Villingen-Schwenningen

Bis Ende Juni geht erst mal gar nichts

von Sabine Streck

Während sich die Verwaltung ganz offensichtlich noch schwer tut mit der Einrichtung eines Baustellenunterstützungsfonds, sind andere Städte weiter.

VS-Schwenningen. CDU-Stadtrat Dirk Sautter hat in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses noch einmal auf die Dringlichkeit eines solchen Fonds nach dem Offenburger Vorbild hingewiesen. Er sprach von 50 Prozent Umsatzeinbußen und ersten Mitarbeiterentlassungen betroffener Händler rund um den Marktplatz. Einige Geschäftsinhaber würden die Durststrecke aufgrund der Baumaßnahme keine zwei Jahre durchhalten.

Baubürgermeister Detlev Bührer gab sich in der Sitzung einsilbig. In Offenburg gehe es um etwas anderes, aber die Stadt arbeite das Thema auf. Ein Betroffener sei bereits auf die Wirtschaftsförderin Beate Behrens zugekommen. Sie wolle nun Maßnahmen aufarbeiten. Es könnte beispielsweise ein Baustellenfest gefeiert werden, so wie es der Schwarzwälder Bote veranstaltet hatte, so Bührer.

Im September vergangenen Jahres hatte sich die Stadt allerdings mit der Genehmigung des Festes schwer getan und schlug auch die Einladung der Redaktion aus, mit fachkundigen Mitarbeitern den Besuchern Rede und Antwort zu stehen. Sie stellte lediglich Pläne zur Verfügung.

Welche Maßnahmen ergriffen werden, sei noch nicht spruchreif, erklärte am Mittwoch Madlen Falke von der Pressestelle der Stadt. Jedenfalls kümmere sich Beate Behrens auch um den Baustellenunterstützungsfonds. Sie sei aber bis 26. Juni im Urlaub. "Bis dahin tut sich nichts."

Der Baustellenunterstützungsfonds für Einzelhändler in Offenburg in einer Höhe von 50 000 Euro bezieht sich auf die Neugestaltung der östlichen Innenstadt in den nächsten zwei Jahren. Er sei nach dem Vorbild der Gemeinde Oberkirch vorsorglich eingerichtet worden und ist seit Mitte Mai im Umlauf. Es habe bereits "gewisse Interessensbekundungen von Einzelhändlern und Gewerbetreibenden gegeben", meinte Kirstin Niemann von der Stabstelle Stadtentwicklung Offenburg. Das aufwendige Baustellenmanagement koordiniere zwar die Arbeiten so, dass keiner viele Wochen leiden müsse, aber ohne Beeinträchtigungen gehe es dennoch nicht, erklärte Offenburgs Pressesprecher Wolfgang Reinbold.

Oberkirchs Wirtschaftsförderin Nadine Klasen ist tief drin im Thema Baustellenunterstützungsfonds. Sie hat ihn in Heidelberg betreut und jetzt in Oberkirch abgewickelt. Hier wurde die alte Hauptstraße zur Fußgängerzone umgestaltet. Eineinhalb Jahre dauerten die Arbeiten während der Komplettsperrung der Straße. Ende des vergangenen Jahres wurden die Arbeiten abgeschlossen. Mit 25 000 Euro wurde der Fonds bestückt. Noch sei ein Rest an Mitteln vorhanden. Aber es gebe die Möglichkeit, dass der Gemeinderat über eine weitere Erhöhung entscheide. Die Anträge für eine Unterstützung können die betroffenen Geschäftsleute im Nachhinein stellen. Der Fonds könne zwar nicht 100 Prozent der Umsatzrückgänge ausgleichen und ersetze auch nicht andere Maßnahmen wie zum Beispiel Mietsenkungen und Marketing, so Klasen. Aber die Kommune könne ein gutes Stück dazu beitragen, dass kein Geschäft wegen der Baustelle geschlossen werden müsse, was auch nicht der Fall gewesen sei.

Am Anfang sei es "nicht unkritisch" gewesen, weil Unterlagen vorgelegt werden müssen. Es habe viele Beratungsgespräche gegeben, dann "lief es wunderbar". Eine unabhängige Kommission wurde sowohl in Offenburg als auch in Oberkirch gebildet, die über die Anträge entscheidet. Wer ihr angehört, ist nur der Verwaltungsspitze bekannt. Es handelt sich um Vertreter, die sich im Einzelhandel, Steuerrecht und im Immobilienwesen auskennen. Weder Einzelhändler noch Vertreter aus der Verwaltung oder dem Gemeinderat seien dort vertreten, um jegliche Einflussnahme abzuwenden.

Zusätzlich habe Oberkirch eine "sehr intensive Informationspolitik" betrieben, dass die Geschäftsleute so früh wie möglich wussten, was auf sie zukomme. Schließlich hätten sie ein halbes Jahr Vorlaufzeit für die Bestellung ihrer Ware. Zum zusätzlichen Baustellenmarketing gehörten Plakate, Feste, Homepage, Facebook, umfassende Infobroschüren, ein Baustellenbüro und das Baustellenfrühstück – und immer wieder Kontakt zu den Betroffenen. Auch, wenn die Maßnahme aufwendig gewesen sei, so war sie doch ein sinnvoller Baustein, um inhabergeführte Geschäfte zu retten, sagte Klasen.