Villingen-Schwenningen

Ein Kino für anspruchsvollere Filmfans

von Schwarzwälder Bote

Das Guckloch Kino gibt es jetzt schon seit über 40 Jahren und zeigt neben Filmen für Erwachsene auch welche speziell für Kinder und Jugendliche. Rebecca und ihr Vater Richard Hehn erzählen im Gespräch einiges über die Arbeit ihres Kinos und wie Streamingdienste besonders eine Bedrohung für kleine Kinos darstellen.

Könnt ihr euch kurz vorstellen und sagen, was eure Aufgabe hier ist?

Richard: Ich bin Richard Hehn und bin hier im Wesentlichen für die Technik im Guckloch-Kino zuständig, auch kenn ich mich in der Filmgeschichte aus und bin ein allgemeines Mitglied im "Kommunales Kino Guckloch".

Rebecca: Ich bin Rebecca Hehn und meine genaue Aufgabe ist eigentlich die Filme auszusuchen und die Filmtexte für die Aushänge und die Webseite zu schreiben. Außerdem bin ich für die Kasse zuständig, wenn eine Vorstellung ist.

Wie lange gibt es denn das Guckloch Kino schon?

Richard: Das Kino gibt es seit 1977 und wir sind ein kommunales Kino, das ursprünglich von sechs Leuten gegründet wurde. Ich selbst bin jetzt seit 1984 in der Scheuer tätig und bin dadurch auch zum Guckloch Kino gekommen. Ursprünglich in der alten Scheuer nur mit einem 16mm-Projektor und seit 1991, seit es das neue Gebäude gibt, ist hier die 35mm-Kinotechnik drin und jetzt auch digital, so dass wir alles zeigen können.

Was macht das Guckloch Kino denn besonders?

Rebbeca: Wir zeigen jetzt nicht gerade so Blockbuster, wie sie zum Beispiel in der BlueBoxx laufen. Stattdessen zeigen wir Filme, die auch schon ein bisschen älter sind. Wir haben beispielsweise Ronja Räubertochter letztens gezeigt. Wir zeigen einfach andere Filme, die abwechslungsreicher für Menschen sind, die nicht so auf die üblichen Blockbuster stehen und natürlich Filme für Jugendliche.

Eure Zielgruppe sind also schon eher diese "spezialisierten" Filmfans, die auf anspruchsvollere Filme stehen?

Rebecca: Ja, würde ich schon so sagen.

Richard: Also für das Abendprogramm auf jeden Fall und für das Jugendkino eigentlich auch.

Kommen denn auch Studenten zu euch ins Kino?

Richard: In Schwenningen gibts ja die BA und die Polizeifachhochschule, aber da ziehen wir eigentlich relativ wenig Publikum hier nach Villingen.

Die Villinger bleiben also unter sich?

Richard: (lacht) Ja, schon ein bisschen.

Ist es denn so, dass ins Kinderkino nur Kinder und ins Jugendkino nur Jugendliche kommen?

Rebecca: Also ins Kinderkino kommen schon sehr viele Kinder, beim Jugendkino haben wir momentan noch das Problem, dass nicht so viele Jugendliche kommen, da kommen eigentlich eher Erwachsene. Da sind wir momentan dran, uns mehr auf die jugendliche Zielgruppe zu konzentrieren.

Wie macht ihr das?

Rebecca: Also zum einen haben wir natürlich Plakate und Flyer. Außerdem haben wir eine Instagram-Seite erstellt und versuchen durch die neuen Medien die Jugendlichen auf unser Kino aufmerksam zu machen.

Also gibts euch auch auf Facebook, Twitter und so weiter?

Rebecca: Aktuell nur auf Instagram, die anderen kommen dann noch.

Gibt es denn direkte Konkurrenten für euer Kino?

Rebecca: Also es gibt natürlich das BlueBoxx-Kino, aber da wir unterschiedliche Filme zeigen, würde ich nicht sagen, dass wir konkurrieren.

Wie genau läuft das denn ab, wenn ihr Filme für euer Kino auswählt?

Rebecca: Beispielsweise wenn ich von einem Film gehört habe oder einen gesehen habe, dann schlag ich den unserem Team vor und dann besprechen wir, ob und wann wir einen neuen Film mit ins Programm nehmen. Natürlich schauen wir uns Filme, die wir empfohlen bekommen haben, auch an, damit wir das beurteilen können. Im Anschluss wird der Text dann für die Flyer und die Webseite geschrieben.

Würdet ihr denn sagen, dass sich durch die Streaming-Dienste wie Netflix etwas für euer Kino verändert hat?

Rebecca: Also beim Jugend-Kino würde ich das auf jeden Fall sagen, weil fast jeder Zugang zu einem Streamingdienst zuhause hat und es für die Leute einfach billiger und einfacher ist, da sie nicht extra hierher kommen müssen. Beim Erwachsenen-Kino dagegen nicht so sehr, aber beim Jugendkino merkt man das schon.

Achtet ihr denn darauf, dass ihr extra Filme zeigt, die auf den Streamingdiensten nicht verfügbar sind?

Rebbeca: Also besonders darauf achten tun wir nicht. Manche Filme, die wir zeigen gibt es auch auf Netflix, wie zum Beispiel "Phantastische Tierwesen", aber viele gibt es auch nicht.

Wie genau läuft das denn ab, wenn ein kleines Kino einen Film zeigen möchte? Braucht man da dann eine Lizenz für?

Richard: Also es gibt die Filmverleiher, wie auch früher bei 35mm. Die bringen die Filme in Deutschland in die Kinos, also als Verleihkopie. Und bei diesen können die Kinos dann den Film bestellen und zahlen dann dafür entsprechende Filmmiete.

Hängt das denn mit den Kosten zusammen, dass im Jugendkino nicht häufiger als einmal im Monat ein Film läuft?

Richard: Beim Kinder- und Jugendkino? Teils, teils. Also zum einen wär’s personell aufwendiger, weil das machen aktuell nur zwei Leute, Rebecca und Elisabeth. Und wenn sie sich dazu entschließen würden, wir zeigen jetzt jedes Wochenende einen Film, müssten sie jedes Wochenende hier sein und die Theke machen und die Karten verkaufen. Beim Erwachsenenkino geht das, da sind das durch den Verein 25 bis 30 Leute. Das Kinder- und Jugendkino gibt es jetzt auch erst seit anderthalb Jahren.

Das ganze Kino wird also über den Verein organisiert und finanziert?

Richard: Genau, es gibt die passiven und die aktiven Mitglieder, die passiven bezahlen einen jährlichen Mitgliederbeitrag. Die aktiven Mitglieder zahlen keinen Beitrag, helfen dafür dann hier im Kino mit.

Letzte Frage, gibt’s denn irgendetwas, was ihr den Szene-Lesern sagen möchtet?

Rebbeca: Also ich kann nur jedem empfehlen hierher zu kommen, da unsere Filme sehr abwechslungsreich sind. Wir zeigen sowohl neuere als auch ältere Filme, sowie Filme zu besonderen Themen, die im "normalen" Kino nicht gezeigt werden. Außerdem ist das Kino sehr günstig: Das Kinderkino kostet zwei Euro Eintritt und das Jugendkino drei Euro.

  Die Fragen stellte Merlin Hilbertz