Villingen-Schwenningen

Barocke Klänge mit viel Glanz

von Siegfried Kouba

Lebendigen Barock vom Feinsten bot das Ensemble Locatelli aus dem norditalienischen Bergamo. "Das deutsche Venedig" war Thema der Musiker. Bezirkskantor Marius Mack von der evangelischen Kirchengemeinde Villingen hat mit den Sommerkonzerten eine Lawine losgetreten, um Massen in die Johanneskirche zu bewegen.

VS-Villingen. Pfarrer Oliver Uth freute sich über den enormen Zuspruch auf die Sommernachtsmusik und begrüßte die Musikfreunde herzlich. Ein genauer Blick auf den Veranstaltungs-Titel wurde plausibel: Händel weilte in Italien und nahm einen reichen Erfahrungsschatz mit, Vivaldi betätigte sich im deutschsprachigen Raum, Giovanni Benedetto Platti war am Hofe der Würzburger Fürstbischöfe erfolgreich, und Telemann griff den "italienischen Stil" auf.

Die Geiger Jérémie und Emilie Chigioni, Nicola Sangaletti, Viola, Tomas Gavazzi, Cembalo, Giulio Tanasini, Kontrabass und Gambe, Teun Wisse, Blockflöten, und Thomas Chigioni, Violoncello, Arrangeur und künstlerischer Leiter, waren professionelle, virtuose Instrumentalisten, um barocke Klänge in Reinkultur mit viel Glanz zu bieten. Das Publikum reagierte mit herzlichem Applaus. Heraus ragten die Solo-Konzerte, wie das auf Blockflöte adaptierte Orgelkonzert von Händel (HWV 293). Teun Wisse erwies sich als hervorragender Holzbläser, der elegant, mit ausgezeichneter Atemtechnik, temperamentvoll und mit kunstvoller Ornamentik aufwartete. Alles war gepaart mit italienischer Leichtigkeit, reizvollen schnellen Sätzen, gekonnter Phrasierung und bestem Zusammenwirken mit seinen Partnern. Gleiches galt für das mit Sopranblockflöte gespielte Vivaldi-Konzert in C. Die barocken Instrumente schufen bereits bei der Rinaldo-Ouvertüre eine Atmosphäre, die alte Musik ansprechend munter die Zuhörer berührte.

Mit Leidenschaft wurde Telemanns Doppelkonzert für Gambe und Blockflöte in a-Moll musiziert. Gambenist Giulio Tanasini überzeugte mit seiner Streichkunst. Näselnde Klangfärbung, angezogen Tempi mit mediterraner Ausstrahlung und ein süß dahinfließendes Dolce wurden zum Balsam für die Seele.

Fast 30 Cellokonzerte schrieb Giovanni Benedetto Platti. Bei seinem D-Dur-Werk tat sich der Chef des En­sembles, Thomas Chigioni, hervor. Das Werk wurde mit viel Dynamik und programmatischer Naturschilderung gestaltet. Der satte Ton des Cellos kam besonders im Adagio zur Geltung. Beflügelt schnell mit homogener Rundung war das Finale. Hochgenuss gab es mit dem Streicherkonzert RV 157 von Vivaldi, Gags mit Gesang und Percussioneffekten lieferten die Zugaben.