Villingen-Schwenningen

David Hoffmann deutsche Hoffnung bei Mr. Olympia

von Stefanie Böhm

Villingen-Schwenningen - Er hat einen Armumfang, den sich viele Frauen an ihrer Taille wünschen, ist etwa 1,86 Meter groß und bringt auch mal 115 Kilogramm auf die Waage - wenn er nicht gerade für seinen Bühnenlook eine Diät hält. David Hoffmann gehört zu den Profis in seiner Branche und gilt als deutsche Hoffnung beim Mr. Olympia, wie zahlreiche Zeitschriften über den 38-Jährigen berichten.

Selbst Arnold Schwarzennegger, sein großes Vorbild, besiegelte dort seine Karriere. Nach Auftritten in New York und Las Vegas zog es den Bodybuilder David Hoffmann nach Schwenningen. "Wie im Tennis Boris Becker oder im Fußball Franck Ribéry, ist er momentan das Höchste vom Höchsten", begründet Fabian Burghardt seine diesjährige Wahl. Der Inhaber des clever fit in Schwenningen hatte Hoffmann zu einer öffentlichen Verantstaltung in sein Studio eingeladen. Schwitzende Männer, die beim Gewichtheben dumpfe Töne von sich geben und ihre Muskeln anschließend stolz dem Spiegel im Studio präsentieren – diese Vorstellung dürfte vielen bei dem Gedanken an Bodybuilding in den Sinn kommen. Doch die Realität sieht an diesem Abend anders aus: Fans, überwiegend durchtrainierte junge Leute, hatten sich in einem Kursraum des Fitnessstudios um den Profi-Bodybuilder versammelt und stellten Fragen um Fragen.

Sich von Woche zu Woche steigern

Ein Trainingsbuch? Eine sinnvolle Sache, findet der Profi: "Wichtig beim Schreiben für mich ist, mich von Woche zu Woche zu steigern." Es sei vor allem wichtig zu wissen, wie die Leistung vor einer oder zwei Wochen war, um mögliche Schwächen in der aktuellen Trainingseinheit zu erkennen. "So jemanden mal live zu sehen und anzufassen finden alle wahnsinnig toll", sagt Verantalter Burghardt. Doch mit Hoffmann, so wirkt es, ist an diesem Abend nicht nur ein Bodybuilder ins Studio gekommen. Die Vorurteile von Muskeln, Protz und Eitelkeit wichen einer sympatischen Persönlichkeit, die den Fans wie ein alter Bekannter gegenüber sitzt.

Durch Videos und Fotos, die der Bodybuilder in sozialen Netzwerken postet, kennen ihn seine Fans, wissen wo er gerade ist, wofür er gerade trainiert, auf welche Wettkämpfe er sich vorbereitet und wen er trifft. Sie kennen seine Entwicklungen, seine Erfolge und Niederlagen. An diesem Abend werden Trainingspläne diskutiert, gegnerische Vorgehensweisen bewertet und Trends hinterfragt. "Man sieht sich selber meistens weiter vorne. Du steckst da so viel rein", gewährt Hoffmann auch Einblicke in das Wettkampfleben. "Bei Anfängern sieht man es im Gesicht, wenn sie enttäuscht sind. Wenn du erfahrener bist, versuchst du das eigentlich zu vermeiden."

Seit dem Hoffman 15 Jahre alt ist, weiß er, dass er als Bodybuilder Karriere machen will. Tennisstunden und Judo setzen zwar ihren Reiz, doch als er wusste, in welche Richtung es ihn zog, war für andere Sportarten kein Platz mehr. Zumal auch bei der Kampfsportart Judo die Verletzungsgefahr groß sei. "Das hätte nicht mehr gepasst", erklärt der 38-Jährige.­ Geboren ist der Vater einer bald zweijährigen Tochter in Kirchheimbolanden, in Rheinland-Pfalz. Seine Leidenschaft entwickelte sich bereits früh. "Mit acht Jahren hatte ich schon diese Plastikhanteln", erinnert er sich. Bei seinem Onkel im Keller standen Geräte, Zeitschriften und Poster hingen an der Wand, erzählt Hoffmann weiter. "Vielleicht habe ich es von dort aufgeschnappt", sagt er und schmunzeld. Nach dem Abi studierte Hoffmann Betriebswirtschaftslehre, arbeitete anschließend drei Jahre, machte sich Selbstständig und verkaufte Supplements, zu deutsch Nahrungsergänzungmittel. Dann sei er an einen Punkt gelangt, an dem er hätte Karriere machen können. Aber das hätte bedeutet "keine Zeit für Sport". Wo der Weg schließlich hinführte zeigen seine Erfolge seit dem Jahr 2000. Seinen bedeutendsten, so Hoffmann, hatte er 2008 mit dem Sieg der deutschen Meisterschaft.

Urlaub macht er, wo es Studios in der Nähe gibt

2015 durfte er sich sogar als Sieger des Mr. Olympia Amateur feiern lassen. Besonders an den Auftritt vor ein paar Wochen in Frankfurt erinnert er sich gerne zurück. Es war seit Langem wieder ein Wettkampf auf deutschem Boden, vor heimischen Publikum. Unter das sich auch seine Freundin mit der gemeinsamen Tochter, viele Freunde und die Familie mischte. Etwa 2000 Leute seien für ihn aufgestanden, erzählt er glücklich. Hoffmann ging an diesem Abend als Sieger der Dennis James Classic von der Bühne. Doch der Weg hier her war nicht immer mit Erfolgen gepflastert. Vor allem seine Eltern konnten sich anfangs mit den Plänen des 15-Jährigen Hoffmann nicht anfreunden. "Meine Mutter fand das nicht so toll. Und mein Vater war auch nie begeistert. Aber er hat es geschätzt, dass ich so konsequent war."

Wenn am Freitagabend mal kein Hühnchen im Kühlschrank liegt, schwenkt manch einer vielleicht auf Würstchen um. Nicht Hoffmann: wenn es Hünchen im einem Supermarkt nicht gibt, fährt er den nächsten an. "Bodybuilding ist Sport im Sonderstatus, das nie aufhört. Jede Mahlzeit zählt dazu", sagt er. "Es engt ein. Man muss auf viel verzichten." Durchschnittlich nimmt er zwischen 3000 bis 5000 Kalorien am Tag zu sich. Aber auch die 10 000 hatte Hoffmann im Laufe seiner Karriere geknackt. Aber während einer Diät, wenn er wieder auf sein Wettkampfgewicht von etwa 105 Kilogramm kommen möchte, fehle ihm Brot. "Frische Pizzabrötchen" seien besonders fies, verrät er. Selbst seinen Urlaub, das viele mit Schlemmen und entspannen verbinden, richtet er nach der Nähe zu Studios aus. Wenn mal kein Wettkampf in nächster Zeit anstehe, nehme er sich vor, im Urlaub zu essen, was er wolle. "Nach zwei Tagen aber tut dann mal der Rücken weh", sagt er. Schlussendlich sei er in seinem letzten Urlaub wieder drei mal trainieren gewesen. Die Gewohnheiten beim Essen, habe man aber schon im Kopf, sagt er. Die Lust beim Schlemmerbuffet mal zuzugreifen habe er aber trotzdem. Aber wenn man vier Monate vor einem Wettkampf Diät mache und "traniert wie ein Wahnsinniger", könne man innerhalb von einer Woche und einem Essen in einem Fastfood-Restaurant schnell wieder aussehen wie "ein Müllhaufen", betont der Bodybuilder. Mit den Jahren sei Hoffmann aber standhafter geworden, sagt er.

Veränderungen durch Vaterrolle

Doch wie lange kann er sich noch vorstellen, nun auch als Vater, für Wettkämpfe zu trainieren? Vor allem in seiner Vaterrolle durchlaufe Hoffmann gerade Veränderungen. "Du bist ständig unter Strom. Du wirst ein Typ, der du eigentlich nicht sein willst", gibt er zu. Der Spagat zwischen Wettkämpfe und Familienzeit sei schwierig. "Aber wann willst du es machen? In fünf Jahren kannst du es vergessen." Noch möchte er so viel an Erfahrung mitnehmen wie möglich. 40 sei aber ein gutes Alter, um aufzuhören, verrät er. "Aber wenn du im nächsten Wettkampf 15. wirst, kannst du das auch nicht so stehen lassen", zeigt er sich aber gleichzeitig unsicher. In dieser Branche aufzuhören sei schwierig. "Von den großen Leuten hat keiner den Absprung gemacht, ohne das er gezwungen wurde."

Wenn er nicht gerade für Wettkämpfe trainiert, betreibt Hoffman auch sein eigenes Studio und einen Onlineshop. Wie der Weg auch weitergehen möge: "Ich werde im Sport bleiben", versichert er seinen Fans. "Ich kann mir nichts vorstellen, wie man durchs Leben geht, ohne mal zu Pumpen", sagt er. "Das ist vielleicht etwas primitiv, aber es gibt dir auch einen Sinn und Halt."