Villingen-Schwenningen

Fitter werden mit Klimmzügen und Co.

von Tatsiana Zelenjuk

Ein Handtuch, ein Paar Handschuhe, etwas zum Trinken und ein bisschen Motivation – viel mehr braucht man nicht, um in einem Street Workout Park an seiner Fitness zu arbeiten, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Seit drei Jahren ist es auch in Villingen möglich. Damals ist direkt am Jugendhaus "Chilly" in der Wöschhalde eine Art Fitnessstudio im Freien entstanden, die Jugendlichen selbst haben kräftig mit angepackt.

Seitdem ist so gut wie jeden Abend etwas los im Outdoor Gym. Das Angebot ist offen und kostenlos, und die "Stammgäste" schwärmen von der tollen Atmosphäre und Stimmung bei gemeinsamen Workouts im Freien.

Der 31-jährige Michael aus Villingen ist am längsten dabei. "Ich habe damals, kurz nach der Eröffnung des Parks, von einem Kollegen davon gehört und wollte das gleich ausprobieren", erinnert er sich. Der Sportpark im Grünen hat ihn sofort überzeugt: "Obwohl ich noch einen Vertrag im Fitnessstudio hatte, habe ich gleich angefangen, hier zu trainieren." Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: "Man ist an der frischen Luft, man muss nichts dafür bezahlen, und die Atmosphäre stimmt." Der Villinger findet, dass das Training im Street Workout Park eine gute Alternative zum Fitnessstudio ist: "Hier kann man seine sportlichen Ziele super erreichen."

Dieser urbane Sport kommt ursprünglich aus den USA und heißt Calisthenics. Das Prinzip ist einfach: An Stangen, Barren und Balken trainiert man fast ausschließlich mit seinem eigenen Körpergewicht. Klimmzüge, Dips und Liegestützen gehören dabei zum Standard-Repertoire. Die Workouts sind aber definitiv nichts für Warmduscher: Um dranzubleiben, regelmäßig zu kommen und seine Leistungen zu steigern, muss man eine gute Portion Motivation und starken Willen mitbringen.

"Wenn man neu dabei ist, unterstützen die anderen einen sehr", weiß der 20-jährige Pascal aus VS-Tannheim. "Die Leute, die schon lange trainieren, zeigen gern die Grundübungen. Ich finde, hier sind die Menschen viel offener als im normalen Fitnessstudio." Die meisten Anfänger informieren sich vor ihrem ersten Training im Calisthenics-Park auf Youtube, und mittlerweile gibt es sogar spezielle Apps für die Outdoor-Freizeitsportler.

Dimi aus Mühlhausen erzählt, dass er mindestens jeden zweiten Tag trainiert – ungefähr eine halbe Stunde. Mit Klimmzügen, Liegestützen und Dips hält er sich fit. "Ab 17.30 Uhr ist hier eigentlich immer jemand zum Trainieren da", weiß auch der 23-jährige Alex aus Villingen. "Nur bei Schnee, Hagel oder Sturm wird es schwierig", sagt er schmunzelnd.

Michael verrät, er habe auch schon bei minus 17 Grad trainiert. "Echt jetzt?" fragen die anderen ungläubig. "Drei Pullis hatte ich beim Training an. Doch, das geht schon. Im Winter trainiert man sogar regelmäßiger und fleißiger als im Sommer."

Dass man sich beim Workout im Freien verletzen kann, hält der 31-Jährige für unwahrscheinlich: "Der Park ist richtig gut und mit dem Kies unten auch sehr sicher." Vor der Eröffnung wurden alle Geräte vom TÜV geprüft – und bis heute sind sie gut in Schuss. Die Location lockt Sportbegeisterte auch aus der Umgebung, wissen die "Stammgäste".

20 bis 40 Jahre alt sind die meisten Outdoor-Sportler, aber auch ältere Herren kommen ab und zu zum Training. Frauen dagegen sind hier seltene Gäste. "Bis jetzt habe ich nur eine Frau im Street Workout Park gesehen", erinnert sich Alex.

"Hier kann man den ganzen Körper trainieren, aber auch gezielte Übungen für den Rücken, für die Brust oder für die Beine sind möglich", erklärt Michael das Prinzip. Als "Park-Ältester" hat er auch den Schlüssel von der großen Plastik-Box immer dabei, die auf dem Gelände des Street Workout Parks steht: Dort werden unter anderem Gewichte und Bänder aufbewahrt. "Diese Bänder sind eine gute Hilfe für die Anfänger, die die Übungen aus eigener Kraft noch nicht schaffen", sagt Michael. Ansonsten sei es für die Calisthenics-Neulinge wichtig, Mut zu haben und Sachen auszuprobieren, meint er. "Zwei bis drei Trainings pro Woche sind für den Anfang ausreichend." Und: "Man sieht eigentlich sofort, ob es einem liegt. Wenn ja, dann ist es wichtig, dranzubleiben", sagt der 31-Jährige.

Dann geht er wieder zu den Geräten. Für Michael und rund zehn andere Freizeitathleten, die hier regelmäßig trainieren, gehört der Besuch im Street Workout Park inzwischen zur Routine. Und trotzdem ist es jedes Mal ein besonderes, ein etwas anderes Sporterlebnis, wenn aus der Musikbox die rhythmische Workout-Playlist ertönt, die Sonne scheint, und jeder in seinem Tempo an der Kraft, der Ausdauer und der Beweglichkeit arbeitet –­ so macht der Straßensport auch wirklich Spaß.