Villingen-Schwenningen

Einen Funken Glaube weitergeben

von Beate Müller

Für viele junge Leute ist Glaube und Kirche nicht mehr zeitgemäß. Nicht so für Stefan und Jennifer König sowie Florian ­Schofer. Die Mittzwanziger sind gläubige Katholiken und möchten mit ihrem Organisationsteam beim 4. Nightfever am Samstag, 9. Dezember, den Funken des Glaubens an andere weitergeben.

VS-Villingen. Mit einer Kerze wollen die jungen Erwachsenen Passanten in das Münster einladen, beim Nightfever- Abend ein paar besinnliche Stunden zu erleben. "Jeder kann kommen und gehen, wann er will, wie er Zeit und Lust hat", meint Florian Schofer. Diese Ungezwungenheit mache den Erfolg des Nightfevers aus. "Wir öffnen einfach die Kirchentür. Jeder darf dann Gott erleben, wie er möchte."

Ein striktes Programm gebe es bei diesem offenen Gebetsabend nicht. Nach dem Gottesdienst, der um 18.30 Uhr beginnt, werden die Lichter im Münster gelöscht. Kerzen erhellen dann das Kirchenschiff. Es besteht die Möglichkeit zu Beten, Gespräche mit einem Priester zu führen, zu beichten oder Fürbitten auf einen Zettel zu schreiben. Den ganzen Abend über spielt Musik. Das Ende ist gegen 22 Uhr geplant.

Die zwanglose Atmosphäre ist es, die den Erfolg von Nightfever ausmachen, vermuten die jungen Organisatoren. In den vergangenen drei Jahren sei das Münster stets gut voll gewesen, für dieses Jahr rechnen sie mit rund 1000 Besuchern. Dabei sei es egal, ob man den ganzen Abend teilnehme, oder sich nur für kurze Zeit setzt und sich umschaut. Egal sei zudem auch, welcher Konfession die Besucher angehören und ­welches Alter sie haben.

Nightfever-Abende wie dieser in Villingen gibt es seit dem Weltjugendtag 2005 in Köln weltweit. Damit möchte man das Miteinander und die intensive Stimmung von damals in die Zukunft tragen und auch andere mit dem "Nightfever" anstecken. Die Organisatoren der Villinger Ausgabe nutzen das Gewusel des Weihnachtsmarks, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Organisationsteam rund um Nightfever ist eine lose zusammengewürfelte Jugendgruppe aus der Seel­sorgeeinheit. Die meisten von ihnen sind ehemalige Ministranten der Münstergemeinde und von St. Fidelius. Neben Schofer und dem jungen Ehepaar König ergänzen Johannes Staudt, Annabell Schofer, Lisa Langenbacher und Pastoralreferent Martin Lienhart das Team. Außerdem melden sich jedes Jahr viele Freiwillige, die mit Kerzen auf dem Münsterplatz die Passanten ansprechen, und sie dazu einladen, diese im Münster anzuzünden.

Die Katholiken im Organisationsteam sehen Nightfever als eine Sache, andere mit ihrem Glauben anzustecken. "Wenn man von etwas begeistert ist, dann möchte man das mit anderen teilen und weitererzählen", meint Florian Schofer. "Und so erreicht man eben auch Leute, die sonst nicht so viel mit Kirche am Hut haben", resümiert Stefan König.

Für die drei Mittzwanziger nimmt Glauben eine zentrale Rolle in ihrem Alltag ein. "Ich empfinde meinen Glauben als ein Geschenk. Er macht mich nicht besser als andere, aber er gibt meinem Alltag einen Sinn und für mein ganzes Leben Orientierung", meint Schofer. Ähnlich sieht das der 27-jährige Stefan König: "Gott gibt mir Kraft, bei allen Hürden, die man im Leben meistern muss."

Das Nightfever-Team spielt auch die Gemeinschaft in der Kirchengemeinde eine ganz wichtige Rolle. Das ist auch der Grund, warum Jennifer König zum Glauben fand. Sie selbst komme aus einer Familie, in der Kirche eine untergeordnete Rolle spiele, erzählt die 21-Jährige. Ihr Freundeskreis sporne sie an, sich für kirchliche Aktivitäten zu begeistern. Wenn man wisse, dass Freunde zum Gottesdienst kommen, falle es am Sonntagmorgen nicht schwer, für die Messe früh aufzustehen. Zudem spielen die beiden jungen Männer in der Kirchenband Domino. Ebenfalls eine gesellschaftliche Sache, die ihnen viel bedeutet.

Mit Nightfever scheinen die jungen Christen der Seel­sorgeeinheit auf dem richtigen Weg zu sein. "Es ist schön zu sehen, dass sich Leute einladen lassen, von denen man das nicht vermuten würde." Schofer vermutet, dass die starren Abläufe, die seit Jahrhunderten in der katholischen Kirche vorherrschen, viele vor allem junge Leute abschrecken, eine heilige Messe zu besuchen. Glaube, das sei zudem keine einfache Sache, er müsse wachsen, meint der 24-Jährige.

Dass das Nightfever Konzept Früchte trägt, zeigt sich darin, dass viele, die sich in den Jahren zuvor spontan ins Münster einladen ließen, ihr Kommen für dieses Jahr zugesagt haben oder sogar Teil des Projektchors sind.