Villingen-Schwenningen

Der Griff zum Joint kommt immer häufiger

von Eva-Maria Huber

Villingen- Schwenningen. Stress mit den Eltern, Ärger in der Schule, Streit mit der Freundin: Also her mit dem Joint, "um erst mal runterzukommen". Der Griff zu Drogen wird auch im Kreisgebiet immer beliebter, die Zahl der jungen Konsumenten steigt. Ein guter Grund auf den heutigen Tag gegen Drogenmissbrauch hinzuweisen.

Inge Häßler, Diplom-Sozialpädagogin, und ihre Kollegin Pia Wenzler, Sozialpädagogin in der Fachstelle Sucht in Villingen, wissen zu genau, dass auch VS und damit das gesamte Kreisgebiet in punkto Drogen keine Insel der Glückseligen ist. Was sich bundesweit abzeichnet, spiegelt sich auch in der Region wider: Die Zahl der jungen Konsumenten steigt, mehr als jeder vierte konsumiert einmal in seinem Leben illegale Drogen. Indes: die Zahl der Heroinabhängigen nimmt nicht ab, was vor allem mit der Arbeit der Einrichtung zusammenhängt. Hier in der Fachstelle Sucht VS werden Substitutionsbehandlungen angeboten und auch "gut angenommen". Viele, erzählen die beiden, werden erfolgreich beraten und geraten so nicht auf den Weg zur Verelendung.

Im Fokus der Arbeit von Häßler und Wenzler steht die Prävention, "damit es erst gar nicht so weit kommt". Für Sozialpädagogin Wenzler bedeutet das häufige Termine an Schulen und Berufsschulen, um mit jungen Leuten offen ins Gespräch zu kommen, "aber ohne erhobenen Zeigefinger".

Ob es sich nun um den 13-jährigen Gymnasiasten oder die 17-jährige Berufsschülerin handelt: Wichtig sei, dass die jungen Leute das eigene Konsumverhalten betrachten und dieses auch kritisch hinterfragen. Bei dieser Betrachtung geht es nicht nur um das favorisierte Cannabis, sondern auch um andere Drogen, vor allem synthetischer Art, deren Inhaltsstoffe teilweise hochgefährlich sind. "Keiner kann doch wissen, was in den harmlosen weißen kleinen Pillen steckt", zeigt Wenzler auf.

Was konsumiere ich, wie oft und wie viel, das ist die eine Seite der Fragestellung. Die andere ist die Suche nach dem Warum, nach den Motiven. Ist es eher der Gruppenzwang, so Häßler und Wenzler, das "cool sein und dazugehören wollen" oder sind es eher Probleme, in denen junge Menschen stecken: Konsumiere ich, wenn es mir schlecht geht, weil ich Stress mit Eltern, Schule oder der Freundin habe, zeigen die beiden das Motivspektrum auf. Schnell könne eine Spirale beginnen mit schlimmen Konsequenzen. Eine Spirale, die letztendlich auch mit dem Gang vors Jugendgericht enden könne : "Für viele ein prägendes Aha-Erlebnis", so Häßler. "Und der Wendepunkt, wenn sie dann auch hier bei uns sitzen".

Fatale Folgen

Experten weisen immer wieder darauf hin, welch fatale Folgen regelmäßiger Cannabiskonsum gerade für das noch nicht ausgereifte Gehirn eines jungen Menschen haben kann. Ab der siebten Klasse fängt die Präventionsarbeit an, "denn ab diesem Alter wird es spannend". Wichtiges Ziel der Expertinnen ist nicht nur die Information über mögliche Risiken, auch strafrechtlicher Art. Den Sozialpädagoginnen geht es auch darum, das Selbstbewusstsein der jungen Leute zu stärken, "dass diese auch mal Nein sagen können, wenn ihnen Drogen angeboten werden".

Wer Fragen oder Probleme hat, kann sich gerne an Inge Häßler (07721/87 86 46 15) oder Pia Wenzler (07721/8 78 64 60) wenden. Oder die Hotline: 01805/31  30 31.