker am Werk". Buchdrucker, Kupferstecher stammen zwar alle aus der gleichen Familie der Borkenkäfer, sie nehmen sich jedoch unterschiedliche Bäume vor: Der Buchdrucker, "die im besten Alter", sein nächster Verwandter packt sich eher die jüngeren Exemplare oder die Gipfel der Bäume.

Bedingte Entwarnung

Wird das Jahr 2018 ein Jahr für dramatische Szenarien? Was die nackten Zahlen angeht, gibt Roland Brauner (bedingt) Entwarnung. Sicherlich bohren sich Buchdrucker und Co. durch 3000 Festmeter Holz, rechnet man knapp 14.000 Festmeter Sturmholz dazu, komme man schnell auf einen Betrag, der nicht unbedeutend sei. Gut 1. 000 Festmeter Holz bedeuten an die 30 Prozent des festgesetzten Gesamteinschlags im Forst, der bei jährlich 55 000 Festmetern liegt. Ein Blick auf markierte Bäume und Kreuze auf dem Stamm zeigt: Da wird noch einiges bis zum Einbruch des Winters fallen. Wie zum Beweis dröhnt in der Nähe der Motor einer Säge.

Brauner und seine Kollegen setzen hinter das bald abgelaufene Forstjahr ein Ausrufezeichen. Der Sturm im Frühjahr war "extremer als gedacht", die lange Hitzeperiode hat die Bäume zusätzlich geschwächt, so die Bilanz. Ein idealer Nährboden für den Käfer, der über das Aussenden von Signalen in kürzester Zeit Massen von Kollegen mobilisieren kann, die sich über die Bäume hermachen. "Das wichtigste ist es deshalb, Käfer-Monitoring zu betreiben, befallene Bäume schnell aufzuspüren, sie zu fällen und aus dem Wald zu schaffen." Schnell, das heißt, innerhalb weniger Tage. "Ansonsten wandern die Tiere von einem Baum zum andern", erläutert Brauner, "und zerstören die Leitbahnen der Bäume", Wasser- und Nährstoff-Zufluss werden unterbrochen.

Privatwald im Blick

Eine Horrorvorstellung, die an eine Facebookparty erinnert: Einer lädt ein und Massen kommen. Sobald sich der Käfer am Stamm zu schaffen macht und der Baum gefällt wird, muss auch hier schnell gehandelt und das Holz weiter verarbeitet werden, "ansonsten sinkt die Qualität und damit auch der Preis" in einem ohnehin recht angespannten Markt. "Denn nicht nur das Forstamt VS hat die Probleme." Gut für Brauner und seinen Chef Tobias Kühn dass "wir eigene Waldarbeiter haben und damit schnell reagieren können.. "Und Unternehmen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten." Hier setze man auf langjährige Kundenbeziehungen, die dafür sorgen, dass auch in schwierigen Zeiten das Holz rasch aus dem Wald ins Werk verbracht werden könne.

Die Unbekannte dabei: Die Besitzer von Privatwald. Wenn Bäume betroffen sind und die Besitzer nicht oder verspätet reagieren, "dann ist Gefahr in Verzug", verweist Brauner auf deren Verantwortung. Immer wieder entdeckt er, von den Revierleitern markierte Bäume, die nicht erst seit einer Woche abgestempelt herumstehen. Da bleibt ihm nur, erneut zu bekräftigen: "Wir beraten und betreuen gerne." Das Forstamt werde dabei zum Amt (Untere Forstbehörde) und versuche, durch Briefe oder Hinweise an die Eigentümer, den Schaden für Dritte so gering wie möglich werden zu lassen.

Während der kleinen Tour durchs Unterholz spricht Roland Brauner wiederholt das aus, was jetzt vor dem Winter am Wichtigsten ist: Die schnelle Reaktion. "Es ist ein Rennen gegen die Zeit", sinniert er, die meisten der befallenen Bäume zu entdecken, diese zu zu schlagen und abzutransportieren. "Ansonsten könnten wir 2019 ein Problemjahr bekommen", immerhin habe es der Forst mit drei Käferpopulationen (statt der üblichen zwei) zu tun. Anders als andere Kommunen kommt VS meistens ohne den Einsatz von Pestiziden gegen die Käfermassen aus. Um Pestizide zu vermeiden, unterhält der städtische Forst ein Nasslager im Wieselsbachtal, wo das Holz bis zur Verarbeitung zwischengelagert werden kann.

Ausgetrickste Krabbler

Brauner passiert ein sternförmiges schwarzes Gebilde, das an einem der Waldwege steht. Er zeigt auf zwei kleine Fläschchen, "das sind die Lockstoffe für Buchdrucker und Kupferstecher". Der Forstingenieur zeigt auf eine längliche Schale, in der sich einige Käfer gesammelt haben. Das umgehende Reagieren der VS-Forstleute ist das eine, das andere Roland Brauners frommer Wunsch: Im Gegensatz zu vielen anderen VS’lern hofft er auf einen "langen, strengen Winter".