Villingen-Schwenningen

Ein Stück VS hat Jörg Röber exportiert

von Cornelia Spitz

Singen-Bohlingen/Villingen-Schwenningen - Das Stück Villingen-Schwenningen, das Jörg Röber mit nach Bohlingen gebracht hat, ist blau-weiß-gelb mit ein paar Tupfen Rot. Doch zur Unterstützung der Natur braucht es die VS-Blumenwiese hier gar nicht. Denn wo der OB-Kandidat mit seiner Familie lebt, herrscht Idylle pur.

Der dreijährige Florian kurvt mit seinem Tretbagger im Garten herum und lädt Äpfel in seine Baggerschaufel, als der Schwarzwälder Bote die Familie bei ihrem "Heimspiel" in dem Stadtteil von Singen am Hohentwiel besucht.

Mitanzupacken und dem Vermieter, einem Nebenerwerbslandwirt "mit zwei Traktoren, aber ohne Tiere" bei seiner Arbeit zu helfen, macht dem fröhlichen Jungen besonders viel Spaß, erzählt er prompt und schaut sich lachend um. Was er sieht, ist das pralle Landleben. Blumenwiesen, Beerensträucher, Tomaten- und Zucchini-Pflanzen, die sich in die Höhe winden. Und jede Menge Apfelbäume. "Das sind die Äpfel, aus denen meine Frau die Kuchen backt", lässt Jörg Röber mit Blick auf seine Wahlkampf-Aktion wissen, bei der man sich den Kandidaten mitsamt frisch gebackenem Ku chen zum Kaffee einladen darf.

Heute gibt es Muffins. Drinnen, am gemütlichen Esstisch unter dem hohen Dachgebälk und vor einer großen Fensterfront. Dort, wo die Tage der Röbers normalerweise beginnen. Papa Jörg steht als Erster auf und richtet das Vesper für den Großen, den 14-jährigen Jonas, "und ein halbes für Flori" – den Rest erledigt die Mama. Nach dem gemeinsamen Frühstück geht es für den Großen zum Bus, den Kleinen nimmt Papa mit zum Kindergarten in Bohlingen. Mama Christine arbeitet als Psychologin in Teilzeit und holt Florian gegen 13.30 Uhr aus dem Kindergarten wieder ab.

Bei Jörg Röber hingegen kann es schon mal spät werden – etwa, wenn Sitzungstag des Gemeinderates ist. Und auch sonst sieht man ihn in Bohlingen in der Regel erst gegen 18.30 Uhr. Dass sein Papa als OB-Referent in Villingen arbeitet, findet Jonas schon jetzt richtig "cool". "Vor allem, weil es Villingen ist, ich bin dort geboren", erzählt er stolz und setzt mit ernster Miene hinzu: "Die Stadt liegt mir schon ziemlich am Herzen." Ob der Junior schon voll im Wahlkampfmodus für den Papa angekommen ist? Dass er seinem Vater den Rücken stärkt, wird in der Tat schnell deutlich – etwa wenn er der Redakteurin von seinen Hobbys, dem Schachspiel und dem Lesen erzählt, und der Papa dann lachend vervollständigt, dass Jonas aber auch ganz schön gerne bei Computerspielen zockt. Aber als Jonas dann von der Villinger Fasnet schwärmt und seinen Einsätzen als Stachi beim Umzug, wird schnell deutlich: Die Verbindung der Röbers zu VS ist mehr als nur berufsbedingt. Kein Wunder: Mama Christine ist Villingerin.

"Ich war erstmal überrascht, als er mir erzählt hat, dass er gefragt wurde, ob er nicht kandidieren will", gibt Christine Röber zu. Aber sein Strahlen in den vielen darauf folgenden Gesprächen habe sie darin bestärkt, dass die OB-Kandidatur der richtige Weg für ihn sei – "und wenn, dann in meiner Heimatstadt". "Er hat mir ja auch geholfen, dass ich meinen Traum leben kann", sagt sie dankbar und erzählt von der Zusatz­ausbildung für die Kassenzulassung und das Examen, die sie gerade macht. "Ich möchte gerne therapeutisch arbeiten", erklärt sie.

Seit vier Jahren sind die Röbers verheiratet. Der Familienalltag ist fest eingespielt. Und Ferien gibt es wahlweise mal am Meer – zuletzt auf Mallorca, in den Bergen – etwa im Allgäu, oder auch mal bei einem Städtetrip, etwa nach Berlin. Und im Winter? Da ruft die Piste. Wer diese schneller herunter saust, steht für die großen Männer der Familie fest – Jonas: "Papa", Papa: "Jonas". Beide lachen. Wochenends mag es die Familie gemütlicher – Papa Jörg hilft dem Sohnemann schon mal beim Austragen der Werbezeitungen, sie messen sich beim Schachspiel, oder Sohn Florian darf ihn mit dem Laufrad bei der Joggingrunde begleiten. Der Schaugarten der Gartenmanufaktur Siegwarth mit hübschem Café ist ein willkommenes Ausflugsziel vor der eigenen Haustür. Und schließlich packt Jörg Röber auch gerne im eigenen Nutzgarten mit an oder er steht für die Family am Herd. "Ich genieße das, auch als Abwechslung zum hektischen Tohuwabohu in der Stadt", sagt der OB-Kandidat, der Feld und Wald zwar "wunderschön" findet, aber trotzdem gerne verwirklichen würde, was im ersten Anlauf vor einigen Jahren mangels Wohnungsmangel nicht gelang: den Umzug nach VS, dann aber bitte als dessen OB.

Mit ihrem künftigen Oberbürgermeister wählen die Villingen-Schwenninger nicht nur das neue Stadtoberhaupt, sondern auch einen Menschen. Aber wie tickt er/sie

überhaupt? Wie lebt derjenige, der das Leben der Villingen-Schwenninger in Zukunft

mitgestalten möchte, denn selbst? In unserer Serie zum OB-Wahlkampf in Villingen-Schwenningen gewähren die Kandidaten einen Blick hinter

die Kulissen und zeigen ihr privates Gesicht.