Villingen-Schwenningen

Der Sport bestimmt ihr Leben

von Birgit Heinig

Ihr Alter sieht man ihr nicht an. Uschi Richter feiert in diesem Jahr ein Berufsjubiläum: seit 25 Jahren ist sie Fitnesstrainerin und als solche täglich in diversen Fitness-Studios der Stadt anzutreffen oder als Kursleiterin bei Krankenkassen und der Volkshochschule.

Villingen-Schwenningen. Dass etliche ihrer Kursteilnehmer sie von Beginn an begleiten, spricht für die Trainerqualitäten der 58-Jährigen. "Ich freue mich, wenn die Menschen dankbar sind für das, was ich ihnen vermitteln kann", sagt sie. Vor 25 Jahren war sie am St. Georgener Standort eines großen Villinger Sportstudios selbst Mittrainierende. 1992 dann fasste sie sich ein Herz, belegte einen ersten Kurs zum "Aerobic-Instructor" und wechselte damit auf die Trainerseite.

Viele Fortbildungskurse sollten folgen – bis heute gibt es kaum einen Monat, in dem Uschi Richter sich nicht weiterbildet. Unumgänglich, wie sie findet, denn kaum eine Branche entwickelt sich so rasant wie die Fitness. Aerobic zum Beispiel sei schon lange wieder aus der Mode. Immer wieder schwappen neue Fitnesswellen über den großen Teich nach Europa und verebben hier wieder.

Inzwischen ist die Gesundheit das Wichtigste

"Früher ging es eher um die Schönheit, den flachen Bauch und eine definierte Muskulatur. Inzwischen ist die Gesundheit das Wichtigste", hat sie die Erfahrung gemacht. Dabei komme es jedoch – wie bei allem – auf die Dosierung an. "Ein Tag Pause in der Woche sollte schon sein". Besonders das Muskelisolationstraining empfindet die Fitnesstrainerin als wertvoll, auch für sich selbst. "Das tut mir gut, das erhält mich gesund und leistungsfähig", sagt sie mit Überzeugung.

Uschi Richter hat sich spezialisiert auf das "Bodyforming", das frühere "Bauch, Beine, Po", auf Step-Aerobic, Rücken- und Wirbelsäulentraining sowie seit fünf Jahren auf Yoga.

"Vinyasa" heißt ihre Richtung, die sich speziell mit dem Rücken beschäftigt und weitgehend frei ist von spiritistisch-religiösen Einflüssen. "Wir singen dabei nicht", sagt sie und lacht herzerfrischend. Bis zu zwölf Kurse gibt sie jede Woche. Am Anfang ihrer Fitnesskarriere waren es doppelt so viele.

Die gebürtige Villingerin war gerade in ihre Heimat zurückgekehrt. Hier hat sie die Karl-Brachat-Realschule besucht und zur Arzthelferin ausbilden lassen. Sie arbeitete in der damaligen "Kühne"-Klinik im Goldenbühl, heiratete und zog mit ihrem Mann, einem Fußballer, nach Essen, Köln und Oberhausen. Zwei Söhne wurden geboren. 1990 kehrte die Familie nach Villingen zurück und zwei Jahre später nahm Uschi Richter das Fitnesstraining auf. Zehn Jahre lang blieb das ihr Hauptberuf.

Als "Vorturnerin" gibt sie sich aber längst nicht zufrieden

Inzwischen geschieden, nahm sie vor 15 Jahren wieder eine Stelle als medizinische Fachangestellte in einer orthopädischen Klinik in Rottweil an, wo sie bis heute hauptsächlich Operationen begleitet. Trotz eines durchgetakteten Alltages bestimmt Sport ihr Leben. Als "Vorturnerin" in ihren Kursen gibt sie sich aber längst nicht zufrieden. Zwei- und wenn sie es schafft, sogar dreimal pro Woche ist sie im Schwimmbad anzutreffen, in der Sommersaison im Kneippbad sogar täglich. "Das ist mein Ausgleich", sagt sie.

Im Schwimm-Club als Wettkampfschwimmerin groß geworden

Im Schwimm-Club Villingen ist sie als Wettkampfschwimmerin groß geworden. Nach ihrer Rückkehr knüpfte sie als "Master" an und feierte tolle Erfolge: 2007 und 2009 wurde sie Europameisterin ihrer Altersklasse, 2008 verpasste sie bei der Weltmeisterschaft nur ganz knapp das Treppchen. Schon drei Mal wählte die VS-Sportwelt sie dafür zur "Sportlerin des Jahres". Und dann sind da noch das Bergwandern, Klettern und Skifahren, das Uschi Richter in jeder freien Minute mit Leidenschaft betreibt. Die Berge haben es ihr angetan, ihre Traumberufe wären "Skilehrerin, Bergführerin oder Almwirtin", sagt sie leicht wehmütig.

Viel Zeit hat Uschi Richter nicht übrig, doch immer wieder schafft sie es, sich regelmäßig mit ihren beiden Jungs oder Freunden zu treffen "oder auch einmal ganz alleine zu Hause zu sein, das genieße ich besonders".