Villingen-Schwenningen

Der Münsterpfarrer wird 60 Jahre alt

von Martin Disch

Der Münsterpfarrer wird 60 und die ganze Kirche feiert mit: "Alles Gute zum Geburtstag, Dekan Josef Fischer", heißt es am morgigen Sonntag.

VS-Villingen. Der Dekan und Münsterpfarrer Josef Fischer lädt anlässlich seines 60. Geburtstages mit der Seelsorgeeinheit zu einem Fest in den Hof des Münsterzentrums ein. Das Fest beginnt mit dem Sonntagsgottesdienst im Münster um 9.30 Uhr. Anschließend gibt es einen Umtrunk, und es besteht die Möglichkeit dem Münsterpfarrer zu gratulieren. Alle sind eingeladen, zusammen bei Steak, Grillwurst, Brot und Kartoffelsalat mit ihm zu feiern.

"Jeder ist eingeladen, auch ohne persönliche Einladung, und kann nach Belieben kommen und gehen", betont Josef Fischer. Anstelle von Geschenken wünscht sich der Seelsorger eine Spende für die Peru-Partnerschaften der Gemeinden. Das Fest endet um 17 Uhr mit einer Orgelandacht in der Benediktinerkirche. An der Orgel spielt Bezirkskantor Roman Laub. Die Einladung zu diesem Geburtstagsfest und deren Ausgestaltung spricht für den in den Gemeinden der Seelsorgeeinheit und über das ganze Dekanat hinaus beliebten Priester, der seit genau zehn Jahren im Münsterpfarrhaus wohnt.

Durchdachte Predigten

Damals war er Seelsorger in Vogtsburg am Kaiserstuhl, wo er fünf kleinen Pfarrgemeinden in einer Seelsorgeeinheit mit 3500 Katholiken vorstand. Geboren wurde Josef Fischer in Sinsheim-Rohrbach. Nach seinem Studium wurde er 1992 zum Priester geweiht – er war zunächst als Vikar in Oftersheim, St. Georgen, Lörrach und Überlingen tätig. Im Januar 2008 wurde er zum Dekan des Dekanats Schwarzwald-Baar gewählt. In der Zwischenzeit wurde er in seinem Amt bestätigt und seit Mai 2015 gehört er auch dem Freiburger Domkapitel an. Erzbischof Stephan Burger hat ihn zum Domkapitular ernannt.

Dekan Josef Fischer ist in seinen Gemeinden beliebt, gilt er doch als Mensch, der die Dinge offen sieht, kritisch betrachtet und Stellung zu wichtigen weltpolitischen Situationen nimmt. Seine Gemeindemitglieder schätzen seine durchdachten Predigten, die nicht nur einen Bezug zum Evangelium haben, sondern ihren Sitz im Lebensalltag der Gläubigen haben. Wenn man den Theologen fragt, was er sich für das kommende Lebensjahr wünscht, so antwortet er: "Ein friedliches Jahr ohne außerordentliche Ereignisse. Gerne hätte ich mal ein Jahr ohne Jubiläen und Jahrhundertfeiern, um einfach mal mehr Zeit zu haben für die ganz normale Arbeit eines Pfarrers."

Für die Seelsorgeeinheit opfert er viel Zeit. Dabei wünscht er sich für die kommenden Jahre, dass die aktiven Christen das Pfarreidenken überwinden könnten und viel stärker in den Räumen einer Stadtkirche denken lernten. Wo sozusagen allen alles gehört und das, was in der einen Pfarrei stattfindet, ganz selbstverständlich auch ein Teil der anderen Pfarreien ist. Immer wieder sucht der Jubilar Orte der Stille. Seine Weihnachtspredigten etwa schreibt er in der Abgelegenheit einer Hütte und Erholung findet er beim längeren Spaziergängen. "Irgendwann wird dann mein Kopf leer und ich höre und sehe nur noch das, was gerade um mich herum in der Landschaft passiert."

Wichtig sind ihm aber auch ab und zu einige freie Tage und der Urlaub im Sommer. Da kann es schon sein, dass er die Seele in Italien baumeln lässt. Seine Arbeit wird auch im Erzbistum geschätzt, deshalb werden ihm immer wieder junge Theologen, die sich auf den Weg zum Priesteramt befinden, zugeordnet oder auch Vikare, die in der Seelsorgeeinheit und seiner Obhut die Arbeit eines Priesters aufnehmen. Josef Fischer ist ein Pfarrer für alle Generationen. Oft geht er auf Augenhöhe mit Kindern und versucht ihnen altersgerecht die Geheimnisse des Evangeliums zu erläutern.

Blickt Fischer auf seine zehn Jahre in Villingen, dann denkt er gerne an Ereignisse, die sich jährlich wiederholen, etwa "an die wunderschönen Heilig Abend Gottesdienste in St. Konrad, an die großen Messen im Münster oder die Konzerte der Capella und des Oratorienchores", aber auch an Schatzinselgottesdienste, Schülergottesdienste, Fronleichnamstage oder Wallfahrten – und ans Cappuccino-Trinken in der Rietstraße. Drei besondere Ereignisse sind es dann aber doch auch: die offizielle Errichtung der Seelsorgeeinheit am 1. Advent 2012, die Romwallfahrt der Ministranten 2014 und der ökumenisch Stadtkirchentag 2015.

Er, der Chef eines mittelständischen Unternehmens ist, das sich Kirche nennt, trinkt gerne einmal einen badischen Rotwein, ist primär Seelsorger und ein Mensch, der den Draht zu den Mitmenschen nicht verliert – vielleicht ja auch durch seine offenherzige, manchmal emotionale und oft direkte Kurpfälzer Mentalität in Kombination mit der ruhigen Schwarzwälder Art, die er sich ebenfalls angeeignet hat.